Zum Hauptinhalt springen

Pflanzenschutz: Von der Allzweckwaffe zum Methodenmix

Dieser Tage lud der DLG-Ausschuss für Pflanzenschutz zur ersten Sitzung des Jahres. Thema: Wie sind die neuen Entwicklungen im Pflanzenschutz einzuschätzen und welche Optionen hat der Landwirt in Zukunft?

Dazu stellte Stefan Kiefer, Leiter Produktmanagement Amazonen Werke H. Dreyer GmbH & Co.KG, Hasbergen-Gaste, einen interessanten Überblick über neuere technische Entwicklungen, aber auch über bereits etablierte Techniken vor, die intelligent und individuell kombiniert einen guten Methodenmix darstellen.

Ein dramatisches Wirkstoffsterben durch extrem verschärfte Auflagen im Zulassungsprozess, die Zunahme von Resistenzen und der immer lauter werdende Ruf der Gesellschaft nach einer grundwasserschonenden Bewirtschaftung erfordern ein Umdenken in der Pflanzenschutzstrategie der landwirtschaftlichen Unternehmer.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind unter anderem praxistaugliche technische Innovationen, gepaart mit pflanzenbaulichen Optimierungen, gefragt. Kiefer spannte im Rahmen seines Vortrags den Bogen von den neuesten Innovationen bei der Spritztechnik (hochpräzise Gestängeführung, Teilbreitenschaltung, Direkteinspeisung und automatisierte Bedienung) über Neuheiten in der Spritzdüsenentwicklung (automatisierte Düsenschaltung, intelligente Lösungen bei Kurvenfahrten sowie Düsen mit Pulsweitenmodulation), Precision-Farming-Ansätze für den Pflanzenschutz bis hin zu der Nutzung autonomer Systeme/Robotik.

In Zukunft wird sich das Pflanzenschutz-Portfolio auf den Betrieben wohl aus einer Mischung von mechanischen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen in Kombination mit Bandspritzungen, Spotapplikationen und autonomen Systemen/Robotik zusammensetzen.

Bei der Auswahl der einzelbetrieblichen Lösungen sollten die Landwirte allerdings immer ein Auge auf die Aufwand-Nutzen-Relationen haben. Viele der neuen technischen Möglichkeiten weisen hohe Anschaffungskosten auf und erfordern häufig auch eine spezielle Ausbildung des Anwenders. Aus diesem Grund und wegen immer höherer gesetzlicher Anwenderauflagen, zeichnet sich eine weitere Spezialisierung und Professionalisierung des Pflanzenschutzes ab.

Ob ein mehr mechanischer beziehungsweise verstärkter Einsatz hochtechnologischer Lösungen in der Gesellschaft auf mehr Akzeptanz stoßen wird als die gezielte Applikation von Herbiziden, wird sich noch herausstellen.

Auch wenn noch nicht alle sich abzeichnenden technischen Innovationen zur Zeit marktreif sind, bieten sich spätestens mittelfristig einige Möglichkeiten, die in Kombination mit notwendigen pflanzenbaulichen Optimierungen alternative Methodenmixe für die Betriebe bereithalten. Diese Entwicklung dahin mit einem gewissen Pioniergeist zu begleiten und den Mut aufzubringen, neue Wege einzuschlagen, ist dafür ein wichtiger Erfolgsfaktor.