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Perspektiven und Grenzen in der Tierfütterung

Die 74. Jahrestagung der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) wurde an der Georg-August-Universität in Göttingen ausgerichtet. Dem Ruf zur Tagung folgten insgesamt 245 Teilnehmer aus Wissenschaft (Tierernährung, Tiermedizin), angewandter Forschung, Beratung, Futtermittelindustrie (Futterzusatzstoffe, Mischfutter) sowie weiteren angrenzenden Disziplinen. Im Vergleich zu den Anmeldungen kamen etwas weniger zur Veranstaltung. Die zuvor empfohlenen hygienischen Vorsichtsmaßnahmen wurden damit sehr ernst genommen.

Die Basis für die fachliche Diskussion lieferten 124 begutachtete wissenschaftliche Beiträge (aufgeteilt in 55 Kurzvorträge und 69 Poster), die in verschiedenen Sektionen präsentiert und erörtert wurden. Neben klassischen Themen zu einzelnen Nährstoffen oder Verdauungs- und Absorptionsvorgängen erhielten Schwerpunkte wie Futterbewertung und Fütterungskonzepte, Fütterung im Zusammenspiel mit dem Intermediärstoffwechsel, Entzündungsgeschehen oder Umsetzungen im Pansen wieder eine hohe Beachtung.

Im diesjährigen Plenarvortrag stellte Prof. Dr. Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstitutes für Biologischen Landbau (FiBL) in Frick (Schweiz), Überlegungen und Forschungsergebnisse zu den „Globalen Perspektiven und Grenzen in der Tierfütterung“ zur Diskussion. Er erläuterte verschiedene Szenarien („Food not Feed“ vom FiBL, FAO-Vorschau 2050 und gegenwärtige Ernährung) und verglich diese hinsichtlich Flächenbedarf, Kraftfuttereinsatz, Protein- und Energieversorgung der Menschen und weiterer Faktoren.

Damit vermittelte er einen guten Überblick über die wesentlichen Herausforderungen der Tierhaltung vor allem aus der Sicht des ökologischen Landbaus und zeigte klar auf, dass die Ernährung einer Erdbevölkerung von etwa 10 Milliarden Menschen in 2050 ohne die Nutzung von vom Menschen nicht unmittelbar verzehrbarer organischer Biomasse und zahlreicher Nebenprodukte durch die Tierernährung schlichtweg unmöglich ist.

Der Workshop zum Thema „Bedeutung der Tierhaltung und -ernährung im Kreislaufsystem“ baute auf den Ausführungen von Prof. Niggli auf. Die vier Beiträge beschäftigten sich mit:

  • Grobfutter als Basis der Erzeugung von Milch und Rindfleisch (Prof. Dr. H. Spiekers, Dr. T. Ettle, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub)
  • Nutzung von Koppelprodukten beim Wiederkäuer (Dr. K. Gerlach, Universität Bonn; Prof. Dr. J. Hummel, Universität Göttingen)
  • Industrielle Nebenprodukte als Futtermittel für Schweine und Geflügel. Fluch oder Segen? (PD Dr. K. Schedle, Universität für Bodenkultur Wien)
  • Reserven und Lösungen für die Nutztierfütterung aus der Pflanzenzüchtung (Dr. P. Doleschel, Dr. V. Mohler, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising).

Der Tagungsband enthält außerdem eine Mitteilung des Ausschusses für Bedarfsnormen (AfBN) der GfE zu „Gleichungen zur Schätzung der Umsetzbaren Energie und der Verdaulichkeit der organischen Masse von Maisprodukten für Wiederkäuer“. Anhand neuer Datensätze wurde die Regressionsgleichung zur Berechnung der Umsetzbaren Energie angepasst und der neue Gültigkeitsbereich der Schätzformel definiert.

Ein ganz besonderer Dank der GfE gilt an dieser Stelle den Mitarbeitern des Departments für Nutztierwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen um Prof. Dr. J. Hummel für die umfassende und sorgfältige Organisation sowie die tatkräftige Unterstützung während der Tagung.
Die Tagungsproceedings mit allen veröffentlichten Beiträgen können über die Webseite der GfE (www.gfe-frankfurt.de) oder beim DLG-Verlag (www.dlg-verlag.de) bezogen werden (Preis: 29,90 Euro zzgl. Versand).