Zum Hauptinhalt springen

Hohe Wertschöpfung durch nachhaltige Milchproduktion

Unter diesem Thema trafen sich 260 führende Milcherzeuger und Berater dieser Tage zur 17. Konferenz des DLG-Forums Spitzenbetriebe Milcherzeugung und diskutierten in Hohenroda die aktuellen Herausforderungen bei der Milchproduktion.

Auftakt der Tagung war die jährliche Betriebszweigauswertung, an der sich 299 Betriebe beteiligt haben. Dr. Stefan Weber zeigte einmal mehr auf, wie viel Potential noch in den Arbeitserledigungskosten steckt. Auffällig war, dass die Betriebe bei den Produktionskosten immer geringere Unterschiede aufweisen. Es ergab sich, dass nach einem sehr guten Jahr ein wieder eher ernüchterndes Jahr mit einem für 65 Prozent der Betriebe noch positiven kalkulatorischen Betriebszweigergebnis von 1,26 Cent/kg Energie korrigierte Milch (ECM) folgte. Zurückzuführen ist dieses Ergebnis vor allem auf den gesunkenen Milchpreis im Vergleich zum Vorjahres-Niveau und die gestiegenen Produktionskosten, auch hervorgerufen durch die Dürresituation und damit schlechte Grundfuttersituation in 2018 und 2019.

Tomke Lindena vom Thünen-Institut berichtete zum Thema Nachhaltigkeit und erklärte zum Einstieg in das Thema, worum es hier geht und welche Modelle es weltweit gibt beziehungsweise wo die einzelnen Regionen ihre Schwerpunkte festlegen. Frau Lindena gab einen guten Überblick und zeigte, dass das Thema global schon länger auf der Agenda steht.

In sieben Arbeitskreisen konnten Landwirte sich bei Themen wie Kompostierungsställe, Eutergesundheit, N- und P-reduzierte Fütterung und nachhaltige Milchproduktion genauso austauschen wie im Bereich Mitarbeiterführung und Work-Life-Balance. Erstmals wurde auch das Thema Betriebsaufgabe diskutiert und mit einem Landwirt und einem Steuerberater genauer unter die Lupe genommen.

Von der Landwirtschaft in Deutschland ging es zur Milchproduktion in Finnland. Iikka Juntti bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Bruder in neunter Generation einen Milchviehbetrieb mit 115 Milchkühen. Herausforderungen in ihrem Land sind natürlich die klimatischen Bedingungen. So gibt es nur zwei Grasschnitte – einmal im Juni und einmal im August –, was Standard im Norden des Landes ist. Gemeinsam mit der Molkerei betreiben sie aktiv Öffentlichkeitsarbeit und präsentieren sich online mit einem eindrucksvollen Video, welches ihren Betrieb und ihre Arbeit zeigt.


Tierhaltung und Ethik – was hat sich in unserer Gesellschaft verändert? Dr. Christian Dürnberger, Philosoph an der Messerli Universität in Wien, erklärte, wie sich die Gesellschaft verändert. Anhand einer Umfrage von 2018 zeigte er, dass das Tierwohl mittlerweile an zweiter Stelle steht, wenn es darum geht, welche Aufgaben die Landwirtschaft in unserer Gesellschaft hat. Dürnberger zeigte, dass es wichtig ist, junge Landwirte in der Ausbildung darauf vorzubereiten, dass sie einen Beruf ausüben, der kritisch gesehen wird, um so auch besser damit umgehen zu können. Als sehr wichtig zeigte sich ein Punkt, der über die Veranstaltung immer wieder erwähnt wurde: Kommunikation im unmittelbaren Umfeld ist ein starkes Werkzeug, um den direkten Kontakt mit dem Verbraucher zu halten und das Bild der Landwirtschaft zu verbessern.

Zum Abschluss der zweitägigen Konferenz besuchten die Landwirte den Betrieb Wilhelmshof von der Familie Hilpert in Eiterfeld und den Betrieb der Familie Trageser in Linsengericht, die beide moderne Ställe und neue Technologien zeigten.