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Nährstoffkonzepte für morgen

Prof. Hülsbergen von der TU München wies vor dem DLG-Ausschuss auf die Notwendigkeit ausgeglichener Nährstoffbilanzen bei Stickstoff, Phosphor, Kali, Schwefel und bei Mikronährstoffen hin. Denn diese sind die Voraussetzung dafür, die Bodenfruchtbarkeit  zu erhalten. Im Mittelpunkt der Nährstoffversorgung stehen drei zentrale Handlungsfelder:

  • Betriebsstrukturen geben die grundsätzlichen Gestaltungsmöglichkeiten der Nährstoffkreisläufe vor. Ansatzpunkte sind die  Fruchtfolgegestaltung, neue Konzepte wie cut & carry, Tierhaltung (im eigenen Betrieb oder in Form einer Futter-Mist Kooperation), Erzeugung von Biogas beziehungsweise die Nutzung von Gärresten für die Nährstoffversorgung und schließlich die Erschließung sekundärer Nährstoffquellen wie Biokomposten 
  • Nährstoffzufuhr aus zusätzlichen Quellen, beispielsweise über zugelassene Mineraldünger wie weicherdiges Rohphosphat oder Kieserit und über zugelassene organische Handelsdünger wie Legiuminosenschrot.
  • Förderung der Nährstoffaufnahme und -mobilisierung im Boden. Im Zentrum stehen dabei die Pflanzen und deren Wurzelsystem im Zusammenspiel mit dem Bodengefüge, auch im Unterboden für eine optimale Durchwurzelung. Denn diese ist die Voraussetzung für die Nährstoffmobilisierung. Aber auch die Genotypen der angebauten Fruchtarten mit Augenmerkt auf hohe Nährstoffeffizienzen gewinnen an Bedeutung. 

Für Prof. Hülsbergen bleibt der betriebliche Nährstoffkreislauf auch in Zukunft das Handlungsfeld für die Nährstoffversorgung im Ökolandbau. Maßnahmen zur Verbesserung der Nährstoffmobilisierung und der Zukauf von Düngern können dabei einen ergänzenden Beitrag zur betrieblichen Nährstoffversorgung leisten.  

Andreas Jessen von der Naturland Fachberatung in Visselhövede sieht das betriebliche Management der Nährstoffgewinnung über die Fruchtfolgegestaltung beziehungsweise den Leguminosenanbau und neue Konzepte wie cut & carry als zentralen Ansatzpunkt des Nährstoffmanagements. Voraussetzung für die Düngeplanung ist die exakte Analyse der betrieblichen Nährstoffströme, um etwaige Nährstoffverluste im Anbausystem zu identifizieren und zu reduzieren. Doch auch die Erschließung von außerbetrieblichen Nährstoffquellen, etwa in Form von Kooperationen mit Tierhaltern oder auch durch die wie gütegesicherten Bio- und Grüngutkomposten, sind wichtiges Element im Nährstoffmanagement. 

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Ökoflächen gewinnt die Frage nach den Nährstoffquellen an Bedeutung. So diskutierte das Forum auch die Nutzung von Wirtschaftsdüngern in regionalen Kooperationen zwischen Öko- und konventionellen Landwirten. Denn auch im verbandsgebundenen Ökolandbau ist Mist aus konventioneller Tierhaltung zugelassen, der allerdings immer weniger verfügbar ist. So stellt sich die Frage, ob negative Nährstoffsalden auch durch lokale Futter- Mist-Kooperationen mit konventionellen Nachbarn vermieden werden können. 

Kooperation als Schlüssel für die Nährstoffversorgung

Kooperationen mit verschiedenen „Nährstofflieferanten“ ist ein Element der Nährstoffversorgung im Betrieb von Christoph Müller vom Biohof Müller Oelbke. So setzt er Grüngutfertigkompost vom Kompostwerk des Landkreises Göttingen ein. Dieser Kompost wird nach Getreide und vor Kartoffeln eingesetzt. Der Kompost dient als Phosphor- und Kalilieferant, um die Böden lockerer zu bekommen, die Wasserspeicherfähigkeit zu verbessern und um den Humusgehalt stabil zu halten. 

Zusätzlich verfügt der Betrieb Müller über eine Mistlagerhalle für Hühnertrockenkot und Mistkompost und es wird Tretmist von einem Kooperationspartner ausgebracht, dem der Betrieb Müller Stroh und Erntereste zur Verfügung stellt. Der Mist wird mit Gärresten eines weiteren Kooperationspartners gemischt, um die Rotte zu beschleunigen. So sollen Bodenlebewesen wie Pilze und Bakterien ernährt werden, um den Nutzpflanzen optimale Bedingungen für die Erschließung der Nährstoffe im Boden zu verschaffen. Dazu wird angestrebt, alle fünf Jahre mit Mistkompost zu düngen.

Schließlich ist auch die Fruchtfolgegestaltung ein zentraler Hebel im Nährstoffmanagement. Ein Grundsatz lautet: Auf eine Winterung folgt eine Sommerung und darauf wieder eine Winterung. Angebaut werden auch Sommergerste und Hafer. Gärrest oder Hühnertrockenkot, gründlich vor der Aussaat eingearbeitet, werden von den Sommerungen am besten genutzt.

Neue Quellen für die Zukunft? 

Für die zukünftige Nährstoffversorgung, insbesondere bei steigenden Anteilen an Ökoflächen, muss die Rückführung von Nährstoffen aus den Siedlungen in den Fokus rücken. Denn bisher werden die mit den Lebensmitteln in die Städte gelieferten Nährstoffe nicht genutzt. Dazu sind Verfahren notwendig, um hygienische und ökologisch tragfähige Düngemittel zu produzieren. Hieran muss intensiv wissenschaftlich und gearbeitet und Verfahren für die Praxis entwickelt werden.