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ITW, staatliches Label und Haltungskennzeichnung

Stefan Leuer zieht einen ökonomischen Vergleich

Wir brauchen meines Erachtens keine pauschale Extensivierung und bundesweit einheitliche Düngeregeln, sondern mehr schlag-, teilschlag- und jahresspezifische Präzision auf der einen Seite und definierte Obergrenzen der betrieblichen N-Bilanzsalden auf der anderen Seite.

Nitratauswaschung entsteht primär nach der Ernte im Herbst. Hier kann zielgerichtet angesetzt werden, wobei die Vermeidung oder Minderung kritischer Kombinationen von Fruchtfolgegliedern (zum Beispiel Winterraps/Winterweizen, Körnerleguminosen/Winterweizen Mais/Mais) und der gezielte Einsatz von Zwischenfrüchten wichtige Bausteine darstellen.

Aktuell regt sich – aus meiner Sicht berechtigterweise - aber für viele außerhalb des Agrarsektors vielleicht unerwartet, massiver Widerstand der Landwirte gegen die Pläne der erneuten Novellierung der Düngeverordnung. Pauschal gesehen hat der Sektor nach wie vor ein deutliches Stickstoffüberschussproblem, der Bruttoüberschuss ohne Abzug von Ammoniakverlusten liegt immer noch bei 90 kg N/ha und nur ca. jedes zweite Kilogramm Stickstoff, das in die landwirtschaftlichen Betriebssysteme hineinläuft, verlässt am Ende in Form von Produkten die Betriebe. Der Rest geht nicht nur unproduktiv verloren, sondern belastet gleichzeitig Klima und Umwelt. Es gibt zwar einen leichten Trend zur Verbesserung dieser Zahlen, jedoch wurde dieser unter anderem durch die über die EEG-Umlage von allen Bürgern finanzierte erhebliche Ausweitung des Biogassektors und die hierin anfallenden Gärrückstände in den vergangenen Jahren deutlich abgeschwächt. Zunehmende Ertragsschwankungen machen es darüber hinaus immer schwerer, bedarfsgerecht zu düngen.

Erst einmal pauschal 20 Prozent weniger Stickstoff zu düngen, kann dann ja keine schlechte Idee sein oder?

Nein, ein solches Vorgehen ist wenig zielführend. Verglichen mit anderen Maßnahmen weist eine pauschale Reduktion der Stickstoffdüngung eine schlechte Kosten-Nutzen Relation auf. Es ist pflanzenbauliches Lehrbuchwissen, dass bis kurz vor dem Erreichen des standort- und jahresspezifischen Ertragspotenzials, die Nmin-Restmengen zur Ernte und die folgende Stickstoffauswaschung meist nur sehr geringfügig mit steigender Düngungsmenge ansteigen. Berücksichtigt man indirekte Landnutzungseffekte, kann auch gezeigt werden, dass eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung recht nahe am Klimawirkungsoptimum liegt. Eine starke Extensivierung der Produktion übt durch einen Mehrverbrauch an Fläche auf globaler Ebene negative Klimawirkungen aus, welche die lokale Entlastung häufig überkompensieren. Nur wenn wir unseren Futtermittel- und Nahrungsgüterverbrauch um mindestens den gleichen Betrag reduzieren würden, der durch die anstehenden Extensivierungsmaßnahmen nicht mehr in Deutschland produziert wird, hätten wir etwas für die Umwelt getan. 

Wir brauchen meines Erachtens keine pauschale Extensivierung und bundesweit einheitliche Düngeregeln sondern mehr schlag-, teilschlag- und jahresspezifische Präzision auf der einen Seite und definierte Obergrenzen der betrieblichen N-Bilanzsalden auf der anderen Seite. In den letzten Jahren hat sich im Hinblick auf das verfügbare Wissen zur präziseren Düngung einiges an Fortschritten ergeben. Der ökonomische Anreiz, dieses Wissen zu nutzen, war jedoch häufig gering. Leider war bereits die Düngeverordnung 2017 hier ein Schritt in die falsche Richtung. Sie war aus meiner Sicht im Hinblick auf die Bestimmung der Stickstoffbedarfswerte weniger präzise, als sie es hätte sein können. Letztlich sind jedoch starre Bedarfswerte überflüssig, wenn ein gut kontrolliertes mehrjähriges betriebliches N-Saldo zum sparsamen Umgang mit Stickstoff zwingt. In welche Richtung geht die Politik? Von einem unpräzise definierten Ausgangspunkt (DüV 2017) werden pauschale Abzüge gemacht und das betriebliche N-Saldo verschwindet zunächst einmal aus der Verordnung. 

Nitratauswaschung entsteht primär nach der Ernte im Herbst. Die Akkumulation von Nitrat erfolgt durch hohe Mineralisationsraten aus der organischen Bodensubstanz durch nicht bedarfsgerechte beziehungsweise unnötige Stickstoffdüngung bei gleichzeitig fehlender Stickstoffaufnahme durch einen wachsenden Pflanzenbestand. An diesen Punkten kann zielgerichtet angesetzt werden, wobei die Vermeidung oder Minderung kritischer Kombinationen von Fruchtfolgegliedern (zum Beispiel Winterraps/Winterweizen, Körnerleguminosen/Winterweizen Mais/Mais) und der gezielte Einsatz von Zwischenfrüchten wichtige Bausteine darstellen. Dänemark hat seine Düngeregeln umgestellt, weg von einer starken Reglementierung der Düngemengen hin zu anspruchsvollen Zielen der Winterbegrünung.