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Ernteerträge im Futterbau erfassen und nutzen

In der Produktion von Marktfrüchten ist die Erfassung der geernteten Mengen ein Standardverfahren, ohne dass eine Abrechnung schlichtweg unmöglich ist. Anders sieht die Situation im Futterbau aus, hier liegt die flächendeckende Erfassung der Ernteerträge oft noch in weiter Ferne. Das dies in Zeiten immer weiter voranschreitender Digitalisierung ein nicht hinzunehmendes Dilemma darstellt, ist unstrittig. Aus diesem Grund wurde die Thematik auf der vergangenen Wintertagung im Impulsforum von verschiedenen Seiten beleuchtet und die wesentlichen Argumente dafür zusammengetragen. 

Eine zukünftige Triebkraft für die genaue Erfassung im Futterbau ist die Möglichkeit, hohe Leistungen aus selbst produziertem Grobfutter zu erzielen, um höhere Mengen an N und P im Rahmen der Stoffstrombilanz in Ansatz bringen zu können. Als weiterer Ansatz stellt die genaue Kenntnis des Entzugs von der Fläche die Grundlage für eine bedarfsgerechte Düngung dar. Zusätzlich machen die sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen eine bessere qualitative und quantitative Absicherung der Futtermengen erforderlich. Und schlussendlich geht es insgesamt darum, die verschiedenen Möglichkeiten zur Ausdehnung der digitalen Erfassung zu erörtern, weiterzuentwickeln und in die tägliche Praxis einzuführen.

Zu den einzelnen Schwerpunkten bezogen vier ausgesprochene Experten Stellung und zeigten mögliche, notwendige und neue Wege auf. Den Beginn machte Dr. Gerhard Riehl, Leiter des Referats Grünland, Weidetierhaltung am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Pöhl, und stellvertretender Vorsitzender des DLG-Ausschusses Grünland und Futterbau. Er berichtete von immensen Ertragsunterschieden innerhalb und auch zwischen den Schlägen sowie einzelner Erntejahre. Die Kenntnis der schlagbezogenen Futtererträge stellt somit die Grundvoraussetzung einer nutzungs- und standortangepassten Düngebedarfsermittlung und deren Umsetzung durch die Düngung sowie die Vermeidung zu hoher Düngergaben mit negativen Auswirkungen auf Umwelt und Futter(protein)qualität dar. 

Im zweiten Beitrag zielte Prof. Dr. Hubert Spiekers, Leiter des Instituts für Tierernährung und Futterwirtschaft der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub, und Vorsitzender des DLG-Arbeitskreises Futter & Fütterung, auf die generell auftretenden und im Weiteren auf die vermeidbaren Verluste von der Ernte bis zur Fütterung ab. Um möglichst hohe Futtermengen und -qualitäten zu erreichen, müssen neben einem guten Ausgangsmaterial ein optimales Silier- und Silomanagement sowie ein strategischer Siliermitteleinsatz über ein umfassendes Controlling abgesichert werden. Für jeden Betrieb sind Minderungen der Verluste um 5 bis 10 Prozentpunkte dauerhaft möglich. Das Motto ist „Mehr von dem was wächst nutzen“.

Danach widmete sich Prof. Dr. Martin Elsäßer, Leiter des Fachbereichs Grünlandwirtschaft und Futterbau am Landwirtschaftlichen Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei, Aulendorf, und langjähriger Vorsitzender des DLG-Ausschusses Grünland und Futterbau, der Grünlandbewirtschaftung in Trockenphasen. Zur Erleichterung des späteren Wiederaustriebes sollen Stoppelbereiche von Gräsern unbedingt geschont werden. Um Ertragsverluste aufzufangen, sollte der Fokus auf trockentolerantere Genotypen gelegt und tiefwurzelnde Klee-Arten gefördert werden. Da Mischbestände stabiler sind, sollte bei Nachsaaten auf geeignete Sorten mit guter Resilienz geachtet werden. Die Phasen mit geeigneter Witterung müssen dann möglichst intensiv und effizient genutzt werden.

Abschließend zeigte Stefan Thurner, Arbeitsgruppenleiter Grünland und Futterkonservierung am Institut für Landtechnik und Tierhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising, welche Möglichkeiten und Vorteile die Digitalisierung speziell bei der Erfassung der Erträge im Grünland für den Landwirt bieten kann. Die Ertrags- und Feuchteermittlung am Feldhäcksler gilt heute als gute Möglichkeit zur Erfassung hinsichtlich vertretbarer Aufwände und hoher Genauigkeiten sowie einer zuverlässigen Planung von Futtervorräten und einer standortbezogenen Optimierung der Grünlandbewirtschaftung (auch beim Silomais). Transportfahrzeuge mit Wiegeeinrichtung und automatische Datenübertragung helfen, den Arbeitsaufwand weiter zu verringern. Erfassungssysteme in Ladewagen und Ballenpressen verfügen teils schon über NIRS-Sensoren und erleichtern so die Erfassung aller Schnitte.

Das Vorgehen zur korrekten Differenzierung der Ertragsebenen und deren Erfassung ist im DLG-Merkblatt 416(Mengenmäßige Erfassung des wirtschaftseigenen Futters) klar beschrieben und werden durch das Merkblatt 443(Berücksichtigung der Grobfutterleistung von Milchkühen bei der Abschätzung der Ernteerträge im Rahmen des Nährstoffvergleichs nach § 8 Absatz 3 der Düngeverordnung) und das Merkblatt 444(Berücksichtigung N- und P-reduzierter Fütterungsverfahren bei den Nährstoffausscheidungen von Milchkühen) in ihrer Bedeutung unterstrichen. 

Die Merkblätter können unter https://www.dlg.org/de/landwirtschaft/themen/tierhaltung/futter-und-fuetterung/ abgerufen werden, weitere Informationen erhalten Sie beim DLG-Fachzentrum Landwirtschaft (Kontakt: Dr. Detlef Kampf, Tel.: 069/24788-320, Mail: d.kampf@dlg.org