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DLG-Spitzenbetriebe: Neues Denken und Neues Umsetzen

Es ist paradox, wie Dr. Jörg Bauer vom LLH, Vorsitzender des DLG-Ausschuss Schwein in seiner Begrüßung feststellte: Ferkel- und Mastschweinepreise wie lange nicht mehr auf der einen Seite sowie Frustration und Sorge aufgrund der mittlerweile seit Jahren fehlenden Planungssicherheit und immer weiter heranrückenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf der anderen Seite führen zu einer seltsamen Gemütslage bei den Schweinehaltern. 

Bauer stellte fest, dass immer noch die gleichen ungelösten Themen auf der Agenda stehen wie bei seiner Begrüßung zur 18. Konferenz vor einem Jahr: ASP (damals bedrohlich nahe in Belgien, heute zusätzlich in Polen), Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sowie eine Art „Schockstarre“ der Politik. Letztere scheint sich durch das Strategiepapier der Borchert-Kommission zwar etwas aufzulösen, der Knoten sei aber noch lange nicht geplatzt. Als „Megaerfolg“ bezeichnet Bauer die durch Land.Schafft.Verbindung (LSV) organisierten Demonstrationen, die in der Bevölkerung seiner Ansicht nach nicht als Frustdemos sondern als Zieldemos wahrgenommen werden. 

Beim Blick auf die betriebswirtschaftlichen Zahlen der Ferkelerzeugung und Mast im Wirtschaftsjahr 2018/2019 fällt auf, dass ein weiteres Mal die Spitzenbetriebe näher zusammengerückt sind. Neben der DLG-Umfrage bestätigte dies auch die vorgestellten Auswertungen aus der Erzeugerring-Datenbank. So konnten biologische und ökonomische Kennzahlen verbessert werden, was den Betrieben Investitionsmöglichkeiten eröffnet. Das Problem ist nur, dass diese aktuell eher außerhalb des Betriebszweiges Schweinehaltung und teilweise sogar der Landwirtschaft getätigt werden. Just in diesen Zeiten ist es also wichtig, über Alternativen nachzudenken, zum Beispiel über:

  • Haltungsformen, um Tierwohl und Umweltbelangen gleichermaßen zu begegnen
  • Fütterungsstrategien, um bedarfsgerecht und ressourcenschonend zu füttern
  • Vermarktungsformen, um die Nachfrage zu decken und Erlöspotenziale auszuschöpfen
  • Arbeits- und Kommunikationsformen, um Mitarbeiter zu finden, zu motivieren und  langfristig zu binden. 

 

Fachliche Strategien wurden intensiv in den Arbeitskreisen ausgetauscht, die von den Betriebsleitern und Beratern besucht und gestaltet wurden. 

Einen Blick aus der Vogelperspektive wagte zuvor Hanna Jürgensmeier von der Scenario Management International AG aus Paderborn. Ihr Institut hat acht denkbare Szenarien für die Zukunft der Ernährung beschrieben und dabei den Bezug zur Agrarwirtschaft hergestellt. Wichtig sei dabei, Veränderungen und Trends zur erkennen und einzuordnen. Die Geschichte zeigt, dass dies nicht immer gelungen ist…

Dass die DLG-Spitzenbetriebe durchaus offen für Veränderungen sind zeigte Sven Häuser vom DLG-Fachzentrum anhand der Auswertungen zum Schwerpunktthema „Anders machen. Alternativen schaffen.“ Viele Betriebe haben bereits Erfahrungen mit alternativen Stall- beziehungsweise Buchtensystemen gesammelt, um das wichtige Thema Ringelschwanz weiter voranzubringen. Auch die unterschiedlichen Methoden der Spitzenbetriebe, um Mitarbeiter zu finden, zu binden und für steigende Tierwohlanforderungen zu motivieren, gab vielen Anregungen mit nach Hause. 

Wie man in Finnland erfolgreich in der Schweinehaltung sein kann, zeigte EPP-Mitglied Timo Heikkilä auf. Er tauschte seine Erfahrungen mit steigenden Tierwohlanforderungen und dem Ringelschwanz als „Glücklichkeitsindiator“ mit seinen deutschen Berufskollegen aus. Dass Tierwohl und Emissionsminderung für Schweinehaltung kein Widerspruch sein muss führte Helmut Döhler aus, der ein Stallsystem ohne Mist und Gülle vorstellte und wo Ammoniak bereits in seiner Entstehung gehindert wird. 

Anders gedacht hat auch Christoph Becker, Mitglied im DLG-Ausschuss Schwein. Er stellte dem Plenum seine ganz persönlichen Gedanken zur Zukunft der Schweinehaltung vor und hat diese intensiv mit den Teilnehmern diskutiert. Alternativen schaffen heißt nämlich auch, anderes Denken zulassen. Denn Veränderungen finden nicht nur im Stall, sondern vor allem im Kopf statt.