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"Das Interesse an Landtechnik hat zugenommen"

Peter Grabmann hat als Jugendlicher eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolviert. Danach hat er verschiedene Stellen rund um die Landtechnik von der Antriebstechnik über Vertrieb und Export bis hin zum Spezialisten für Erntemaschinen bekleidet. Heute ist er Bereichsleiter Gülletechnik bei einem namhaften süddeutschen Maschinenbau-Unternehmen. Für den DLG-Newsletter sprach er über seinen Werdegang, seinen Eintritt in die DLG und über zukünftige Herausforderungen der Landtechnik-Branche.

Herr Grabmann, Sie sind ja ein richtiger Landmaschinentechnik-Fan, wenn man das so sagen darf?

Peter Grabmann: Das stimmt. Ich bin sozusagen seit meinem 15. Lebensjahr in Kontakt mit Landtechik. Meine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker habe ich in einer kleinen Dorfwerkstatt gemacht, in der der Seniorchef Landmaschinen- und Schmiedemeister war und der Junior Kfz-Mechaniker-Meister. Somit hatte ein großer Teil meiner Tätigkeit mit Landmaschinentechnik zu tun.

Bereits in meinem ersten Lehrjahr wurde ich von einem Lohnunternehmer gefragt, ob ich in den Wintermonaten nicht seine Mähdrescher und Zuckerrübenvollernter instand halten möchte. Da ich durch die schon jahrelange Tätigkeit auf dem Hof meines Onkels eine große Leidenschaft für Landmaschinen entwickelt hatte, freute ich mich über die Anfrage und war sofort mit Begeisterung dabei. Es kam wie es kommen musste, bereits mit 16 Jahren war ich mit den Mähdreschern, Zuckerrübenrodern und anderen Landmaschinen für den Lohnunternehmer unterwegs.

Und dann sind Sie der Landtechnik auf ihrem weiteren Lebensweg treu geblieben?

Grabmann: Inzwischen begleiten mich die Landmaschinen mehr als 35 Jahre. Nach der Lehre habe ich mich entschlossen, auf dem zweiten Bildungsweg die Mittlere Reife an der der Berufsaufbauschule und das Abitur an der Berufsoberschule nachzuholen, um anschließend ein Studium für Maschinenbau an der FH in Augsburg anzutreten. Auch während des Studiums war ich viele Stunden bei mehreren Lohnunternehmern mit dem Fahren großer Landmaschinen beschäftigt. Bald kam das Fahren der großen selbstfahrenden Feldhäcksler und so weiter dazu.

Eine Zeit lang war ich als Key-Account-Manager für die Landtechnik tätig und dabei für alle großen Landmaschinenhersteller wie John Deere, Claas CNH und so weiter verantwortlich.

Sie waren sicher auch viel auf der Agritechnica?

Grabmann: In den ersten Jahren war ich für einen Hersteller von Antriebssystemen in den Hallen der Zulieferfirmen auf der Messe vertreten. Seit rund zehn Jahren bin ich in den Hallen mit den großen Ständen tätig. Die Hallen mit den Zulieferern sind bei weitem nicht so stark frequentiert wie die der großen Landmaschinen.

Was mir aber in den letzten Jahren auffällt, ist, dass sich die ersten beiden Tage als Expertentage mehr und mehr zu einem gewöhnlichen Tag verändern. Die Idee, an den ersten beiden Tagen speziell die Lohnunternehmer und so weiter auf der Messe zu haben und die dann etwas ausführlicher bedienen zu können, verliert sich in letzter Zeit sehr, was ich sehr bedauere. Natürlich ist es schön, allen Landtechnikbegeisternden die neuesten Maschinen zu erklären, wenn aber das Fachgespräch für die Lohnunternehmer mehr und mehr darunter leidet, da auch an diesen Tagen die Hallen schon extrem überfüllt sind, finde ich das etwas schade.

Ansonsten glaube ich, dass das Interesse an der Landtechnik die letzten Jahre zugenommen hat und mehr und mehr Besucher auf der Messe sind.

Was gefällt Ihnen an der Agritechnica besonders?

Grabmann: Mir gefällt das Konzept der „Werkstatt live", die die DLG und der Bundesverband Landbautechnik LBT als Werbung für den Nachwuchs organisieren, sehr gut. Hier dürfen sich die jungen Talente auf der großen Bühne präsentieren. Zum einen ist es sicher sehr hilfreich, Nachwuchs für den Landtechnikbereich zu werben, was angesichts des fehlenden Personals in unseren Werkstätten absolut notwendig ist, und zum anderen wird die Gesellschaft darüber informiert, mit welchen High-Tech-Maschinen wir mittlerweile für die Lebensmittel dieser Welt sorgen.

Landmaschinenmechaniker hat wie der Beruf des Landwirts leider mit einem etwas negativen Image zu kämpfen. Wenn die Besucher sehen, welche Technik mittlerweile eingesetzt wird und welche hoch qualifizierten Leute es benötigt, um diese Technik am Laufen zu halten, hoffe ich, dass sich dadurch die Einstellung der Menschen zur Landwirtschaft etwas ändert.

Sie sind 2019 in die DLG eingetreten. Was war der Grund für Ihren Eintritt?

Grabmann: Die DLG begleitet mich schon sehr lange beruflich wie privat. Für mich als Techniker sind natürlich die DLG-Tests schon immer sehr interessant gewesen. Durch die DLG-Mitgliedschaft bin ich noch etwas näher dran und bekomme durch den Newsletter regelmäßig Infos automatisch zugeschickt. So verpasse ich weniger und kann bei meinen Kunden als kompetenter Ansprechpartner auftreten. Für mich ist es wichtig, mit meinen Kunden auf Augenhöhe diskutieren zu können, und dabei helfen mir die vielen Berichte aus dem DLG-Newsletter sehr.

Wie sind Ihre Erwartungen als neues Mitglied an die DLG? Wurden diese im ersten halben Jahr bisher erfüllt?

Grabmann: Was ich bis jetzt als neues Mitglied über die Technikthemen sagen kann, ist durchweg positiv. Da ich noch nicht so lange dabei bin, kann ich noch nicht sagen, ob mir die Berichte über die Technik ausreichen oder nicht. Natürlich bin ich als Techniker immer an Technikthemen interessiert, aber da die Themen auch gut recherchiert sein sollen und eine gewisse Tiefe haben müssen, bin ich der Meinung, dass es lieber etwas weniger Berichte sein können, wenn diese tiefere Infos bieten. Bis jetzt bin ich damit wie gesagt zufrieden. Vielleicht kann man etwas mehr aktuelle Themen, die gerade in der Öffentlichkeit diskutiert werden, aufgreifen und mit Hintergrundinfos ausfüllen.

Was sind denn aktuelle Themen, die Sie interessieren?

Grabmann: Ich finde die öffentliche Diskussion derzeit extrem einseitig. Leider haben die Landwirte derzeit einen sehr schweren Stand in unserer Gesellschaft. Aus meiner Sicht bräuchten die Bäuerinnen und Bauern eine viel größere Unterstützung. Der Beruf Landwirt ist nur noch eine relativ kleine Minderheit, die derzeit durch die großen Umweltbewegungen in ein sehr negatives Licht gerückt werden.

Da ich persönlich keine Landwirtschaft habe, bin ich "Gott sei Dank" von den Anfeindungen und negativen Stimmungsmachern nicht direkt betroffen. Durch meine jahrelange Tätigkeit in der Branche möchte ich aber behaupten, dass ich nah genug dran bin, um beurteilen zu können, was die Landwirte für unsere Ernährung, Umwelt, Energieversorgung und so weiter tun.

Wenn ich den Wandel, der in den letzten Jahrzehnten in der Landwirtschaft stattgefunden hat betrachte, kann ich nur sagen, die Landwirte haben schon enorm viel ins Positive verändert. Natürlich haben sich die Landwirte mehr und mehr in Richtung Großbetriebe entwickelt, aber mit der Landwirtschaft von vor 50 Jahren könnten die Herausforderungen von heute unmöglich bewältigt werden.

Aus meiner Sicht sollte sich die Politik der Subventionen in der Landwirtschaft dahingehend ändern, dass der Landwirt vernünftige Preise für seine Erzeugnisse bekommt und damit nicht auf Subventionen angewiesen ist. Damit würde der Landwirt belohnt, der hohe Qualität erzeugt und nicht der, der besser weiß wo er welchen Antrag stellen kann.

Ein Beispiel der fehlerhaften Politik ist die Biogastechnologie. Die gut gedachte Idee der "Energiegewinnung aus Abfall" wurde dadurch torpediert, dass die Bundesregierung anfänglich eine extreme Bezuschussung der Technologie durch das EEG geschaffen hat. Ich denke, man kann es da den Landwirten nicht verdenken, dass dadurch die Biogasanlagen wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Wenn ich für den Hektar Mais in der Biogasanlage einen wesentlich höheren Deckungsbeitrag erreichen kann als für einen Hektar Weizen, dann ist es doch nur geschäftstüchtig, wenn ich mich auf die NawaRo-Anlagen stürze.

Als die Politik jetzt getrieben durch die Öffentlichkeit (Vermaisung der Landschaft, Essen vor Energie, Teller vor Strom usw.) um ihren guten Ruf bangen musste, kam die radikale Kehrtwende. Das neue EEG macht den Betrieb und damit den Bau einer Biogasanlage unwirtschaftlich.

Nichtsdestotrotz liefert die Biogastechnologie die einzige regenerative Energie, die relativ leicht zu speichern ist und damit flexibel in das Energienetz eingespeist werden kann. Wind- und Sonnenenergie gibt es nur dann, wenn es die Natur hergibt. Bei diesen langfristig angelegten Projekten wäre eine bessere Planung und Folgenabschätzung seitens der Politik wünschenswert.

Das Gespräch führte die Agrarjournalistin Angelika Sontheimer