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„Zukunftsstrategie Landwirtschaft“

Hubertus Paetow zur DLG-Wintertagung 2020: Agrarstandort Deutschland - Weltmarkt, Premiummarkt oder Marktausstieg?

Die anhaltende Bewegung der letzten Wochen aus dem Berufsstand heraus hat der Landwirtschaft und ihren Anliegen Reichweite von der Politik bis in die breite Gesellschaft gebracht. Von der regionalen Tageszeitung über Talkshows bis zum Bundeskanzleramt – Landwirtschaft ist im öffentlichen Diskurs angekommen. 

Über allen Diskussionen zu gesetzlichen Vorgaben, der Erfüllung gesellschaftlicher Anforderungen oder auch um Lebensmittelpreise sowie den damit verbundenen durchaus kontroversen Meinungen steht die Sorge um die Zukunftsfähigkeit des Agrarstandortes Deutschland. Die Frage nach der Zukunftsstrategie Landwirtschaft bleibt weiter offen.

Nirgends wird dies so deutlich wie bei der Auseinandersetzung um die Düngeverordnung. Auf der einen Seite besteht Misstrauen und Unzufriedenheit gegenüber dem Nitratmessestellennetz, auf der anderen Seite steht eine Klage aus Brüssel und nun auch noch eine zugesagte „Bauernmilliarde“, die weder Landwirte erfreut, noch automatisch zur Zielerreichung beiträgt. Die Situation spitzt sich zu und einfache Lösungen sind kaum noch zu finden. Die Frage, ob die Düngeverordnung überhaupt überarbeitet werden muss, stellt sich nicht mehr.

Um die jetzige mediale Aufmerksamkeit zu nutzen und nicht in negative oder sogar radikale Muster zu verfallen, braucht es eine Botschaft nach vorne. Nur mit einer klaren Zukunftsstrategie Landwirtschaft aus der Branche lässt sich der Diskurs weiterhin aktiv gestalten. Wir als Branche sind hier gefordert!

Dabei muss uns klar sein, dass die Anforderungen der Gesellschaft an Umwelt-, Klimaschutz, Tierwohl und Biodiversität unabhängig vom Einkaufsverhalten der Bürger die Rahmenbedingungen auf dem Acker und im Stall prägen. Ein mehr an Nachhaltigkeit ist deshalb unverzichtbarer Bestandteil dieser Strategie. Ein mehr an Nachhaltigkeit muss aber auch im besten Fall über den Markt entlohnt werden, und das müssen wir Landwirte mit den Akteuren der gesamten Wertschöpfungskette kommunizieren. Wir müssen ein Bild davon entwerfen, wie eine Landwirtschaft aussehen kann, die nachhaltig ist und gleichzeitig produktiv wirtschaftet, die verantwortungsbewusst mit Tieren und Umwelt umgeht und nicht zuletzt ökonomisch erfolgreich für die Betriebe ist.

Dass dies auch Konsequenzen für uns Landwirte haben wird, ist bereits heute sicher. Denn die geforderten Standards für Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz oder auch Biodiversität führen zu einer zunehmenden Differenzierung des Marktes. Die Haltungskennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels in der Tierhaltung ist dafür ein Beispiel und zeigt, dass die Zukunft unserer Betriebe immer weniger in Standardkonzepten liegt. Vielmehr führen individuelle Strategien zum Betriebserfolg, die wiederum von der jeweiligen Wertschöpfungsstrategie abhängen – etwa der Erzeugung von Milch oder Fleisch unter hohen Tierwohlstandards, der Produktion von Rohstoffen für den neuen Markt von Fleischersatzprodukten oder auch der Erzeugung für internationale Märkte, etwa im Export von Getreide.

Dies alles zeigt: Unsere Branche ist im Wandel. Nach Jahrzehnten mit dem klaren Fokus der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, steht sowohl die Art und Weise der landwirtschaftlichen Produktion, als auch das Produktionsziel an sich auf dem Prüfstand. Die DLG-Wintertagung „Agrarstandort Deutschland“ wird Fragen nach den Perspektiven des Standortes stellen und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Ich lade Sie herzlich ein, die Zukunftsstrategie Landwirtschaft in Münster mitzugestalten.

Tagungsprogramm