Zum Hauptinhalt springen

Zum Tode von Prof. Dr. Olaf Christen

Irgendwann Anfang der 1990er Jahre rief ein junger Wissenschaftler bei der DLG in Frankfurt an: Er sei gerade von einem einjährigen Postdoc-Aufenthalt aus Australien zurück und habe den Eindruck, die Pflanzenbauwissenschaft könne in Deutschland in Richtung landwirtschaftlicher Praxis und nichtlandwirtschaftlicher Öffentlichkeit viel mehr tun. Diese Verbindung von Wissenschaft und Praxis, diese kommunikative Begabung, dieses schnelle Erfassen und „Auf-den-Punkt-Bringen“ waren schon damals herausragende Eigenschaften von Olaf Christen. Das gefiel nach den DLG-Mitteilungen noch der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und hätte aus ihm auch einen hervorragenden Journalisten gemacht. Aber Olaf Christen blieb der Wissenschaft und dem Kieler Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung treu, an dem er 1990 promoviert worden war und 1998 habilitierte. Im Jahr 2000 wurde er schließlich als Professor für Allgemeinen Pflanzenbau/Ökologischen Landbau an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg berufen. Von 2014 bis 2017 hatte er dort zudem das herausfordernde Amt des Dekans der Naturwissenschaftlichen Fakultät III inne.

Als Wissenschaftler hat Olaf Christen intensiv an den Grundlagen des klassischen Acker- und Pflanzenbaus gearbeitet, aber wissenschaftliche Reputation allein war ihm nicht genug. Er hatte eine linke und eine rechte Herzkammer und wie für die Wissenschaft schlug sein Herz ebenso intensiv für die landwirtschaftliche Praxis. Daher verband er sich sehr innig mit der DLG und ihren pflanzenbaulichen Ausschüssen, wo seine wissenschaftlichen Arbeiten auf fruchtbaren Boden fielen. Zahlreiche Beiträge zu Fruchtfolgegestaltung, Ertragsbildung, Bodenfruchtbarkeit, Humuswirtschaft und Bodenbearbeitung fanden ihren Niederschlag in der klassischen Ausschussarbeit der DLG. Dort profitierte er seinerseits wieder von den Erfahrungen der praktischen Pflanzenbauexperten.

Als die DLG vor rund 10 Jahren das Internationale Pflanzenbauzentrum in Sachsen-Anhalt einrichtete, gehörte er zu den maßgeblichen Konzeptentwicklern und er wirkte entscheidend mit an der Forschungsstrategie, die sehr konsequent in die Einrichtung von Langzeitversuchen zur Fruchtfolgegestaltung, Bodenbearbeitung und Düngung mündete. Ebenso intensiv widmete er sich den Wirkungen landwirtschaftlicher Praxis auf die biotische und abiotische Umwelt und so war es nur folgerichtig, dass er sich sehr frühzeitig in die Konzeption des DLG-Nachhaltigkeitsstandards für die Landwirtschaft einbrachte. Hierfür entwickelten die Arbeitsgruppen an den Universitäten Halle und München die wissenschaftliche Basis.

Olaf Christen war ein ausgesprochener Netzwerker, Treiber eines interdisziplinären Ansatzes in der Pflanzenbauforschung und Übersetzer wissenschaftlicher Grundlagen in die landwirtschaftliche Praxis. Das zeigen nicht nur seine vielfältigen Publikationen und Vorträge, sondern auch seine Mitgliedschaften in zentralen wissenschaftlichen Gesellschaften der Agrarwissenschaften. Im Dachverband Agrarforschung und der Deutschen Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften wirkte er zudem auch als Präsident.

In der DLG entwickelt sich Olaf Christen seit 1999 zum wissenschaftlich-praktischen Dreh- und Angelpunkt des Acker- und Pflanzenbaus. Folgerichtig übernahm er Verantwortung in Fachgremien und den Vereinsorganen der DLG. Dazu zählen der Ausschuss für Ackerbau, die Arbeitsgruppe Nachhaltige Landwirtschaft, der Fachbeirat des Internationalen Pflanzenbauzentrums, der Verwaltungsrat des DLG-Verlages sowie die höchsten Gremien der DLG, der Gesamtausschuss, Vorstand und Aufsichtsrat.

Die Persönlichkeit Olaf Christen wäre nur sehr unvollständig umrissen, wenn seine vielfachen Leidenschaften nicht wenigstens angesprochen wären. Legendär sind seine spektakulären Fotografien von nahezu allen Kontinenten der Erde, seine Leidenschaft für Musik, seine Interpretationen der Lyrik Bob Dylans, seine Begeisterung für Literatur, Satire, sein wohlwollender Witz und sein kraftvoller Humor. Über allem aber stand die Liebe zu seiner Familie, das war in jeder Faser spürbar und wirkte wie ein roter Faden durch sein Leben.

Am 2. Februar verstarb Prof. Dr. Olaf Christen im Alter von 58 Jahren in Markkleeberg. Sein Lebensmut prägte ihn bis zuletzt, doch schließlich war seine Kraft der tückischen Krankheit nicht mehr gewachsen. Die DLG verliert mit ihm einen exzellenten Fachmann, einen begnadeten Inspirator – und einen verlässlichen und humorvollen Freund.

Wir werden Olaf Christen ein ehrendes Andenken bewahren.

Die öffentliche Trauerfeier wird am 24. Februar 2020 um 14.00 Uhr in der Martin-Luther-Kirche, Kees'scher Park 3, 04416 Markkleeberg, stattfinden.