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Thünen-Institut: Brexit mit geringen Folgen

Wie sich die Handelsbeziehungen weiter entwickelten, hänge entscheidend von den künftigen Zollregelungen ab, heißt es in einer vor Kurzem vom Thünen-Institut veröffentlichten Meldung. Bereits im März 2019 habe die britische Regierung eine Liste von Importzöllen und -quoten veröffentlicht, die nach dem Brexit ohne Einigung mit der EU-27 in Kraft treten würden.  Die Zölle und Quoten gelten nicht nur für die EU, sondern für alle Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO).

Der Liste zufolge sind nach Angaben des Thünen-Institutes 87 Prozent der Importe ins Vereinigte Königreich frei von protektionistischen Maßnahmen. Handelsbeschränkungen würden im Wesentlichen für Autos, Aluminium, bestimmte Keramiken, Bioethanol und Agrarprodukte bestehen bleiben.

Die Briten sind ein wichtiger Agrarhandelspartner Deutschlands. 2017 exportierte Deutschland landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 4,8 Milliarden Euro in das Vereinigte Königreich, während die Importe 1,6 Milliarden Euro betrugen. Das machte für Deutschland einen Überschuss in Höhe von rund 3,2 Milliarden Euro – so hoch wie mit keinem anderen Land rechnet das Thünen-Institut vor.  

„Nach unseren Berechnungen verringert sich der Agrarüberschuss Deutschlands durch den Brexit um circa eine Milliarde Euro“, sagt Dr. Martin Banse, Leiter des Thünen-Instituts für Marktanalyse. Das entspricht einem Rückgang um rund ein Drittel. Das sei, Banse weiter, aber „deutlich weniger, als in den vor März 2019 erstellten Analysen befürchtet wurde“.

Für Getreide, Obst und Gemüse, Getränke und Tabak würde das Vereinigte Königreich dann zollfreie Einfuhren zulassen. Für Reis, Fleisch und Wurstwaren fallen Zölle an, die aber geringer sind als in früher zugrunde gelegten Szenarien.

Aktuell ist zu erwarten, dass die deutsche Agrarproduktion als Folge des Brexits um insgesamt 190 Millionen Euro zurückgehen wird, heißt es in der Meldung des Thünen-Institutes: Die deutsche Produktion werde in kaum einer Warengruppe mehr als 0,5 Prozent zurückgehen. Ausnahmen bildeten die Schweine- und Geflügelzucht sowie Schweine- und Geflügelfleisch, wo mit einem Rückgang um rund 1,2 Prozent gerechnet werde. Für Weizen, Zucker, Rindfleisch und Milch erwarteten die Braunschweiger Wissenschaftler sogar leichte Produktionsanstiege von 0,1 – 0,8 Prozent.