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Impulsgeber statt Handbuch

Friedrich Baumgärtel zur Ackerbaustrategie

Nun hat Ende vergangen Jahres das BMEL die mit Spannung erwartete Ackerbaustrategie vorgelegt, und reiht sich damit ein, in eine ganze Liste von Anregungen und/oder Visionen für die Entwicklung des deutschen Ackerbaus bis in die 2030er Jahre. Doch der Unterschied zu all den anderen Papieren ist, dass es die offizielle Sicht der Bundesregierung auf die Zukunft der Ackerbauern darstellt, und damit gilt es sich auseinanderzusetzen.

Aus Sicht des landwirtschaftlichen Unternehmers fällt die Reihenfolge der Leitlinien positiv ins Auge, denn Versorgungssicherheit und Einkommenssicherung stehen auf Position eins und zwei der sechs Punkte umfassenden Liste! Das ist in der heutigen Zeit gar nicht so selbstverständlich, wo doch die Versorgung, aus Sicht einiger Mitbürger, der Supermarkt übernimmt! Es wird deutlich gemacht, dass es sich bei der Ackerbaustrategie um einen Impulsgeber und nicht um ein Handbuch oder gar gesetzliche Regeln handele, allerdings sollte man im Auge behalten, dass einmal formulierte Impulse über Leitlinien zu Empfehlungen und weiter zu Regeln befördert werden können. Von den 12 aufgeführten Handlungsfeldern muss ich mich hier auf Boden und Fruchtfolge beschränken.  

Handlungsfeld 1 Boden

Die aufgeführten Ziele sind sicherlich jedem Ackerbauern nichts Neues und gelten auch schon seit langem für einen nachhaltigen Ackerbau. Die Probleme liegen aber mal wieder im Detail: Wie soll die Bodenfruchtbarkeit erhalten oder sogar erhöht werden, wenn auf Grund der neuen Düngeverordnung großflächig nur unter dem Bedarf und damit dem Nährstoffentzug durch die Pflanzen gedüngt werden darf? Das ist verordneter Raubbau und hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun!

Es wird zu Recht die Bedeutung der Bodenverdichtungen herausgestellt, aber auf der anderen Seite wird verfügt, dass die nun mal gewichtsintensive Ausbringung von organischen Düngern nicht mehr auf den in der Regel tragfähigeren Böden im Herbst erfolgen darf.

Wie sollen Mulchsaat, intensivere Bodenbearbeitung, Verzicht auf Glyphosat und Humusaufbau unter einen Hut gebracht werden? Die Gesetzmäßigkeit, dass jede Bodenbearbeitung einen Abbau von Humus bewirkt, lässt sich durch eine politische Entscheidung nun mal nicht verändern!

Handlungsfeld 2 Fruchtfolge

Auch hier nichts grundlegend Neues, allerdings ist davon auszugehen, dass bislang eine Erweiterung der Fruchtfolge bei vielen Betrieben nicht weit oben auf der Agenda stand. Das hat sicherlich vorrangig mit der Wirtschaftlichkeit der auf dem jeweiligen Standort passenden Früchte zu tun.

Wie will man in Futterbauregionen mit hohem Grünlandanteil einem Milchviehhalter erklären, dass er auf seiner knappen Ackerfläche keinen Mais anbauen soll, sondern Früchte, die er für die Grundfutterversorgung nicht braucht?

Wenn beispielsweise in einigen Regionen Süddeutschlands annähernd doppelt so hohe Erträge mit Körnermais zu erzielen sind als mit Getreide, so ist ein hoher Maisanteil im Anbau erst einmal naheliegend.

Komparative Kostenvorteile, die sich nicht aus Vermarktungsstrukturen, sondern aus den Besonderheiten eines Standortes ergeben, lassen sich nun mal nicht durch politische Vorgaben nivellieren.

Allein die Betrachtung dieser zwei Handlungsfelder zeigt, dass die ausgeführte Problemstellung von Bedeutung ist, aber die vorgeschlagenen Maßnahmen aufgrund der Vielfalt der deutschen Landwirtschaft noch zu erweitern sind. Weiterhin sind kontraproduktive Einflüsse aus bestehenden Regularien zu überprüfen.

Die aufgeführten Maßnahmen dokumentieren einen erheblichen Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Damit wird klar, dass die praxisnahe Forschungs- und Versuchstätigkeit gestärkt werden muss. Und da sind sicher auch die Ressourcen der DLG - mit zum Beispiel dem IPZ in Bernburg - gefragt.