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Nitrat im Grundwasser

Hans-Georg Frede stellt Irritationen über das Messstellennetz klar

Öffentliche Äußerungen über die Belastungen des Grundwassers mit Nitrat führen immer wieder zu Irritationen in der Bevölkerung und vor allem auch in der Landwirtschaft. So gab die Deutsche Umwelthilfe e.V. im Jahr 2018 im Zusammenhang mit ihrer Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland eine Presseerklärung heraus, in der sie für Deutschland die zweithöchste Nitratbelastung des Grundwassers in der EU beklagt (Presseerklärung der DUH e.V. vom 17.07.2018).

Verursacher sei im Wesentlichen die Landwirtschaft. Nur Malta habe noch höhere Werte, heißt es an anderer Stelle. Vereinzelt wird berichtet, dass bei 50 Prozent des Grundwassers der Nitratgrenzwert von 50 mg/l überschritten sei. Was ist dran an diesen Äußerungen?

Ein Blick in den Nitratbericht der Bundesregierung von 2016, der alle vier Jahre erstellt werden muss, macht sehr schnell klar, wie die Situation tatsächlich ist: Es gibt für die Bundesrepublik Deutschland zwei verschiedene Messnetze zur Beurteilung der Nitratgehalte im Grundwasser: das EUA-Messnetz und das NRL-Messnetz.

EUA-Messnetz:
Es dient zur Berichterstattung an die Europäische Umweltagentur EUA.
Die ausgewählten Messstellen sollen die Verteilung der Landnutzungen (Siedlung, Wald, Grünland, Acker und Sonderkulturen) in den Bundesländern und somit auch in ganz Deutschland repräsentativ abbilden. Die Gesamtzahl der Messstellen umfasst insgesamt 1.215 Messstellen (s. Nitratbericht 2016 , S. 37).

NRL-Messnetz:

Es umfasst nach Nitratrichtlinie die Landnutzungen Acker, Grünland und Sonderkulturen. „Es beschreibt repräsentativ den Einfluss der landwirtschaftlichen Nutzung auf die Beschaffenheit des oberflächennahen Grundwassers“ (Nitratbericht 2016, S. 38). Die 692 ausgewählten NRL-Messstellen sind Teil des EUA-Messnetzes.

Wichtig ist zu wissen, dass dieses Messnetz das alte Belastungsmessnetz mit nur 162 Messstellen abgelöst hat. Das alte Messnetz wird im Nitratbericht 2016 an mehreren Stellen als „nicht repräsentativ“ eingestuft und deshalb auch nicht weiter verfolgt.

Im EUA-Messnetz ist im Vergleich der Zeitperioden 2008-2011 und 2012-2014 keine Verschlechterung eingetreten. Die zu verzeichnende Verbesserung der Qualität ist aber nur geringfügig. Die Werte über 50 mg Nitrat/l liegen aktuell bei 18,1 Prozent.

Im NRL-Messnetz überschreiten 28 Prozent der Messstellen Nitratwerte von 50 mg/l. Aber auch in diesen landwirtschaftlich geprägten Gebieten ist wie in Gesamtdeutschland keine Verschlechterung der Nitratsituation zu verzeichnen. Im Nitratbericht heißt es hierzu: „In der Gesamtschau kann somit festgehalten werden, dass keine Verschlechterung der Nitratsituation im Grundwasser zu beobachten ist. Verbesserungen hin zu niedrigeren Nitratgehalten sind bisher nur in sehr geringem Umfang eingetreten“ (Nitratbericht 2016, S. 50).

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Landwirtschaft die Grundwasserqualität beeinträchtigt. Die aufgezeigten Werte bieten die Grundlage für Handlungsstrategien, die Grundwasserqualität in landwirtschaftlich geprägten Einzugsgebieten zu verbessern.

Es darf aber gefragt werden, wem es hilft, wenn veraltete, nicht repräsentative Werte immer wieder in die Öffentlichkeit gebracht werden. Solche Darstellungen können nur dazu dienen, die Bevölkerung zu verunsichern und die Landwirtschaft anzuprangern. Die Autoren der Klageschrift der Deutschen Umwelthilfe e.V. zum Beispiel wissen sehr wohl, die Zahlen zur Grundwasserqualität richtig einzuordnen. Diese werden in der Klageschrift selbst korrekt zitiert.

Warum in der Überschrift der dazugehörenden Presseerklärung auf die veralteten, nicht zitierfähigen Zahlen hingewiesen wird, bleibt deren Geheimnis. In der Politik werden solche Darstellungen nicht selten als „Fake News“ bezeichnet.