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Zuckerrüben: Durchwachsene Ernte in schwierigem Marktumfeld

Nach Angaben der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) wurden im Jahre 2019 bundesweit etwa 375.000 ha Zuckerrüben angebaut. Im Vergleich zu den beiden (quotenfreien) Vorjahren ist die Anbaufläche damit wieder rückläufig.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen sind die Marktpreise für Zucker in der EU und weltweit aufgrund eines anhaltenden Überangebots stark eingebrochen. Zum anderen ist es der Politik nicht gelungen, zumindest auf dem europäischen Binnenmarkt, für annähernd gleiche Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Nach wie vor gibt es auch zwischen den EU-Mitgliedsstaaten zahlreiche Regelungen, die einen fairen Wettbewerb auf dem gemeinsamen Markt behindern. Hierzu zählen gekoppelte Beihilfen, Ausnahmeregelungen für Neonicotinoide und unterschiedliche Genehmigungspraktiken für die Zulassung neuer Pflanzenschutztechnologien.

Auf der globalen Ebene machen uns Zuckerimporte durch zahlreiche Freihandelsabkommen zusätzlich das Leben schwer. In den Herkunftsländern wird der Zucker zu deutlich niedrigeren Sozial- und Umweltstandards hergestellt. Gleichzeitig dürfen dort technologische Fortschritte nahezu uneingeschränkt genutzt werden, während in der EU zum Beispiel die sogenannten „Neuen Züchtungsmethoden“ durch hohe bürokratische Hürden nicht zum Einsatz kommen können.

Diese ausschließlich politisch verursachten Schwierigkeiten stellen den Zuckerrübenanbau in Deutschland vor große Herausforderungen. Deutschland ist aufgrund der Standortbedingungen und der hervorragenden Infrastruktur ein vorzüglicher Standort für einen nachhaltigen und effizienten Zuckerrübenanbau. Auf Dauer wird sich die deutsche Rüben- und Zuckerwirtschaft aber in einem solchen unausgewogenen Marktumfeld nicht behaupten können. Deshalb muss die Politik hier alsbald Abhilfe schaffen und zumindest innerhalb der EU ein „Fair Play für heimische Zuckerrüben“ herstellen.

Gerade auch angesichts der Klimadebatte ist es sehr sinnvoll, den Rübenanbau zu erhalten und weiterzuentwickeln. Kaum eine andere Kulturart hat schließlich eine derartige Erfolgsbilanz aufzuweisen. Während der zurückliegenden Jahrzehnte ist der Aufwand für Energie, Düngung und Pflanzenschutz bezogen auf den Zuckerertrag deutlich zurückgegangen. Die Rübe kommt ferner mit schwankenden Witterungsbedingungen besser klar als andere Ackerfrüchte. Sie bereichert die Fruchtfolge, bindet Kohlendioxid und hat eine hervorragende Wassernutzungseffizienz. Letzteres unterscheidet sie auch erheblich vom Zuckerrohr in Übersee, welches trotz hoher Niederschläge häufig nur mit zusätzlicher Bewässerung gedeiht.
 
In der zurückliegenden Kampagne hat die Zuckerrübe einmal mehr bewiesen, dass sie zu den Gewinnern des Klimawandels zählt. Mit einem durchschnittlichen Ertrag von rund 70 t/ha bei gut 18 Prozent Zucker liegt das Ernteergebnis zwar unter dem langjährigen Mittelwert. Im Vergleich zu anderen Ackerkulturen hat sie die teilweise langanhaltende Trockenheit und extremen Temperaturen aber einigermaßen gut überstanden. Mit den erst im September einsetzenden flächendeckenden Niederschlägen konnte sie im Endspurt zur Fabrik sogar noch erheblich an Ertrag zulegen.

Die Bedingungen für Ernte, Verladung und Transport waren überwiegend zufriedenstellend, sodass die Rübenversorgung der Zuckerfabriken zu jedem Zeitpunkt gesichert war. Laut Schätzung der deutschen Zuckerverbände liegt die Erzeugung für das Zuckerwirtschaftsjahr 2019/20 bei rund 4,2 Mio. t Weißzucker und damit etwa auf Vorjahresniveau. Auf den Märkten scheint sich die Situation allmählich zu entspannen. Wir hoffen nun, dass Zucker aus heimischen Rüben wieder den Preis erzielen kann, den er unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten wert ist.