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Zukunft geht anders

Harald Isermeyer über eine verantwortungsvolle Agrarpolitik

„Internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft“ war in den letzten drei Jahrzehnten das gültige Leitbild für die Landwirtschaft. Wir Landwirte hatten verlässliche Koordinaten wie Unternehmertum, Produktivität, Effizienz, Intensität, Synergie, Qualität, Fortschritt und Nachhaltigkeit. Damit waren wir international und national sehr erfolgreich.

Heute scheint das nicht mehr zu gelten. Die Diskussion wird bestimmt von Massentierhaltung, Artenschwund, Bienensterben, Überdüngung, Agrogentechnik, Glyphosat, Emissionen und Klimakrise. Die Systemfrage der Landwirtschaft ist gestellt, die Zukunftsentwürfe orientieren sich in Deutschland und offensichtlich auch in Teilen der EU an den Oberbegriffen Ökologisierung und Dekarbonisierung.

Konsequent zu Ende gedacht führen diese Ideen den Agrarsektor nach Jahrzehnten des Wachstums bereits seit einigen Jahren auf einen deutlichen Schrumpfungskurs. Die Produktion auf den Feldern wird wegen des anhaltenden Verbots neuer Züchtungsmethoden, der programmatisch vorenthaltenen Möglichkeiten des Pflanzenschutzes und bald auch wegen partiellen Nährstoffmangels sinken. Die Tierhaltung wird wegen der (hausgemachten) regionalen Güllekonzentration, aber auch wegen der restriktiven Genehmigungspraxis und den zunehmenden Auflagen deutlich zurückgehen. Infolge dessen wird der Strukturwandel weiter Fahrt aufnehmen und die verbleibenden Betriebe werden weniger investieren.

Die Konsequenzen für Handel, Dienstleister und Verarbeiter, für Forschung und Technologieentwicklung sind vorgezeichnet: Sie werden sich immer mehr auf diejenigen Länder in der Welt konzentrieren, in denen moderne Technologien erlaubt und ein Wachstum der Agrarproduktion erwünscht und möglich ist. Auf den internationalen Märkten, auf denen wir in den vergangenen Jahrzehnten nicht zuletzt wegen der hervorragenden Qualität unserer Agrarprodukte ein gutes Standing hatten, werden wir uns sukzessive verabschieden.

Einzelne Unternehmer werden sicherlich auch in diesem restriktiven Umfeld Möglichkeiten finden, ihre Betriebe zu entwickeln. Die Landwirtschaft als Ganzes, inklusive ihres wirtschaftlichen Umfelds wird aber zu den wirtschaftlichen Verlierern der kommenden Jahre zählen, und das, nachdem sie sich in den drei Jahrzehnten davor zu einem starken international beachteten Wettbewerber entwickelt hat. Können, beziehungsweise wollen, wir uns das wirklich leisten?

Ja, bei Überdüngung, Artenschutz und Tierwohl müssen wir liefern. Aber bitte auch nur so, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht über Gebühr leidet!

Nachhaltiger Artenschutz geht nur auf dauerhaften Stilllegungsflächen, vorzugsweise in sensiblen Kulturlandschaftsräumen die entsprechend angelegt und erhalten werden, natürlich mit entsprechendem Ausgleich.

Eine bedarfsgerechte Düngung und ihr Nachweis über Düngebilanzen löst auf Sicht das Problem der gebiets- und betriebsweisen Überdüngung.

Tierwohl können wir mit einer transparenten, verpflichtenden Kennzeichnung und einer Tierwohlprämie in den Griff bekommen.

Das war`s dann aber auch: Darüber hinaus soll man uns Landwirte produktiv wirtschaften lassen, damit wir das Erfolgsmodell der Landwirtschaft weiterentwickeln können. Selbstverständlich mit einem breiten Portfolio an verfügbaren Pflanzenschutzmitteln inklusive Glyphosat im Rahmen der Bestimmungen, selbstverständlich mit modernen, biotechnisch verbesserten Sorten, selbstverständlich mit einer produktiven und wettbewerbsfähigen Tierhaltung.

Das ist verantwortungsvoll fürs Land und die Landwirtschaft, das sollten wir uns leisten!