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Kühle Köpfe sind gesucht

Betrachtet man in diesen Tagen das agrarpolitische Interessenspiel lässt sich feststellen: Unter den gegebenen Spielregeln gewinnt gegenwärtig keiner der eingespielten Akteure irgendetwas. Weder Parteien noch Verbände, weder Landwirte noch Verbraucher, weder Ministeriale noch politische Mandatsträger.

Gleichzeitig werden von beiden Seiten – typisch deutsch – apokalyptische Untergangsszenarien an die Wand gemalt. Daraus entspringen noch radikalere Forderungen, die die Handlungsspielräume der Beteiligten weiter einschränken.

Es ist zu befürchten, dass sich im Ergebnis ein Schlechte-Laune-Teppich über die ländlichen Räume legt. Mit hängender Miene und mieser Stimmung lässt sich aber selten ein Spiel gewinnen. Zudem ist das äußerst ermüdend für die Betrachter. Es besteht die Gefahr, dass sich das interessierte Publikum abwendet. Auf die Unterstützung genau dieses Publikums, der Restgesellschaft, ist die Agrar- und Ernährungsbranche aber zukünftig immer stärker angewiesen. Sie geben dem Sektor die erforderliche „licence to operate“. Die Herausforderungen des Agrarsektors und der Ernährungsbranche sind zu groß, um sie alleine zu meistern.

Vielleicht ist es nun an der Zeit, in eine neue Phase zu treten. Alle Akteure sollten sich überlegen, was sie konstruktiv zur Debatte beitragen können. Das bedeutet auch, aktiv das Gespräch zu suchen, zuzuhören und das eigene Tun immer wieder zu erklären. Das ist anstrengend. Das liegt nicht jedem. Aber es gibt keinen anderen Weg. Denn die Interessen der Landwirtschaft konkurrieren in einer individualisierten und digitalisierten Welt mit zu viel anderen um die Aufmerksamkeit des Publikums.

Dabei hat die Landwirtschaft einige Vorteile auf ihrer Seite. Sie kann unendlich viele positive Geschichten erzählen. Und: Sie bietet was zum Anfassen. Beides spricht kleines und großes Publikum an. Machen wir gemeinsam mehr draus. Zeigen wir den Wohlwollenden und Interessierten, welche hochwertigen Produkte Landwirtinnen und Landwirte jeden Tag verantwortungsvoll erzeugen, was landwirtschaftliche Unternehmen für vitale ländliche Gemeinschaften leisten und welche Freude es macht, mit seiner Hände Arbeit zu ackern, zu füttern und zu pflegen.

Klar, jeder Blick in die sozialen Medien kann einem die Lust an der offenen Diskussion rauben. In einer so aufgeladenen Situation erscheint es deshalb ratsam, auf allen Ebenen mehr auf das persönliche Gespräch zu setzen. Zwar lassen sich durch den Anblick von Tweets und Likes eigene Befürchtungen gut füttern und/oder die eigene Sichtweise leicht bestätigen. Aber die eigene Kraft lässt sich viel besser nutzen, statt sie in Ärger und Wut auf andere zu stecken.