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Was auf uns zukommt

Reinhard Grandke zum Start ins neue Jahr


Für das neue Jahr zeichnet sich ab:

Die Proteste werden weitergehen. Bereits zur Grünen Woche werden wieder Landwirte und NGOs auf der Straße sein, um ihre Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen.

Am Anfang eines Jahres stehen die guten Vorsätze, die Schwerpunkte, auf die man sich konzentrieren will. Was ist notwendig, was ist gefragt, um den Fortschritt in der Landwirtschaft in die richtige Richtung zu treiben?

Ehrlichkeit ist gefragt: 

Um die Zukunft der Landwirtschaft werden zurzeit vielfältige Diskussionen geführt. Der Strukturwandel wird weitergehen, daran werden weder Gesetze zur Regulierung des Bodenmarktes noch neue oder andere Subventionen etwas ändern. Wer bekennt sich ehrlich zum Wandel und sorgt auch für gute Ausstiegsstrategien und -möglichkeiten für die Aufgebenden? 

Auch werden die Anforderungen der Bürokratie durch wachsenden Druck der Gesellschaft zunehmen. Diese zusätzlichen Anforderungen sind neben ökonomischen Herausforderungen eine der Hauptgründe, warum gerade kleinere Betriebe aufhören. Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass der gesellschaftlich gewünschte Allrounder-Familienbetrieb ein komplexes Unternehmen ist, und dass die Bürokratie eine der zentralen Hürden für die Betriebe und die Betriebsleiter ist.

Fachlichkeit ist gefragt: 

Wo sind die Lösungen, die Betriebe unter den sich verschärfenden Bedingungen wirtschaftlich erfolgreich umsetzen können? Wo sind die Lösungen der Wissenschaftler für die Zukunftsfragen? 

Die Zukunft wird immer weniger in Standardkonzepten der Branchen liegen, sondern in betriebsindividuellen Strategien, die über den Erfolg des einzelnen Betriebes entscheiden. 

Positives Denken ist gefragt:

Gute Mitarbeiter zu finden, ist und wird eine der Herausforderungen der Zukunft für die Betriebe. Dazu ist es aber auch notwendig, den Arbeitsplatz auf dem landwirtschaftlichen Betrieb als attraktiven, hochtechnologischen Arbeitsplatz in einem besonderen Umfeld (oft mit Familienanschluss) darzustellen. Wer hat schon Lust auf einem Betrieb zu arbeiten und seine Lebensentscheidung für den Beruf in einer Branche zu treffen, wenn diese selbst permanent klagt und vom eigenen Verfall spricht. 

Gerade in der Außenkommunikation ist dieses positive Denken gefragt. Viele Landwirte sagen, dass es eine Berufung ist, Landwirt zu sein und dass Landwirt der schönste Beruf und Passion für sie sei. Warum lassen wir nicht die anderen an dieser Faszination Landwirtschaft teilhaben?

Mut ist gefragt:

Bei allen Herausforderungen ist im Wesentlichen der Landwirt selbst gefragt, der als Unternehmer entscheiden und Verantwortung für seine Entscheidungen übernehmen muss. Unternehmen heißt, angepasst an die gegebenen Rahmenbedingungen auch neue Richtungsentscheidungen zu treffen.  

Organisationen sind gefragt:

Wo ist die Antwort der Organisationen auf die Probleme der Landwirte? Wird es gelingen, für immer weniger werdende Landwirte mit einer Stimme zu sprechen, oder werden sich einzelne Stimmen bilden? Weniger Landwirte brauchen eine starke Stimme, die Konzepte und Strategien, wie z. B. bei der Ackerbaustrategie, besser eine den Sektor umfassende Nachhaltigkeitsstrategie gemeinsam mit anderen in den Diskussionsprozess bringt. 

Politik ist gefragt:

Die Politik sollte die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft setzen. Ein klares Bekenntnis zu einer fachlich fundierten Zukunftsstrategie Landwirtschaft für den Standort Deutschland ist vonnöten, um wieder Perspektiven für die Landwirte zu setzen. 

Strategie für den Standort Deutschland ist gefragt:

Wollen wir eine international wettbewerbsfähige Landwirtschaft oder eine auf regionalisierte Standards basierende Landwirtschaft, die den gegenwärtigen Anforderungen der Politik und Gesellschaft gerecht wird?  Die DLG-Wintertagung wird mit dem Thema: „Agrarstandort Deutschland – Weltmarkt, Premiummarkt, Marktausstieg?“ versuchen, die richtigen Fragen zu stellen sowie Ansätze und Lösungsstrategien entwickeln.