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„Es waren bewegte und ereignisvolle Jahre“

Herr Schneider, Sie sind ja sozusagen auf und mit der Landwirtschaft groß geworden...

Klaus Schneider: Ich habe mit der Prägung durch meine Eltern diesen Weg schon früh eingeschlagen. Die Domäne Hofschwicheldt wurde von meinen Eltern 1940 übernommen. Verpächter war das Land Niedersachsen mit der Bezirksregierung Hildesheim. In den darauffolgenden Jahren bauten sie eine intensive Tierzucht von Rindern, Pferden, Schafen und Schweinen auf. Mein Vater war weit über die Grenzen Deutschlands bekannt und seine Züchtungen überall beliebt. So fanden sich viele Besucher und interessierte Fachleute in Hofschwicheldt ein. Unter seinen vielen Ehrenämtern war mein Vater auch Vorsitzender der DLG-Tierzuchtabteilung. Ein Höhepunkt für ihn war neben vielen Auszeichnungen und Ehrungen im Rahmen der DLG-Ausstellung in Hannover 1964 der Besuch des Bundespräsidenten Heinrich Lübke in Hofschwicheldt. Nach dem Tod meines Vaters 1964 im Alter von 62 Jahren änderte sich einiges. Die Schafzucht wurde 1966 aufgegeben, die Milchviehhaltung verkleinert, die Ackerpferde durch Traktoren ersetzt. Die Schweinehaltung mit Zucht und Mast blieb zunächst bestehen. Bis zu meinem Eintritt wurde der Betrieb von meiner Mutter und einem Verwalter weiter geführt.

Und dann stiegen Sie in den elterlichen Betrieb ein…

Schneider: Ja. Nach der Bundeswehr war ich zwei Jahre lang Verwalter bei Friederich Graf, Marienrode, und ab Januar 1970 wurde ich Mitpächter der Domäne Hofschwicheldt und bildete eine GbR mit meiner Mutter. Nach drei Jahren wurde ich dann Alleinpächter. Ich übernahm die Domäne mit neuen Ideen und frischem Mut. Leider stellten sich auch später einige Rückschläge ein. Der Schweinemeister starb und auch der Melkermeister konnte seinen Beruf nicht weiter ausführen. Es wurde mit Aushilfen weiter gearbeitet. 1972 bekamen wir wahrscheinlich durch Zukauf von Ferkeln die Schweinepest. Der gesamte Zuchtbestand wurde getötet. Danach ging es zwar wieder weiter, aber nur noch mit Schweinemast und Zukaufferkeln. 1974 wurde dann auch noch die Milchviehhaltung aufgegeben und der Melker wurde zum Schweinebetreuer.

Sie haben den Betrieb dann im Laufe der Jahre nach vorne gebracht….

Schneider: Es waren bewegte und ereignisvolle Jahre. Dank der betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Beratung durch Mitarbeiter der Dr. Gemmeke GmbH und später noch durch die Pflanzenbau-Beratung durch Dr. Schönberger entwickelte sich der Betrieb recht positiv. 1974 kam die Domäne durch die Gebietsreform zur Bezirksregierung Braunschweig. Im Laufe der nächsten Jahre hat sich das Bild der Domäne sehr verändert. Der ehemalige Rinder- und Schafstall wurde zum Schweinemaststall mit automatischer Fütterung umgebaut. Zwei große Scheunen, der Sauenstall und der Lagerraum für Futter wurden abgerissen. Im ehemaligen Kuhstall wurde eine Maschinenhalle mit Werkstatt eingerichtet und in die vorhandene Feldscheune eine Getreidelagerung mit Trocknung und ein Düngerlager eingebaut. 1991 wurde die Rodegemeinschaft Hofschwicheldt gegründet. 1994 bin ich mit dem Nachbarbetrieb eine Maschinengemeinschaft eingegangen. Mit einem weiteren Betrieb wurden wir dann im Jahre 1998 zur Voll-GbR. Meine Frau und ich bildeten nach den Meisterprüfungen mehrere Auszubildende als Landwirte und Ländliche Hauswirtschafterinnen aus. In den Jahren 2004 bis 2007 bewirtschaftete ich mit unserem Sohn Martin den Betrieb gemeinsam, am 1. Juli 2007 erfolgte dann die Betriebsübergabe an Martin und der Bau einer Altenteilwohnung in Hohenhameln.

Neben der Landwirtschaft haben Sie aber noch weitere betriebliche Standbeine…

Schneider: Ein weiteres Standbein begann mit der Sicherung von einer ca. 50 ha großen Vorrangfläche für Windanlagen und dann Genehmigung und Aufbau von kleinen Anlagen. Bis heute haben wir bereits einige Anlagen repowert und betreiben zurzeit 6 Anlagen mit jährlich 19,2 MW insgesamt. Noch ein anderes Standbein ist unsere Pension. Als meine Mutter 1988 starb, bauten wir in die nun freigewordene Wohnung im Pächterhaus und in dem gegenüberliegenden Wohnhaus im Jahr 1991 Pensionszimmer ein. Die Gutspension Hofschwichelt wird heute von meinem Sohn Martin und seiner Frau betrieben und hat viele Gäste, unter anderem auch für Geschäftsreisende während der DLG-Austellung in Hannover.

Wie kamen Sie denn zur Mitgliedschaft in der DLG?

Schneider: Durch meinen Vater. Schon zu seinen Lebzeiten hat er mich, soweit es möglich war, zu den DLG-Veranstaltungen mitgenommen. Ich habe dann alle Messen und Ausstellungen zu Tieren und Maschinen regelmäßig besucht. Auch an für mich sehr interessanten unterschiedlichen Seminaren und Vorträgen habe ich sehr gerne teilgenommen. Schön und interessant waren immer die gemütlichen Abendveranstaltungen in den verschiedenen Städten. Die DLG ermöglichte mir eine fachliche Weiterbildung und gewährte Einblicke in die neueste Technik auf allen Gebieten der Landwirtschaft einschließlich Computertechnologie. Es hat in der Vergangenheit auch einen DLG-Feldtag in Hofschwicheldt gegeben, was mich sehr gefreut hat.

Was interessiert Sie im Moment? Was wären interessante Zukunftstthemen für die DLG?

Schneider: Leider können ja aufgrund der Corona-Pandemie zurzeit keine Veranstaltungen stattfinden, das ist sehr schade. Nach Corona bin ich aber gerne wieder als Gast auf den DLG-Ausstellungen in Hannover dabei. Im Moment interessieren mich die Erneuerbaren Technologien, besonders also die energy decentral. Neben der Betreuung der Windanlagen in Hofschwicheldt habe ich auf meinem Eigenheim Solarzellen zur Wärmeerzeugung und eine PV-Anlage zur Stromeinspeisung installiert. Seit zwei Jahren habe ich als Zweitwagen auch ein E-Auto mit eigener Ladestation. Hier tut sich wohl in den nächsten Jahren noch sehr viel, was mich auch sehr interessiert. Es bleibt also spannend.

Die Fragen stellte Angelika Sontheimer, freie Journalistin, Winsen (Aller).

Zur Person:

Klaus Schneider wurde 1942 in Hofschwicheldt im niedersächsischen Landkreis Peine als Sohn des Tierzüchters Dr. Carl Theodor und seiner Frau Marga Schneider geboren. Nach der Grundschule im benachbarten Rosenthal ging er auf die landwirtschaftliche Michelsenschule in Hildesheim, wo er den staatlich geprüften Landwirt und anschließend Abitur machte. Danach folgten zwei Jahre Bundeswehr. 1967 heiratete er Christa Meyer. Die Eheleute haben vier Kinder und sind inzwischen stolze Großeltern von neun Enkeln.