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EPP: Netzwerken mit Einschränkungen

Das Jubiläumsjahr der European Pig Producer (EPP), die sich 1990 auf Initiative der DLG in Dänemark gegründet haben, steht unter keinem guten Stern. Nachdem sich zu Beginn des Jahres die ersten EPP-Mitglieder zum Jahreskongress in den Niederlanden angemeldet hatten, rollte die Corona-Welle an und strich im Juni auch diese Veranstaltung aus dem Kalender.

Dabei wären gerade zum 30-jährigen Jubiläum sicher wieder viele Schweinehalter aus unterschiedlichen Regionen Europas  angereist, um in intensiven Austausch miteinander zu treten. Da der Jahreskongress auch immer für die jährliche Mitgliederversammlung genutzt wird, hat man diese zunächst in den Spätherbst 2020 verschoben – in der Hoffnung, dass man zu diesem Zeitpunkt wieder zusammenkommen kann. Aber auch das war nicht möglich und so entschied sich der EPP-Vorstand für eine virtuelle Zusammenkunft der EPP-Mitglieder am 10. Dezember 2020.

EPP-Präsident Gert van Beek konnte hierzu letzte Woche Mitglieder aus 14 verschiedenen Ländern begrüßen, darunter auch die ehemaligen Präsidenten Benny Gusinklo und Erik Thijssen sowie den ehemaligen DLG-Präsidenten und Mitbegründer des Clubs, Philip Freiherr von dem Bussche.

Neben dem Rückblick auf das Geschäftsjahr 2019 mit dem sehr erfolgreichen Jahrestreffen in Landshut waren die Berichte der Vorsitzenden der EPP-Ländergruppen ein Highlight der 1,5-stündigen Veranstaltung. Die Berichte der zugeschalteten Vorstandsmitglieder aus Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Deutschland, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, der Schweiz und Südafrika haben den Teilnehmern einen aktuellen Überblick über die Lage in den einzelnen Ländern gegeben. Die Märkte für Schweinefleisch sind in allen Ländern natürlich durch den Einfluss der Coronapandemie und der Afrikanischen Schweinepest geprägt. Allerdings sind die Auswirkungen auf die Preise und damit die wirtschaftliche Lage der Schweinehalter durchaus unterschiedlich.

Während in Deutschland die Preise spätestens seit dem Auftreten der ASP im freien Fall sind und vor allem die Ferkelerzeugung mehr und mehr zurückgeht, konnte in Finnland die Produktion in der zweiten Jahreshälfte sogar leicht anziehen. Dies lag zum einen am integrierten Produktionssystem und zum anderen mit daran, dass es bis heute keine coronabedingten Ausfälle von Schlachtkapazitäten gibt.

Belgien wiederum sucht durch den neu erlangten Status „ASP-frei“ nun wieder die verlorengegangenen Absatzmärkte in Asien, die auch für die Produzenten in Dänemark überlebenswichtig sind. Der fest errichtete Zaun zur deutschen Grenze macht sich in diesem Zusammenhang jedenfalls bezahlt. Leider musste der geplante Erfahrungsaustausch von EPP-Mitgliedern an der dänisch-deutschen Grenze in diesem Jahr mehrfach abgesagt werden.

Auch Österreich und die Niederlande leiden unter historischen Preiseinbrüchen, können aufgrund der ASP-Freiheit aber noch besser exportieren. In beiden Ländern sind indes Aufkaufprogramme geplant, um Sauenbestände langfristig zu reduzieren.

Die Zahl der Schweine ist auch in der Schweiz seit mehreren Jahren rückläufig, allerdings  beobachtet man hier durchaus auch positive Effekte durch Corona. Dies liegt am geringen Importbedarf und an der Tatsache, dass aufgrund geschlossener Grenzen in der ersten Jahreshälfte die Inlandsnachfrage spürbar gestiegen ist.

Auch Südafrika berichtet von einem „verrückten“ Jahr 2020. Volatile Preisverläufe, die sich an den unterschiedlichen Lockdown-Verläufen im Land orientieren und letztlich das volatile Verhalten der Bevölkerung im Land widerspiegeln.

In England und Irland ist man aufgrund der Insellage zwar geschützter gegenüber eines ASP-Ausbruchs, allerdings blickt man mit Sorge aufgrund des feuchten Winters auf steigende Futterkosten. Gespannt ist man zudem, welche Auswirkungen der Brexit für 2021 mit sich bringt – mit oder ohne Deal.