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Die Erzeugung kommt nicht nach

Heinrich Rülfing über den wachsenden Markt für Bio-Schweine

Seit mehreren Jahren steigt die Nachfrage des Handels nach Bio-Schweinefleisch. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung weiter beschleunigt. Die Erzeugung von Bio-Schweinen in Deutschland kommt dem gegenwärtig nicht nach. Einige auch größere Betriebe haben mittlerweile den Schritt in die Umstellung gewagt. Auch für weitere Umsteller sind die Voraussetzungen günstig.

Die AMI schätzt die Zahl der in Deutschland gehaltenen Bio-Sauen auf etwa 20.000, ohne dass es seit 2017 hier zu einem Zuwachs kam. Die Umstellung der Mast auf ökologische Wirtschaftsweise ist hingegen einfacher. Vorhandene Gebäude können in der Regel weitergenutzt werden. Gibt es Schwierigkeiten mit der Anlage von Ausläufen, kann auf Großgruppen umgestellt werden, bei denen Ausläufe in der Regel flexibler eingerichtet werden können. Große Ferkelpartien sind grundsätzlich lieferbar, da es auch Bio-Betriebe mit mehreren Hundert Sauen gibt. Hinzu kommt ein wachsender Import von Bio-Ferkeln aus dem Ausland.

Weniger als ein Prozent aller in Deutschland erzeugten Schweine werden ökologisch gehalten. Doch der Absatz wächst. So besteht seit 2019 eine enge Kooperation zwischen dem Discounter Lidl und dem Anbauverband Bioland. Mittlerweile wurde das Sortiment erheblich ausgedehnt.

Auch andere Handelsketten versuchen über die Zusammenarbeit mit Anbauverbänden zusätzliches Profil zu gewinnen. Edeka setzt dabei vor allem auf Bioland, aber in Nordostdeutschland auch auf den vor allen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bedeutsamen Verband Biopark. Rewe verfolgt eine enge Kooperation mit Naturland. Und Demeter hat u.a. eine Partnerschaft mit Kaufland, das einige Wurstspezialitäten der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) in Demeter-Qualität im Sortiment hat.

Aktuell liegen die Preise für E-Schweine nach Auswertungen der AMI bei knapp 3,80 Euro je kg Schlachtgewicht (SG). Eine Abrechnung nach Indexpunkten ist bei Bio-Schweinen nicht üblich, wohingegen etwa ein Drittel der vermarkteten Bio-Schweine pauschal, also ganz ohne Maske abgerechnet wird. Diese Schweine erzielen im Schnitt 3,64 Euro je kg SG. Allerdings gibt es auch bei diesen Schlachtkörpern häufig Vorgaben, dass das Mittel der Tiere einen bestimmten Muskelfleischanteil, zum Beispiel 54 Prozent, erreichen sollte.

Die häufig gestellte Frage, ob nach Verbandsrichtlinien erzeugte Schweine höhere Preise erzielen, lässt sich nicht einheitlich beantworten. Auch nach reinem EU-Bio-Standard erzeugte Bio-Schweine können gute Preise erzielen, aber die Preisstabilität ist geringer. Das hat sich in Zeiten größeren Angebots, wie es Anfang 2019 bestand, auch bemerkbar gemacht.

Die geringeren Erzeugungskosten sind vor allem in den unterschiedlichen Futterkosten begründet. Nach Verbandsrichtlinien erzeugtes Futter ist teurer und bewirkt beim Ferkel Mehrkosten von etwa 4,- Euro und beim Mastschwein von etwa 8,- Euro. Insofern müssten Bio-Schweine nach Bioland- oder Naturlandrichtlinien allein schon wegen der höheren Futterkosten etwa 12 Cent mehr je kg Schlachtgewicht erzielen.

Stabile Preise für Bio-Schweine

Die Preise für Bio-Schweine sind nicht nur wegen der guten Nachfrage, sondern auch wegen der in den vergangenen Jahren abgeschlossenen Lieferverträge stabil. Ein Neuvertrag zu den gleichen Basispreisen wie vor fünf Jahren, also eine Festschreibung für weitere fünf Jahre, hat aber zur Konsequenz, dass es für zehn Jahre nicht zu Preisanhebungen kommt. Seit vielen Jahren sind die Futterkosten weitestgehend unverändert, was auch Auswertungen der Mischfutterpreise durch die AMI belegen.

Demgegenüber sind aber die Baukosten erheblich gestiegen und auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf den Höfen erwarten zurecht eine Angleichung an die allgemeine Lohnentwicklung. Werden die Erzeugerpreise nicht angehoben, geht es den Bio-Betrieben mittelfristig nicht anders als ihren konventionellen Berufskollegen: Sie müssen immer weiter wachsen. Viele Landwirte wünschen sich daher eine Anhebung der Basispreise, was in einzelnen Vereinbarungen auch schon durchgesetzt werden konnte. Auch unabhängig von vertraglichen Bindungen haben erste Unternehmen ihre Preise mehr oder minder deutlich angehoben.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat auf den Bio-Schweinemarkt und damit auch auf die Preise keinen Einfluss. Bio-Schweinefleisch wird beinahe ausschließlich für den eigenen Markt produziert und fehlende Ware muss sogar importiert werden.

Chancen für Umsteller

Die Marktaussichten für umstellungsinteressierte Landwirte sind gut. Da es sich um einen kleinen und damit empfindlichen Markt handelt, muss der Absatz jedoch unbedingt gesichert sein. Für Mäster ist zudem der Bezug der Ferkel von großer Bedeutung, sodass viele Abnehmer diese gleich mitvermitteln. Langjährige Liefervereinbarungen sind auch wegen der hohen Investitionen unbedingt zu empfehlen.

Sobald zu viele Bio-Schweine verfügbar sind, reagieren einige Abnehmer mit Preissenkungen, was negative Auswirkungen auf die gesamte Branche hat. Umgekehrt sind neue Betriebe aber auch erwünscht, um den Markt für Bio-Schweinefleisch entwickeln zu können. Das Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland (ABD) arbeitet seit einigen Jahren daran, für diese Balance zu sorgen.