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Jubiläum: Internationales DLG-Pflanzenbauzentrum

Mit dem IPZ wurde der DLG-Klassiker - Erkenntnisse aus der Wissenschaft und Forschung in praxistaugliche Lösungsansätze zu übersetzen - um einen weiteren Ansatz ergänzt. Ein Blick in den Rückspiegel zeigt, was bisher geschaffen wurde. Zunächst galt es, den Standort zu befrieden! Große Flächenanteile standen unter Kampfmittelverdacht, die auf dem Standort angesiedelten Junkers-Werke waren Ziel intensiver Bombardements im Zweiten Weltkrieg, es musste großflächig geräumt werden. Büro und Hallen wurden saniert und ausgestattet und eine Infrastruktur aus Wegen, Wasserleitung, Tankstellen, Lager und Technik wurde mit den Jahren aufgebaut.

Gleichzeitig stand es an, das IPZ als Plattform für die Entwicklung, den Test und die Kommunikation von Lösungsansätzen und Technik im Pflanzenbau zu entwickeln. Die Entscheidungen über das „Was“ und „Wie“ der Untersuchungen lagen bei den Mitgliedern der DLG.

So haben sich verschiedene Fachausschüsse von Beginn an in die Auswahl, die Konzeptionierung und die Umsetzung von pflanzenbaulichen Versuchen und Techniktests eingebracht.

Der enge Kontakt und Austausch mit den Standortpartnern war und ist bis heute unabdingbar, um die verschiedenen Fragestellungen an die standörtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Bereits im Jahr 2012 wurde der Spatenstich für den ersten Systemvergleich gelegt. In einem umfangreichen Versuch wurden auf rund 12 ha die Bodenbearbeitungsvarianten Mulchsaat, StripTill und Direktsaat nebeneinander gestellt und in Bezug auf ihre pflanzenbaulichen und praxistauglichen Effekte hin untersucht. Im Jahr darauf fand die Anlage des Systemvergleichs Fruchtfolgen statt. Seither werden fünf unterschiedliche Fruchtfolgen auf einer Fläche von etwa 15 ha auf ihre Langzeitwirkung in Bezug auf Pflanzenbau, Management und Ökonomie betrachtet.

Nahezu einmalig ist dabei, dass neben der stark wissenschaftlichen Herangehensweise (4-fache, randomisierte Wiederholung, angepasste und aussagekräftige statistische Auswertungen) die praktische Umsetzung stets im Fokus steht. Dies erreicht das IPZ-Team durch den Einsatz praxisüblicher Landtechnik statt, auf Versuchstechnik zurückzugreifen. Dazu braucht es natürlich entsprechende Parzellengrößen für die Großtechnik und ein ganz besonderes Augenmerk auf die exakte Funktionalität, um eine statistisch sichere Auswertung zu ermöglichen.

Mit den Jahren und gewachsener Erfahrung folgten die Anlage eines Bewässerungsversuches, ein Projekt zur Verbesserung der Phosphat-Düngeeffizienz, der Entwicklung von betriebsindividuellen Biodiversitätsmaßnahmen und die Beteiligung am EU-Projekt ATLAS zur Digitalisierung in der Landwirtschaft.

Neben all diesen Projekten war das DLG-IPZ auch dreimaliger Gastgeber der DLG-Feldtage und vieler Besuchergruppen aus dem In- und Ausland. Ebenso konnten die DLG-eigenen Flächen für eine Vielzahl von Techniktests der Kollegen des Testzentrums Technik und Betriebsmittel in Groß-Umstadt genutzt werden. Mähdrescher, Sämaschinen, Bodenbearbeitung und Schlepperbereifung wurden auf der Hoffläche präpariert und auf den Flächen zum Einsatz gebracht – mit jeder Menge Messtechnik und Know-How.

Doch kann die DLG durch das IPZ nicht nur noch mehr Wissen und Informationen an die Landwirtin und den Landwirt bringen. Vielmehr spürt die DLG noch intensiver die täglichen Herausforderungen der Praxis am eigenen Leibe. Trockenjahre, Krankheitsbefall, Preisentwicklungen und die Einschränkungen bei Pflanzenschutz und Düngung wirken sich auf den Pflanzenbau und das Betriebsmanagement am DLG-IPZ genauso aus wie auf jedem anderen Betrieb. Noch intensiver sind deshalb die Diskussionen um Lösungsansätze mit den Mitgliedern und Partnern.

Allen voran profitiert das DLG-IPZ dabei von starken Standortpartnern und deren Erfahrung und Expertise in gemeinsamen Projekten: die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau, Sachsen-Anhalt, die Hochschule Anhalt, das Julius Kühn-Institut sowie die Martin-Luther-Universität und das Bundessortenamt.

Sie sind auch Mitglied im IPZ-Fachbeirat, in dem sich DLG-typisch neben Landwirtinnen und Landwirten auch Vertreter aus Industrie, Forschung, Beratung und Politik am runden Tisch austauschen und Orientierung für die Weiterentwicklung des Standorts geben.

All den offiziellen Partnern, den Fachausschüssen und gleichzeitig allen Mitgliedern sowie Landwirtinnen und Landwirten, die sich in der ein oder anderen Weise an der Ideenentwicklung und kritischen Diskussion rund um das IPZ beteiligt haben, wollen wir hiermit danken. Sie haben maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des DLG-IPZ in den vergangenen zehn Jahren.

Eine Dekade IPZ liegt hinter uns, ein Mehrfaches davon vor uns. Wir freuen uns darauf, die Plattform weiter zu gestalten und Wissenschaft und Praxis im Ringen um die beste praxistaugliche Lösung zu vereinigen.

Autor: Dr. Klaus Erdle, Leiter DLG-IPZ