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Wer soll das bezahlen?

Enno Bahrs zu ökologischen Mehrleistungen der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft Deutschlands steht durch die von der Gesellschaft gewünschten Transformationen vor erheblichen Herausforderungen. Mehr Klima-, Tier-, Umwelt- und Naturschutz lauten die Botschaften, die vielfach zu höheren Produktionskosten führen.

Ökologische Mehrleistungen sind nicht zum Nulltarif zu erhalten

Die gemeinsame Agrarpolitik der EU hätte das Potenzial, die gesellschaftlich gewünschten Transformationsprozesse in der Landwirtschaft zielgerichtet zu begleiten. Diese Erwartung wurde mit den jüngsten Beschlüssen zur künftigen GAP enttäuscht. Es stellt sich der Eindruck ein, dass die EU links blinkt und rechts abbiegt, wenn man die Forderungen des Green Deals einerseits sowie die jüngsten Beschlüsse zur GAP andererseits liest.

In der beschlossenen Form für die zukünftige GAP wird die gewünschte stärker ökologisierte Landwirtschaft schwer zu erreichen sein. Für die nächsten Jahre müssen somit andere, wahrscheinlich stärker national bestimmte Instrumente gefunden werden, den gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft gerecht zu werden. Dabei müsste es sich um einen Mix aus Ordnungs- und Förderrecht handeln, so wie dies durch die DüV einerseits sowie der „Bauernmilliarde“ andererseits in der jüngsten Vergangenheit angedeutet wurde. Allerdings sollten Landwirte und Steuerzahler diese Mehrkosten nicht allein schultern.

Nachhaltigere Produkte benötigen nachhaltigere Produktpreise

Inländische Konsumenten sollten einheimischen Produkten, die dazu beitragen, ihre präferierten Schutzziele zu erreichen sowie hohe Lebensmittelqualitäten zu gewährleisten, durch angemessene Mehrzahlungsbereitschaften unterstützen. Dies erfordert jedoch die Mitwirkung aller Akteure in der Wertschöpfungskette, von der Produktion über die Erfassung und Verarbeitung bis zum Einzelhandel. Dabei dürfen nicht sozial motiviertes Mitleid oder regional geprägter Altruismus das Vermarktungsbild formen, sondern überzeugende Qualitätsbotschaften.

Optionen im Bereich der Tierhaltung wurden bereits von der Borchert-Kommission vorgeschlagen. Dabei zeigt sich, dass auch die Politik gefordert ist, Prozesse wie die Ökologisierung der Landwirtschaft unter anderen durch die Entwicklung regional individueller Zielbilder in der Kulturlandschaftsgestaltung zu begleiten, bei denen standortgerechte ökonomische, ökologische und soziale Ziele in einem angemessenen Verhältnis stehen. Diese Ziele müssen klar verständlich und die Umsetzungen müssen messbar und damit auch kontrollierbar sein.

Landwirte möchten klare und umsetzbare Ziele mit gesellschaftlicher und marktwirtschaftlicher Honorierung

Der zuvor skizzierte Entwicklungsweg ist steinig und wird nicht für die gesamte Landwirtschaft und nicht für alle Regionen den Königsweg darstellen. Aber andere Länder bzw. Initiativen zeigen, dass in dieser Form eine sinnvolle Weiterentwicklung möglich ist. Dieser Transformationsprozess zu einer stärker ökologisierten Landwirtschaft sollte jedoch behutsam erfolgen, weil es ansonsten zu viele Verlierer geben könnte und die nachrückende Jugend nicht ausreichend Motivation verspürt, zukünftig Landwirtschaft betreiben zu wollen.

Möglichkeiten der Annäherung von Landwirtschaft und Gesellschaft ausbauen

Bei diesem Transformationsprozess könnten folgende Leitbilder maßgeblich sein: Internationale Wettbewerbsfähigkeit mit allgemein und überregional maßgeblichen Nachhaltigkeitswirkungen sollte durch Ordnungs- und Förderpolitik der EU, Bund und Land sichergestellt werden. Ergänzend sollten überdurchschnittliche Nachhaltigkeitsleistungen mit positiven, insbesondere regional wirkenden Ökosystem- bzw. Kulturlandschaftsgestaltungen zumindest auch durch Mehrzahlungsbereitschaften einer Gruppe von zahlungsbereiten Konsumenten gewährleistet werden, mit dem Ziel, dass eine stärkere Ökologisierung in der Landwirtschaft zukünftig kein Wettbewerbsnachteil mehr sein darf.

Hier der Link zum Bericht über die DAF Tagung „Ökologisierung der Landwirtschaft