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ASP und Covid-19: Streiflichter aus Europa

Der Vorstand der European Pig Producers (EPP) e.V. trifft sich in der Regel dreimal im Jahr in unterschiedlichen Ländern, um sich über die aktuellen Rahmenbedingungen für die Schweinehalter vor Ort zu informieren. Leider fällt auch dieser direkte Austausch in diesem Jahr Corona zum Opfer. Dafür kommen die Vorstandsmitglieder 2020 öfter zusammen und tauschen sich digital aus.

Diese Woche konnte EPP-Präsident Gert van Beek (NL) zwölf Vorstandsmitglieder aus sieben Ländern zum 82. EPP Board Meeting begrüßen. So wurde die aktuelle Situation in Sachen African Swine Fever (ASF) und Covid-19 in den einzelnen Ländern beschrieben:

In Finnland, so berichtet EPP-Vizepräsidentin Taru Antikainen, gibt es bis dato etwa 18.000 Covid-19-Erkrankungen, aktuell sind allerdings keine Ausbrüche in Schlachthöfen zu verzeichnen, so dass es hier auch keine Verzögerungen in der Prozesskette gibt. Etwas kritischer sieht es bei der Wildschweinbekämpfung aus, die man zur Vorsorge vor ASF ausgeweitet hat und wo man unter anderen eng mit Russland kooperiert. Ein Zaun sei an der finnisch-russischen Grenze aufgrund der Topografie allerdings nicht möglich.

Die Niederlande haben in den vergangenen Wochen stark steigende Covid-19-Erkrankungen zu verzeichnen, die auch in einen teilweisen Lockdown gemündet sind. Da auch Schlachthöfe und Zerlegebetriebe betroffen waren, hat dies auch Auswirkungen auf die Schlachtzahlen. Ein „Schweinestau“ wie in Deutschland sei laut Frank de Wildt und Rosanne Vos allerdings noch nicht zu beobachten. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass alle Mitarbeiter von Schlachthöfen vor Dienstbeginn getestet würden.

Auch in den Niederlanden werden aktuell so viele Wildschweine wie noch nie beobachtet, was auch zu den höchsten Abschusszahlen seit Jahren führt. Dies sei die wichtigste Vorsorge, die aktuell getroffen werden kann.

Etwas weiter ist man in der ASF-Bekämpfung in Belgien. Peter Vermeire berichtet, dass man auf einem guten Weg sei, wichtige Märkte in Asien wie zum Beispiel die Philippinen wieder für belgisches Schweinefleisch zu öffnen. Man habe es durch intensive Bejagung in der Ausbruchsregion geschafft, den Bestand zu reduzieren und hat seit längerer Zeit keine positiven Befunde mehr zu verzeichnen. Hinsichtlich Covid-19 ist man auch in Belgien in der glücklichen Lage, dass es keine nennenswerten Ausbrüche in der Wertschöpfungskette gibt, obwohl in Belgien insgesamt die Zahlen ähnlich wie in anderen Ländern stark angestiegen sind.

In Dänemark sorgt man sich aktuell um die Covid-19-Fälle, die im Zusammenhang mit Nerz-Farmen aufgetreten sind. Aufgrund des Verdachts, dass das Virus in den Tieren mutiert ist und dann wieder auf den Menschen übertragen wurde, führte dazu, dass sämtliche Nerz-Farmen in Dänemark kurzfristig geschlossen und alle Tiere getötet werden sollten. Wie Henrik Refslund Hansen berichtet, wurde dieser Beschluss offenbar mit fehlender Rechtsgrundlage gefasst, so dass man nun im Rahmen einer Verfügung das Vorgehen gestoppt hat.

Aktuell herrsche somit ein regelrechtes „Chaos“ im landwirtschaftlichen Sektor. Auch auf die Schweinefleischproduktion in Dänemark hat Covid-19 aktuell Auswirkungen, da aufgrund von positiven Fällen zwei Schlachthöfe aktuell mit halber Kraft arbeiten und für den Export nach China gesperrt sind. Dies führe zu erheblich verzögerten Schlachtungen und einem Anstauen schlachtreifer Tiere in den Ställen. 

In Sachen ASF ist man auf dänischer Seite froh, dass man frühzeitig die Zaunanlage zur deutschen Grenze errichtet hat und nun kurz davor sei, „wildschweinefrei“ zu sein.

Für die Schweiz und Österreich berichten Ulrico Feitknecht und Michael Klaffenböck über die aktuelle Situation. Beide Länder sind bislang von ASF verschont geblieben und haben daher auch, verglichen zu Ländern mit ASF in der Wildschweinpopulation, noch etwas höhere Preise. Dennoch beschreiben beide die Stimmung als sehr getrübt, da auch kaum Aussichten auf Besserung vorherrschen.

In Österreich kommt hinzu, dass die Veterinärbehörden offenbar überlastet sind, da diese aufgrund der Zuordnung zum Gesundheitsministerium verstärkt mit der Bekämpfung von Covid-19 befasst sind. Deutlich wird dies in der Tatsache, dass der oberste Veterinär im Land nun Vorsitzender der nationalen „Corona-Taskforce“ ist.

Für Deutschland beschreiben Jürgen Winkelmann und Ulrich Pohlschneider die angespannte Situation. Die unglückliche Kombination von Covid-19-Ausbrüchen in großen Schlacht- und Zerlegezentren im Nordwesten und der Abnahmestopp wichtiger Exportländer in Asien aufgrund des ASF-Geschehens in Brandenburg und Sachsen haben zu einem „Schlachtschweinestau“ in nie dagewesener Größenordnung geführt. Je länger die Schlachtkapazitäten eingeschränkt bleiben, desto massiver wird der Stau, der längst auch bei den Ferkelerzeugern angekommen ist.

Der bereits von vielen Stellen an die Politik gerichtete Appell mittels Aufhebung des Feiertags-Schlachtverbots sowie der geregelten Kapazitätserhöhung kann nur unterstützt werden, so die Schlussfolgerung von EPP-Präsident Gert van Beek.