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„Vogelgrippe“: Hohes Risiko

In seiner aktuellen Risikoeinschätzung vom 2. November 2020 stuft das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) die Gefahr eines Eintrags von HPAI H5-Viren in deutsche Nutzgeflügelhaltungen als hoch ein. Aktuell traten mehrere positive Fälle bei Wildvögeln an der Nord- und Ostseeküste auf.

Nach zahlreichen Meldungen aus Russland und Kasachstan zum Auftreten von HPAI H5N8 seit Ende Juli hatte auch Israel Mitte Oktober Ausbrüche in drei großen Geflügelhaltungen sowie bei Wildvögeln gemeldet. Die Niederlande verzeichneten nach mehreren Fällen bei Wildvögeln einen Ausbruch in einem Broiler-Elternbestand Ende Oktober. In Deutschland fielen fast zeitgleich die Tests an mehreren Wildvogelfunden an Nord- und Ostsee positiv aus. Gestern wurde ein erster Fall bei Hausgeflügel auf der Hallig Oland bekannt. Der noch bis mindestens Mitte November andauernde Vogelzug begünstigt die Virusübertragung zwischen Wildvögeln und in der Folge die Gefahr weiterer Einträge von HPAI H5-Viren nach Deutschland.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt das FLI, in Geflügelhaltungen, insbesondere solchen mit Auslauf- oder Freilandhaltung, die Präventions- und Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren. Oberstes Ziel ist es, den Kontakt zwischen Wildvögeln und Nutzgeflügel zu verhindern. Neben der Errichtung physischer Barrieren ist die konsequente Vermeidung eines indirekten Eintrags über kontaminiertes Futter und Wasser oder über verunreinigte Einstreu sowie durch Gegenstände wie Fahrzeuge, Schubkarren, Schuhe etc. essentiell.

Weitere Empfehlungen:

  • Überprüfung der Durchführbarkeit der in den Krisenplänen für den Seuchenfall vorgesehenen Maßnahmen und Aktualisierung der Pläne, soweit erforderlich
  • Minimierung von direkten und indirekten Kontaktmöglichkeiten zwischen Geflügel und wilden Wasservögeln und natürlichen Gewässern (z.B. Abdecken von Feuerlöschteichen auf dem Betriebsgelände etc.)
  • Kein Kontakt von Jägern, die mit Federwild oder dessen Ausscheidungen in Berührung gekommen sind, zu Geflügel
  • Überprüfung, Optimierung und konsequente Umsetzung der Biosicherheitsmaßnahmen in Geflügelhaltungen, auch unter Nutzung verfügbarer Checklisten und Online-Tools.
  • Umsetzung der Mindest-Biosicherheitsmaßnahmen in Kleinhaltungen, zoologischen Gärten, Tierparks und -heimen entsprechend der Geflügelpest Schutzverordnung
  • Erhöhte Wachsamkeit für ein schnelles Erkennen von Verdachtsfällen bei Geflügel und unverzügliche Einleitung der diagnostischen Abklärung hinsichtlich HPAIV
  • Intensivierung des passiven und aktiven Wildvogelmonitorings mit Schwerpunkt auf Wasser- und Greifvögeln unter Einbeziehung der Bevölkerung (Totfundmeldung, -sammlung und Einsendung an Landesuntersuchungsämter)

Die Risikoeinschätzung steht auf der Internetseite des FLI zur Verfügung.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) teilt in seiner Pressemeldung vom 31. Oktober 2020 mit, dass für den Handel durch den Ausbruch der Geflügelpest bei Wildvögeln keine Beschränkungen bestehen.

Hintergrund:

Bei der Geflügelpest, auch „Vogelgrippe“ genannt, handelt es sich um eine besonders schwer verlaufende Form der Aviären Influenza bei Geflügel und anderen Vögeln, die durch hoch pathogene Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 verursacht wird. Sie ist eine in der Tiermedizin seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannte Infektionskrankheit.

Hinweise zur Seuchenprävention vermittelt auch das neu aufgelegte DLG-Merkblatt 405 zur Legehennenhaltung:

DLG-Merkblatt 405