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Schlepperprüfungen damals, Teil III und Ende

Währenddessen machte der Neubau des Schlepperprüffelds in Darmstadt-Kranichstein Fortschritte. Am 9. Mai 1955 war das Richtfest, bis zur feierlichen Einweihung am 30. Oktober 1958 dauerte es aber noch. Zu der Feierlichkeit wurde mit gedruckten Karten eingeladen, das Mittagessen im Jagdschloss Kranichstein kostete 4,- DM und musste separat bezahlt werden. (Bild 8)

Ein Neuanfang, auch für die Mitarbeiter

Mit den modernsten Prüfständen (Bild 1 und Bild 2) ausgerüstet, konnten die Mitarbeiter frohen Mutes an ihrer neuen Arbeitsstelle mit der Arbeit beginnen. Etliche bauten sich in Kranichstein ihre Häuser und planten für eine lange Zeit in Darmstadts Nähe.

Endlich gab es auch eine eigene Messbahn ohne Behinderungen durch den Straßenverkehr. Leider klappten die Zugkraftmessungen nicht auf Anhieb. Nach Rücksprache mit Straßenbauern wurde auf den frischen Beton ein Besenstrich quer zur Fahrtrichtung angebracht. Das sollte die besten Haftreibungsbeiwerte bringen. Die Straße bei Rauischholzhausen war in dieser Beziehung überragend gewesen, natürlich wollte man dieselben Werte erreichen. Das war nicht der Fall, bestenfalls wurden Kappa-Werte (Haftreibungsbeiwert) von 0,65 bis 0,8 erreicht. Im Ebsdorfergrund waren es Werte um 1,0 gewesen.

So begann eine wochenlange Schleifarbeit mit an Schlepper angehängten Mühlsteinen, um die Bahn zu glätten. Die Mühe war von Erfolg gekrönt. Zusätzlich zur Betonbahn gab es noch zwei Erdbahnen mit leichtem und mit schwerem Boden mit einer Messlänge von 130 m für die Messungen mit Kettenschleppern oder für Untersuchungen mit Allradantrieb. (Bild 3 und Bild 4)

Die Schlepper wurden stärker und der Dodge-Bremswagen (Bild 5) war an seiner Leistungsgrenze und zeigte auch Verschleißerscheinungen. Nach demselben Muster mit Bremsung durch den als Kompressor laufenden Motor wurde ein größerer dreiachsiger US-Lkw zum Bremswagen umgebaut. Er konnte durch sein höheres Gewicht und seine zwei Bremsachsen höhere Kräfte abbremsen. Der Reo-Bremswagen tat viele Jahre seinen Dienst. (Bild 6)

Der Neubau des Schlepperprüffelds bot auch die Möglichkeit, einen speziellen Prüfstand für den Kraftheber einzurichten. Bisher war die Messung der Hubkraft und der hydraulischen Leistung ziemlich vernachlässigt worden. Da sich der Dreipunktanbau von Geräten durchsetzte, war es dringend geboten, auch hierzu Werte im Prüfbericht anzugeben. Die rein rechnerische Bestimmung der Hubkraft mit Hilfe von Öldruck und Geometrie des Krafthebergestänges war somit überholt.

Um die Einflüsse der Maße des Viergelenks auf Hubkraft und Schwenkwinkel der Geräte zu bestimmen, gab es jetzt auch Messungen nicht nur an den Kuppelpunkten der Unterlenker, sondern auch an einem Prüfrahmen. (Bild 7)

Über den Einfluss des Oberlenkeranlenkpunktes auf Schwenkwinkel und Hubweg konnten nun Aussagen gemacht werden. Mit Hilfe der Druck- und Volumenstrom-Messung an den Hydraulikanschlüssen wurde nun als dritte Leistung, die der Schlepper abgeben kann, auch die Hydraulikleistung gemessen.

Die Zahl der Schlepperhersteller und die Prüfungsfreude der übriggebliebenen Firmen ließ im Lauf der Jahre stark nach, so gab es schon bald Überlegungen bei KTL und DLG, auch die „technische“ Schlepperprüfung zur DLG zu verlagern. Die DLG hatte ja 1963 mit dem Bau ihrer zweiten Prüfstelle im nahen Groß-Umstadt begonnen.

Nach der Erweiterung der erst einige Jahre alten Prüfstelle um zwei Hallen, Büros und der 440 m langen Messbahn war mit der Einweihung des Schlepperprüffelds bei der DLG 1969 der letzte Schritt der Wanderjahre der Schlepperprüfung getan. Wie es dort weiterging, ist aber eine andere Geschichte.