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DLG-geprüfte Klauenhygienemittel: Jeder Abgang ist einer zuviel

Leistungseinbußen oder gar Abgänge durch Erkrankungen der Tiere verursachen hohe Einbußen. Ein professionelles Management der Klauengesundheit lohnt sich definitiv, denn jeder dritte Abgang ist klauenbedingt. DLG-geprüfte Klauenhygienemittel sind ein wichtiger Baustein im System.

Klauenerkrankungen nehmen unter den Abgangsgründen seit Langem – nach Euterentzündungen und Störungen der Fruchtbarkeit – den unrühmlichen dritten Platz ein. Aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse schätzen die Kosten einer Lahmheit auf rund 350 bis 400 Euro. Dabei sind es häufig die indirekten Kosten, die zu Buche schlagen. Zu diesen zählen die schon erwähnten häufigeren Abgänge bei nachweislich geringerem Schlachtgewicht, merklich verringerte Fruchtbarkeit aufgrund von u. a. längeren Zwischenkalbezeiten sowie ein durchschnittlicher Milchleistungsverlust von bis zu 570 kg. Bei vielen Reihenuntersuchungen, die in den letzten Jahren weltweit im Rahmen der regelmäßigen Klauenpflege durchgeführt wurden, litten bis zu 80 % der Tiere an Klauenerkrankungen. Die Ursachen sind vielfältig und häufig von mehrere Faktoren abhängig, aber etwa die Hälfte der auftretenden Klauenerkrankungen wird nachweislich durch Keime verursacht. Die Eindämmung dieser Erkrankungen beginnt im Stall. Saubere und trockene Laufflächen bedingen einen geringen Keimdruck an der Klaue. Saubere, trockene und tiergerecht gestaltete Liegeboxen sorgen für ausreichende Liege- und Wiederkauzeiten, die auch eine Entlastung der Klauen bedeuten. Ebenso wichtig wie die Optimierung der Stallsituation sind Pflege- und Hygienemaßnahmen an den Klauen.

Klauenpflege und -hygiene: Wichtig, wenn richtig

Eine regelmäßige, dreimal jährliche Klauenpflege (Klauenschnitt) sowie eine regelmäßige sachgerechte Klauenhygiene über Klauenreinigungsanlagen oder Klauenbäder gehören zu einem funktionierenden Klauengesundheitsmanagement. Ein Klauenpflegestand sollte heute fester Bestandteil eines Kuhstalls sein. Der Stand steht an einem trockenen, ebenen Platz mit einfachem Zugang zu den Tieren. Wasser- und Stromanschlüsse sind selbstverständlich. Die Termine für den Herdenschnitt müssen fest in den Jahresarbeitsplan eingebaut sein und durch Einzelmaßnahmen im Bedarfsfall ergänzt werden. Klauenhygiene sollte, wie auch die Euterhygiene, regelmäßig und sachgerecht durchgeführt werden. Nur so bringen die Maßnahmen nachhaltigen Erfolg. Insbesondere die Anwendung von Klauenbädern erfordert vom Tierhalter ein exaktes Management, da die Bäder schnell verschmutzen und dadurch die Lösungen unwirksam werden. Die Bäder reichern sich mit Keimen an – aus Desinfektionsbädern werden dann schnell Infektionsbäder! Bei gutem Handling sind Klauenbäder dennoch sinnvoll. Eine gute Alternative sind Klauenreinigungsanlagen. Sie bieten mehr Sicherheit, da die vorgereinigte Klaue mit einem frischen Desinfektionsmittel besprüht wird. Klauenreinigungsanlagen sind jedoch in der Anschaffung deutlich teurer als Wannenbäder. In Tests konnte die DLG feststellen, dass die geprüften Anlagen den Keimbesatz an der Klaue und dem Kronsaum sicher um 99 % oder mehr reduzierten.

Hohe Anforderungen an die Mittel

Egal ob in der Klauenreinigungsanlage oder im Klauenbad, die verwendeten Klauenhygienemittel müssen vielfältigen Anforderungen entsprechen und dem jeweiligen Betrieb bzw. Klauenhygienemanagement angepasst sein. Sie müssen in Bezug auf die desinfizierende Wirkung sicher funktionieren – im Milchkuhstall heißt das bei teilweise sehr niedrigen Temperaturen und unter schmutzigen Bedingungen. Gleichzeitig dürfen die Mittel aber auch nicht zu aggressiv sein – sie schädigen die Haut im Bereich von Kronsaum, Ballen und Zwischenklauenspalt und schaffen damit Eintrittspforten für Erreger (Bild 1).

Hinzu kommt die Frage, wie das Mittel angewendet wird: Als Klauenbad oder Spray? Beispielsweise benötigen Mittel in Klauenreinigungsanlagen, die die Klauen mit Bürsten oder Wasser reinigen und ein Klauenpflege- oder -desinfektionsmittel aufsprühen, im Gegensatz zu Klauenbädern eine sprühfähige Konsistenz. Das gilt im Übrigen auch für Zitzendesinfektionsmittel – Dippen oder Sprühen sind nicht das Gleiche.

Acht Klauenhygienemittel erfolgreich im kontinuierlichen DLG-Test

Wie schwierig dieser Spagat für die Hersteller ist, mag die Erfolgsrate bei den DLG-Prüfungen in dieser Produktgruppe zeigen. Von zehn gemeldeten Klauenhygienemitteln können in der Regel nur drei die Prüfungen erfolgreich abschließen. Wenn schon im Rahmen der Materialverträglichkeitsuntersuchungen zum Teil massive Korrosionsschäden an den Testblechen aus verzinktem Stahl zu finden sind, muss man eine Hautverträglichkeitsprüfung erst gar nicht durchführen. Und Mittel, die zwar wirken, aber starke Hautreaktionen hervorrufen, sind ebenso wenig für die Praxis geeignet, wie solche, die trotz hoher Aggressivität keine ausreichende Desinfektionswirkung unter den anspruchsvollen und praxisnahen Testbedingungen erreichen können. Dass der Spagat trotzdem möglich ist und die teilweise sehr widersprüchlichen Anforderungen an Wirksamkeit und Verträglichkeit erfüllt werden können, zeigen die Produkte, die erfolgreich getestet wurden und den sehr umfangreichen Prüfrahmen bestanden. Mit Stand 2020 sind vier Klauenpflegemittel mit desinfizierender Wirkung DLG-geprüft und erfüllen mit ihren herausragenden Produkteigenschaften die besonders hohen Anforderungen, die eine neutrale und unabhängige DLG-Prüfungskommission aus ehrenamtlich tätigen Experten in einem Prüfrahmen festgelegt hat. Die Listung bei der DLG bedeutet nicht nur, dass die Produkte einmal erfolgreich auf Herz und Nieren getestet wurden, sondern dass sie jährlich von der DLG auf die Einhaltung der Qualität überwacht werden. Das DLG-Testzentrum hat den unter diesem Link aufgeführten Produkten erst kürzlich wieder bescheinigt, dass sie alle Qualitätsanforderungen vollumfänglich erfüllen.

Das DLG-Qualitätssiegel für Klauenpflege- und -hygienemittel erhalten Produkte nur, wenn sie insbesondere

  • ihre desinfizierende Wirksamkeit in einer europäischen Normprüfung in einer kurzen Einwirkzeit bei niedrigen Temperaturen und hoher organischer Belastung nachweisen
  • das Klauenhorn nicht schädigen
  • hautverträglich sind
  • typische Stallmaterialien schonen