Zum Hauptinhalt springen

Wir sind eins: Gemeinsam besser

Friedrich-Otto Ripke zum Kampf um Unterstützung und Anerkennung der Geflügelbranche

Covid-19 hat die Bundesrepublik nach wie vor fest im Griff. Doch während die Politik und die Bürgerinnen und Bürger mit Sorge auf die wieder steigenden Fallzahlen schauen, grassiert ein mit dem Virus im Zusammenhang stehendes Phänomen, das – völlig ungerechtfertigt – wenig Beachtung findet. Ich nenne es das Relevanz-Paradox: Branchen, die noch vor wenigen Monaten als „systemrelevant“ bezeichnet wurden, müssen heute um Unterstützung und Anerkennung kämpfen. Die Geflügelwirtschaft bekommt das aktuell am eigenen Leib zu spüren.

Nicht nur im Zusammenhang mit dem Entwurf zum Arbeitsschutzkontrollgesetz übt sich Berlin derzeit in einem politischen Aktionismus, dessen verheerende Tragweite die Verantwortlichen anscheinend nicht erfassen können oder wollen. Vielleicht ist es auch das anstehende Superwahljahr 2021, das die Urteilskraft trübt? Was auch immer die Beweggründe sind, auf einer sachlichen Grundlage beruht das Handeln nicht. Gleichzeitig wird der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Geflügelwirtschaft in Kauf genommen – und damit auch die Existenz der deutschen Geflügelhalter. Und so gleicht das Arbeitsschutzkontrollgesetz eher einem Tribunal als einem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren.

Vor diesem Hintergrund haben die Hähnchen- und Putenhalter einen offenen Brief formuliert, in dem sie ihrer Sorge Ausdruck verleihen. Mit ihrem einmaligen Schulterschluss richten sie sich an die politischen Entscheidungsträger in Bund, Ländern und der EU. Die zentrale Botschaft: Deutschlands Geflügelhalter stehen ohne Wenn und Aber an der Seite ihrer Partner in Schlachtung und Verarbeitung. Oder werblich auf den Punkt gebracht: Wir sind eins: Gemeinsam besser.

Mit dem aufrüttelnden Weckruf und in begleitenden Anzeigen wurde deutlich gemacht, dass es die enge und einzigartige Zusammenarbeit zwischen Geflügelhaltern und Vermarktern mit ihren Schlachtbetrieben braucht: um auch in Zukunft den Wunsch der Gesellschaft nach mehr Tierwohl umzusetzen, unser Land zuverlässig mit hochwertigem Geflügelfleisch zu versorgen und den ländlichen Raum mit landwirtschaftlichen Familienbetrieben zu stärken.

Dafür braucht es Regeln. Das ist unbestritten. Sie müssen aber EU-weit gelten. Denn wenn den geflügelfleischerzeugenden Unternehmen in Deutschland die Luft zum Atmen genommen wird, ist dem Tierwohl nicht gedient. Im Gegenteil: Gegen die Billig-Importe aus Osteuropa könnte die hiesige Tierwohl-Ware nur schwer bestehen. Leidtragende wären auch die Verbraucherinnen und Verbraucher. Es muss daher immer und überall erkennbar sein, so unsere weitere Forderung, aus welcher Haltung und aus welchem Land das Geflügelfleisch stammt – auch in der Gastronomie.

Das Motto Wir sind eins: Gemeinsam besser schließt durchaus auch die Politik mit ein. Denn ohne ein verantwortungsbewusstes Miteinander von Politik und Geflügelwirtschaft geht es nicht. Mit dem offenen Brief macht unsere Branche ihre Dialogbereitschaft deutlich. Und ihren Wunsch, gemeinsam einen Weg zu finden, der Planungssicherheit und Zukunftsperspektiven bietet.