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Angewandte Forschung als Motor für Innovationen

Zur Einhaltung der aktuell geltenden Hygieneauflagen wurde das 20. Forum "Angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung" in der Stadthalle in Soest durchgeführt, was sich im Nachhinein als ausgezeichnete Alternative zum ursprünglich geplanten Veranstaltungsort in Fulda herausstellte. Mit dem vor Ort reichlich vorhandenen Platzangebot konnte trotz Abstandsregeln ein intensiver fachlicher Austausch stattfinden und die knapp 90 Teilnehmer fanden nach langer kontaktloser Zeit endlich wieder eine Plattform zum Netzwerken mit den Kolleginnen und Kollegen der Branche.

Im Zentrum des Forums standen die drei Plenarbeiträge, die entsprechend des Leitgedankens „Angewandte Forschung – Motor für Innovationen“ die Vernetzung von Landwirtschaft, Futterwirtschaft und Wissenschaft herausstellten und die Erwartungen der einzelnen Bereiche an die angewandte Forschung aufzeigen sollten.

Im ersten Beitrag ging Bernhard Krüsken (Generalsekretär Deutscher Bauernverband) darauf ein, dass auch die Tierernährung ihre Beiträge und Argumente für eine Zukunftsperspektive der Tierhaltung in Deutschland liefern solle. So müssen moderne Fütterungsstrategien einen noch effizienteren Anteil zur Reduktion von Treibhausgas- und NH3-Emissionen leisten. Des Weiteren sollten die Arbeiten zum Zusammenhang von Fütterung und Tierwohl vertieft und mehr Forschung zum Komplex Fütterung – Tiergesundheit – Mikrobiologie initiiert werden. Abschließend stellte er heraus, dass die Tierernährung die „zentrale Stellschraube“ im Stoffstrommanagement rund um die Tierhaltung bleibt und hier wie bisher auch zukünftig weitere Lösungsbeiträge liefern muss.

Im zweiten Beitrag widmete sich Peter Radewahn (Geschäftsführer Deutscher Verband Tiernahrung) per Livevideo der Sicht der Futtermittelwirtschaft auf die angewandte Forschung. Seinen Ausführungen zufolge müssen Versuchsergebnisse, insbesondere Beobachtungen aus der Praxis, stärker hinterfragt werden, um überhaupt und bessere Erklärungen liefern und ebenso klare Fragen an die wissenschaftliche Forschung formulieren zu können. Ferner mahnte er an, dass der Paradigmenwechsel in der Branche nachvollzogen werden muss und neben Leistung und Ökonomie die Aspekte Umwelt, Tierwohl und Tiergesundheit stärker in eine holistische, nachhaltige Betrachtungsweise und Bearbeitung von Forschungsaufgaben einbezogen and anschließend auch begreif- und anwendbar gemacht werden müssen. 

Im dritten Vortrag spiegelte Prof. Dr. Wilhelm Windisch (Lehrstuhl für Tierernährung, Technische Universität München) die Sicht der Wissenschaft wider. Als Herausforderungen stellte er besonders hervor, dass an der weiteren Verbesserung des Futterwerts, speziell der nichtessbaren Biomasse, der Verdauungskapazität der Nutztiere und an der Optimierung der Biomassetransformation im Stoffwechsel geforscht werden muss. Diesbezüglich ist der Öffentlichkeit die Notwendigkeit der Tierhaltung zur Nutzung der in der Humanernährung nicht direkt nutzbaren Biomasse und die notwendige Forschung am Nutztier zur Beurteilung des Futterwertes einer steigenden Zahl und Menge „neuer Nebenprodukte“ nahe zu bringen. Flankierende Maßnahmen bilden in diesem Zusammenhang die Bildung und Koordination einrichtungsübergreifender Forschungsaktivitäten und transdisziplinärer Forschungsverbünde sowie eine wirksamere Öffentlichkeitsarbeit, um die Nutztierforschung (wieder) exzellenzfähig zu machen.

Die intensiv geführte Diskussion konnte insgesamt verdeutlichen, dass die angewandte Forschung zahlreiche der voran genannten Schwerpunkte schon bearbeitet und somit viele richtige Ansätze gewählt und bereits gestartet hat. Es wurde deutlich gemacht, dass nicht nur Futtermittelzusatzstoffe Wirkungen im Stoffwechsel ausüben, sondern die Futtermittel selbst durch spezielle Inhaltsstoffe oder Bearbeitung (zum Beispiel Pentosane im Roggen, Vermahlungsgrad) vielfältige Wirkungen erzielen können, was sowohl der weiteren Erforschung wie der korrekten rechtlichen Berücksichtigung bedarf. Nun gilt es, die weiterführenden Arbeiten zielorientiert voranzutreiben, dabei den Paradigmenwechsel zu berücksichtigen und die bereits genannten und auch neue (Untersuchungs-)Parameter stärker zu integrieren.

Auf das Plenum folgte die Weiterbearbeitung in nach Tierarten getrennten Sektionen. Im Workshop Rind wurden Fragen zur Proteinversorgung unter Berücksichtigung der N-Bilanz-Überschüsse, rechtlicher Rahmenbedingungen, der Grundlagen zur Emissionsminderung (Fütterung, Stall- und Ausbringungstechnik), neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Empfehlungen zu Nährstoffbedarf und -versorgung sowie der möglichen Umsetzung aktueller Beratungskonzepte erörtert.

Der Workshop Schwein fokussierte auf die Einschätzung der Nährstoffversorgung und -ausscheidung am Beispiel N und P, hier wurden aufbauend auf der aktuellen Problematik die rechtlichen Regelungen und deren Folgen im Zusammenhang mit der erfolgten Erarbeitung von Beratungskonzepten und deren Umsetzung in die Praxis erörtert. Hemmenden Faktoren wie Bedenken zu nährstoffreduzierter Fütterung oder eine regional unterschiedliche Akzeptanz von Minderungsmaßnahmen durch die Behörden soll mit entsprechender Aus- und Weiterbildung bzw. auf politischer Ebene entgegengetreten werden, um die Umsetzungen zu beschleunigen. 

Zahlreiche aktuelle und praxisnahe Fütterungsversuche ergänzten die Veranstaltung. Die insgesamt 49 Fachbeiträge aus Plenum, Workshop, Kurzvortrag und Poster wurden begleitend zum Forum in der Tagungsunterlage publiziert. Diese kann über den Verband der Landwirtschaftskammern zum Preis von 20,- Euro bezogen werden (VLK - Geschäftsstelle VFT, Tel. 02945/9690540, E-Mail k-h.gruenewald@vlk-agrar.de).