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Sojaanbau im mitteldeutschen Trockengebiet – Top oder Flop?

Vor dem Hintergrund sich verändernder Witterungsbedingungen rücken immer wieder Kulturen in Regionen vor, in denen deren Anbau bis vor einigen Jahren unüblich war, teilweise sogar belächelt wurde. Mittlerweile werden am Standort Bernburg-Strenzfeld, im Regenschatten des Harzes, auf gutem Löß-Schwarzerdeboden seit mehr als zehn Jahren Sojabohnen angebaut. Somit gehört Soja auf den Flächen der Hochschule Anhalt und am Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrum nicht mehr zu den Exoten in Versuchen und Fruchtfolgen.

Gerade der Anbau von hochwertigen, regionalen Sojabohnen kann unter verschiedenen Gesichtspunkten als positiv und wirtschaftlich interessant angesehen werden. Ende September wurden die letzten Parzellen am Standort geerntet und erste Ergebnisse sind vorhanden. Wie gelingt der Anbau und was ist zu beachten? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie gelingt die Aussaat?

Ist der Standort ausgewählt, sollte man sich noch kurz vergewissern, dass die Wildpopulation (Hase, Reh) nicht zu groß ist. In Siedlungsnähe machen vor allem Tauben während und nach der Saat deutlichen Schaden. So schaffen es in Strenzfeld Tauben problemlos, übers Wochenende einen Hektar Soja abzufressen.

Am Standort hat sich ein Saattermin in der zweiten Hälfte des Aprils bewährt. Bei der Sortenwahl kann man auf die umfangreichen Landessortenversuche, auch vom Standort Strenzfeld, zurückgreifen. Alle Sorten der Reifegruppen 000 (sehr früh) und 00 (früh) werden am Standort sicher reif und können in der Regel bis Ende September gedroschen werden. Bei einer Saatstärke von 60-70 Kö/m² werden gute Pflanzenbestände etabliert.

Das Saatgut ist direkt vor der Saat mit Rhizobien-Präparaten zu impfen, eine frische Impfung ist auch bei Fix-und-fertig-Saatgut zu empfehlen. Impfmittel mit flüssigen Komponenten haben trotz aufwendigerer Anwendung deutliche Vorteile, vor allem bei Einzelkornsaat. Je nach Technik kann bei einigen EKS-Maschinen das trockene Torf-Impfpräparat vom Saatgut abgesaugt werden. Die Aussaat kann sowohl als Drillsaat oder Einzelkornsaat erfolgen. Bei der Einzelkornsaat hat sich eine Reihenweite von 37,5 cm bewährt – breitere Reihen sind nicht empfehlenswert. Das Walzen nach der Saat kann je nach Witterung sinnvoll sein.

Was ist bei der Unkrautbekämpfung zu beachten?

Die größte Herausforderung ist die Unkrautregulierung. Nach der Saat sollte in jedem Fall eine Vorauflauf-Herbizidbehandlung eingeplant werden. Im Nachauflauf lassen sich nur Ausfallgetreide und Gräser wirkungsvoll bekämpfen. Bei dikotylen Unkräutern sind mit Herbiziden im Nachauflauf nur kosmetische Reparaturen möglich und Schäden an Sojabohnen nicht ausgeschlossen. Da die Sojabohnen in der Jugendentwicklung nicht sehr konkurrenzstark sind, sollte der Bestand unbedingt unkrautfrei gehalten werden und auch eine Spätverunkrautung möglichst verhindert werden. Bei breiten Reihen hat sich der Einsatz einer kameragestützten Hacke für die mechanische Unkrautregulierung bewährt.

Gerade unter den trockenen Bedingungen der letzten drei Jahre ist die Unkrautregulierung eine Herausforderung. Die im Vorauflauf sehr wirksamen Bodenherbizide konnten unter trockenen Bedingungen eine Spätverunkrautung nicht verhindern, was weitere Maßnahmen nötig machte. Hier sollte sehr gewissenhaft gearbeitet werden.

Wieviel Düngung und Pflanzenschutz benötigt die Sojabohne?

Fungizide spielen im Sojaanbau in Deutschland keine Rolle. In der Fruchtfolge sollte Soja nicht zu eng mit dem Raps stehen, beide sind anfällig für Sklerotinia. Auch ein Insektizideinsatz muss nur in Ausnahmefällen eingeplant werden.

Sparsam ist die Bohnen auch in Hinblick auf ihren Düngungsanspruch. Eine Stickstoffdüngnung zu Sojabohnen muss bei erfolgreicher Saatgutimpfung und reichlich vorhandenen aktiven Knöllchenbakterien  nicht eingeplant werden. Bei den Mikronährstoffen sind vor allen Molybdän, Mangan und Bor von Bedeutung. Diese können auch vor der Blüte als Blattdüngung ausgebracht werden.

Wie geht es der Sojabohne im Trockengebiet?

Längere Trockenperioden überstehen Sojabohnen im Frühjahr ohne größere Probleme, auch wenn dem Weizen der Stress schon deutlich anzusehen ist. Wichtig für hohe Erträge und Qualitäten sind Niederschläge bzw. ausreichend Bodenfeuchte zur Blüte zwischen Mitte Juni bis Mitte Juli. Wassermangel zur Blüte führt zum Absterben der Blüten und damit zu einer deutlichen Reduktion der Ertragserwartung.

Wann kann wieviel geerntet werden?

Durch abtrocknende, abfallende Blätter ab Mitte August signalisiert der Sojabestand die näherkommende Reife. Lager tritt selten auf und spielt keine größere Rolle. Einige sehr zeitige Sorten neigen jedoch unter sehr heißen Bedingungen im August zum Hülsenplatzen. Der Bestand sollte daher regelmäßig kontrolliert werden. Klappern die Körner in den Hülsen und nähert sich die Kornfeuchte 14 Prozent an, kann die Ernte eingeplant werden.

Sojabohnen werden selten so „hart“ gedroschen wie man es zum Beispiel vom Weizen gewohnt ist. Der Drusch sollte schonend erfolgen. Da die unteren Hülsen tief sitzen – etwa 10 cm über dem Boden – muss sehr tief geschnitten werden, um Ernteverluste zu vermeiden. Bei größeren Schneidwerksbreiten empfehlen sich Schneidwerke mit flexiblem Messerbalken. Ebene, steinfreie oder gut gewalzte Flächen erleichtern die Ernte. Bei feuchten Erntebedingungen können Ährenheber die Ernte durch die Aufnahme der auf dem Boden liegenden Blätter erschweren und zu Verunreinigungen des Erntegutes führen.

In guten Jahren erreichen Sojabohnen in Bernburg Erträge von über 40 dt/ha und Rohproteingehalte von 40 Prozent. Die Erträge und Qualitäten einiger Sorten der Ernte 2020 sind in Tabelle 1 dargestellt. Bezüglich der Erträge ist 2020 in Bernburg als eher durchschnittliches Erntejahr einzustufen; bezüglich der Qualität sind RP-Gehalte über 40 Prozent  anzustreben, was bei zeitigen Sorten nicht immer erreicht wird. Spätere Sorten weisen immer einen höheren RP-Gehalt auf. Für die Verwendung der Sojabohnen in Lebensmitteln werden teilweise 43 bis 45 Prozent RP gefordert.

Doch vor allem in Jahren mit größerer Trockenheit während der Blüte (2018, 2019) fallen die Erträge deutlich und lagen im Durchschnitt aller am Standort angebauten Sorten nur knapp über 25 dt/ha.

Gute Ernte und dann? Wie kann man Sojabohnen vermarkten?

Die Vermarktung muss meist regional organisiert werden, hierbei kann der 2019 gegründete Sojaförderring Sachsen helfen (SO!JA). In der Tierernährung als regionale GVO-freie Ware oder als Lebensmittel in Sojaprodukten werden Sojabohnen nachgefragt. Vor allem der Anbau von Soja als Lebensmittel kann wirtschaftlich sehr interessant sein. Hier spielen aber Absprachen mit Verarbeitern über Sorten und Konditionen eine entscheidende Rolle und sind vor dem Anbau zu verhandeln.