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ASP: Wie geht’s nun weiter?


Seit dem 10. September 2020 gilt Deutschland nicht mehr als „ASP-frei“. Die damit verbundenen Reaktionen und Restriktionen ließen nicht lange auf sich warten:

    Bildung einer Kern- und Pufferzone um den infizierten Kadaver 
•    Verhängung von Ernte- und Begehungsverboten und Einrichtung einer Task Force
•    Intensive Suche nach weiteren Kadavern im Restriktionsgebiet
•    Einfuhrstopp für Schweinefleischprodukte aus Deutschland v.a. durch asiatische Länder und damit verbunden eine
    umgehende Anpassung der Notierung für Mastschweine um 0,20 Euro und daraufhin Preiseinbruch auch bei den Ferkelnotierungen

Nachdem bis heute insgesamt 32 infizierte Kadaver – allesamt im erweiterten Restriktionsgebiet – gefunden wurden ist allen klar, dass Schweinehalter in Deutschland die nächsten Monate mit den Folgen zu leben haben. „Es gibt kein Leben nach ASP sondern nur ein Leben mit ASP“. Doch was bedeutet das konkret und wie geht es nun weiter?

Der DLG-AS Schwein hat in einer Telko zur aktuellen Situation festgestellt, dass man es nicht oft genug wiederholen kann: Die drei wichtigsten Dinge für die Betriebe sind Biosicherheit, Biosicherheit und Biosicherheit. „Sensibilisieren Sie Ihre Familienangehörigen und Mitarbeiter für das Thema Betriebshygiene und prüfen Sie regelmäßig, ob das eigene Hygienekonzept noch aktuell ist“, so lautet die erste Empfehlung. Ein Übergreifen auf Haustierbestände würde die Situation nochmal verschärfen und sollte mit allen Mitteln verhindert werden.

Keiner kann vorhersagen, wie und mit welcher Geschwindigkeit sich das Seuchengeschehen weiterentwickelt. Da das Virus sehr widerstandsfähig ist, sollte man mit Hilfe der ASP-Risikoampel überprüfen, wie der eigene Betrieb aufgestellt ist und wo es gegebenenfalls Schwachstellen gibt. Die Universität Vechta hat ein entsprechendes System für Tierseuchen – in erster Linie Geflügelpest und Afrikanische Schweinepest - entwickelt und stellt dies interessierten Betrieben kostenfrei zur Verfügung: risikoampel.uni-vechta.de/. 

Neben den betrieblichen Präventionsmaßnahmen sprechen sich die Ausschussmitglieder dafür aus, am ASP-Monitoringprogramm teilzunehmen und „Status-Betrieb“ zu werden. Das Früherkennungsprogramm dient dazu, die Voraussetzungen für den sogenannten „Status“ zu erlangen, mit dem sich für den Fall eines ASP-Ausbruchs bei Wildschweinen in der Nähe eine aufwändige Blutprobenentnahme bei allen zu verbringenden Tieren aus einem  Restriktionsgebiet vermeiden lässt. Nähere Informationen zum „Status-Betrieb“ sowie eine Checkliste, was dafür zu erbringen ist, hat die ISN auf deren ASP-Sonderseiten unter www.scheine.net zusammengestellt.

Rückblickend kann festgestellt werden, dass das Aufstellen fester Zaunanlagen an der deutsch-polnischen Grenze wahrscheinlich dazu geführt hätte, dass die infizierten Wildschweine nicht nach Deutschland gelangt wären. Die kurzfristig errichteten mobilen Zäune waren leider nicht in der Lage, die Wildschweine am Grenzübertritt zu hindern.

Nun ruhen die Hoffnungen auf den Verhandlungen auf politischer Ebene zur Etablierung eines Regionalisierungskonzepts für bestehende Abnehmerländer einerseits sowie zur Umleitung von Warenströmen auf neue Märkte andererseits. Der Erfolg dieser Gespräche beeinflusst somit auch die Notierungen in den kommenden Wochen. 
 Last but not least spricht sich das DLG-Gremium dafür aus, nun wieder stärker die „Ganzkörperverwertung“ von Schweineschlachtkörpern anzustreben. Regionales Schlachten und eine Vermarktung „From nose to tail“ können helfen, die ansonsten nach Asien exportierten Produkte auch hierzulande wieder stärker in die Lebensmittelkette einzubinden. Neben der Verarbeitung für den menschlichen Verzehr können Pfoten und Schwänze auch für die Heimtierfutterproduktion verwertet werden.

Der Erfolg beim Kampf gegen die ASP hängt auch von der Zusammenarbeit aller Glieder in der Wertschöpfungskette ab. Der Verband der Fleischwirtschaft hat bereits 2017 ein Muster-Krisenhandbuch zur Afrikanischen Schweinepest entwickelt und dieses nun angepasst. Das Handbuch  dient  der Vorbereitung und Umsetzung von Maßnahmen in Schlachtbetrieben vor dem und  im Seuchenfall. Es  besteht  aus  einem  allgemeinen  Teil,  einer  Checkliste  und einem Anhang und kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: www.v-d-f.de/news/pm-20200912-0145