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Grasernte 2020 – die Situation bleibt angespannt

Nach zwei kargen Jahren zeigte der erste Schnitt 2020 in zahlreichen Regionen erneut deutliche Mindererträge (siehe Kommentar vom 5. Juni 2020). Inwieweit sich die Situation mit den Folgeschnitten 2020 verändert hat und welche Konsequenzen sich aus der Ernte und den qualitativen Aspekten für die Fütterung ergeben, kommentiert Ing. Reinhard Resch, wissenschaftlicher Leiter des Referats Futterkonservierung am Institut für Pflanzenbau und Kulturlandschaft der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein und Vorsitzender des DLG-Ausschusses Futter- & Substratkonservierung.

Die Niederschlagsverteilung im Sommer zeigt ein sehr differenziertes Bild für das deutsche Bundesgebiet. Nach den massiven Wasserdefiziten im Frühjahr blieb die Lage zum Beispiel in den Sommermonaten in Brandenburg und an Mittel- und Niederrhein weiterhin angespannt, hier muss mit Futterknappheit für den Winter gerechnet werden.

Dagegen erholte sich das Grünland im Sommer bei eher normalen Temperaturen und ausreichenden Niederschlägen im Südosten, in den Mittelgebirgslagen sowie im Emsland und Schleswig, wodurch gute Futtererträge produziert werden konnten. Der Ertrag des letzten Aufwuchses wird nun für die trockengestressten Regionen immens wichtig, um so die Futterversorgung bis ins Frühjahr doch noch sicherstellen zu können.

Im Einzelnen muss unterschieden werden, ob, wie beispielsweise am Niederrhein, bereits im April ein erster Schnitt möglich war, oder ob durch überwinternde Wildvögel erst im Mai geerntet werden konnte. Früh geschnittene Flächen lieferten bis jetzt drei Schnitte bei guten Erträgen, später geschnittene Flächen bisher erst einen Folgeschnitt bei geringeren Erträgen. Der zweite Schnitt war von erheblicher Trockenheit in den Monaten Mai und Juni geprägt, sodass Folgeaufwüchse schnell generativ und hinsichtlich Ertrag und Qualität enttäuschend ausfielen. Beim Silomais sind große Differenzen zwischen Hauptfruchtmais und dem in den trockenen Boden ausgesäten Mais nach einer Vornutzung durch Gras zu sehen, die durch Bodenunterschiede zu einer weiteren Streuung führen.

Aufgrund regional extrem variierender Niederschlagsmengen fällt die Grobfutterversorgung in Baden-Württemberg sehr ungleich aus, trockene Regionen wie Schwarzwald-Südhänge und Kraichgau zeigen bis zu 30 Prozent Ertragsausfall, günstige Standorte wie Allgäu und Ostalb eher gute Erträge. Kritisch wird vor allem in Baden das zunehmende Auftreten an Engerlingen gesehen. Die durchschnittlichen Grassilagequalitäten sind dennoch zufriedenstellend, so zeigt der erste Schnitt (157 g XP; 6,4 MJ NEL/kg TM) höhere Nährstoffgehalte gegenüber dem langjährigen Mittel. Auch die Silomaisbestände weisen ein Nord-/Südgefälle hinsichtlich Ertrag und Qualität auf, im Süden werden mittlere bis knapp überdurchschnittliche Ergebnisse erwartet. In den trocknen Gebieten bleiben die Grobfutterkonserven aber weiterhin knapp.

In Niedersachsen ist neben den direkten Auswirkungen der Dürre und den durch große Feldmauspopulationen verursachten Schäden als dritte Problematik ein hoher Besatz an Tipulalarven zu nennen. Für viele Futterbauer vor allem in den Grünlandregionen von Stade bis ins Rheiderland war im Frühjahr fraglich, ob überhaupt Futter geerntet werden kann. Vor diesem Hintergrund muss die Erntebewertung des Grünlands differenziert erfolgen. Auch der zweite Grasschnitt fiel hinsichtlich des Ertrages unterdurchschnittlich aus. Die Niederschlagsmengen im Frühjahr waren für eine gute Massebildung erneut unzureichend, besonders dort, wo eine erhebliche Schädigung des Grünlands vorlag. Infolge der Niederschläge ab Juni verbesserten sich die Sommeraufwüchse vielerorts, wodurch höhere Erträge gegenüber dem ersten Schnitt realisiert wurden.

Der Aufwuchs im Herbst verspricht noch einmal gute Erträge, allerdings ist davon auszugehen, dass die Futterqualität die Werte der Frühjahrsschnitte nicht erreicht. Der Futtervorrat an Silagen zumindest für die kommende Winterperiode wird damit in den meisten Betrieben aber gedeckt werden können. Hier ist auch ein positiver Einfluss durch die Nutzung von Greening-Zwischenfrüchten und Brachland als Weide- oder Silagefutter zu erkennen.

In Österreich wurde von Mai bis August eine gute bis überdurchschnittliche Versorgung mit Niederschlägen (89  bis 138 Prozent Abweichung zur Referenz 1981 bis 2010) beobachtet. Wechselhafte Wetterlagen brachten regelmäßig Feuchtigkeit auf die Futterflächen, sodass sich die Grünlandflächen erholen konnten und damit gute Futtererträge zu verzeichnen waren. Die Ernte der Futteraufwüchse im Sommer verlief vielfach optimal, da die Sonnenfenster für die Silierung gut genutzt werden konnten. Defizite an Futtermengen im Frühjahr wurden so größtenteils aufgeholt. Einige Regionen verzeichneten Mehrerträge, wodurch Futterreserven gebunkert werden können. Vereinzelt wiesen Kleinräume im Sommer aber weniger als 200 mm Niederschlag auf, hier bleibt die Futtersituation angespannt.

Untersuchungsergebnisse von Grassilagen 2020 zeigen, dass Nährstoffe und Energie im ersten Aufwuchs (147 g XP; 6,28 MJ NEL/kg TM) tendenziell über dem langjährigen Mittel liegen. Allerdings sind die Gärqualitäten im ersten Aufwuchs wegen höherer Gehalte an Buttersäure schlechter als üblich einzuordnen. Die ersten Daten des zweiten Aufwuchses weisen im Durchschnitt auf günstige Erntezeitpunkte hin (155 g XP; 466 g NDF/kg TM). Futterverschmutzungen bedingten im Sommer etwas geringere Energiegehalte.

Der Ausblick für den Ertrag des letzten Aufwuchses 2020 ist dank guter Temperaturprognosen für den September vielversprechend. Die guten Bedingungen sollten auch eine gute Reife und Ernte des Silomais ermöglichen. Grünlandregeneration mittels Nach-/Übersaat konnte in Österreich dank der guten Niederschlagsbedingungen sogar im Hochsommer (Mitte Juni bis Mitte August) erfolgreich durchgeführt werden.