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Afrikanische Schweinepest

Philipp Schulze Esking fordert, die Regionalisierung durchzusetzen

Vorbereitet hat man sich schon lange, da es für viele „nur noch eine Frage der Zeit“ war, bis die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch Deutschland erreicht. Spätestens seit dem Sprung des Virus von Ostpolen nach Westpolen nahe an die deutsche Grenze ahnten viele, dass es auch hierzulande bald den ersten Fall geben wird. Die provisorisch errichteten Zäune haben den Übertritt vielleicht noch etwas verzögert, seit dem 10. September 2020 gilt Deutschland aber offiziell nicht mehr als „ASP-frei“.

Auch wenn es lange klar war, kommt so eine Meldung eigentlich immer zur Unzeit. Nachdem sich die Märkte nach den Covid-19-Infektionen auf mehreren Schlachthöfen wieder etwas beruhigt hatten, führte ein totes Wildschwein zu neuerlichen Verwerfungen am Markt. Man hat am 11. September 2020 mit einer Zwischennotierung reagiert, die einen Abschlag von 20 Cent beinhaltete. Dieser Abschlag hat bereits die nun für Deutschland gesperrten Märkte in Asien eingepreist – inklusive China und Japan. Es ist aber davon auszugehen, dass nun auch die Ferkelpreisnotierung weiter nachgeben wird. Dies könnte für viele Ferkelerzeuger das endgültige Aus bedeuten, denn die finanziellen Reserven sind vielerorts nicht mehr vorhanden. 

Umso wichtiger ist es, dass nun die Krisenpläne greifen. Schnelles und abgestimmtes Handeln auf lokaler Ebene zur kontrollierten Eindämmung des Ausbruchs auf der einen Seite und Gespräche mit internationalen Marktpartnern zum Erhalt beziehungsweise zur Umleitung von Warenströmen auf der anderen Seite stehen jetzt auf der Tagesordnung.  

Die dänische Strategie sieht vor, dass nach dem Bau der Zaunanlage an der Grenze zu Deutschland nun alle Wildschweine im Land erlegt werden. Man versucht somit, langfristig ASP-frei zu bleiben und als zuverlässiger Lieferant für Schweinefleisch nach Asien zu fungieren. Als einziger Übertragungsweg bliebe somit der Mensch und der lässt sich vielleicht besser kontrollieren als ein Wildschwein. Für ein Land, dass großflächig von Wasser umgeben ist, sicherlich eine nachvollziehbare und wirkungsvolle Strategie.

Für andere Staaten führt langfristig eigentlich nur ein anerkanntes Regionalisierungskonzept zum Ziel. Dieses Konzept besagt, dass nur Importe aus dem Restriktionsgebiet verboten sind. Schweinefleisch, das nachweislich von Betrieben außerhalb dieser Region stammt, dürfte dann weiter auf den Markt kommen. So wird es aktuell auch innerhalb der EU gehandhabt. Denn irgendwann wird sich auch das ASP-Virus ähnlich dem SARS-CoV-2-Virus in nahezu allen Ländern ausbreiten – zumindest dort, wo es noch Wildschweine gibt. Angesichts der globalen „Knappheit“ von Schweinefleischprodukten bestehen durchaus Perspektiven für entsprechende Veterinärabkommen, die eine Regionalisierung vorsehen. Dies würde uns langfristig eine deutlich höhere Stabilität geben, als wir sie in den letzten Jahren hatten.

Eine wirkungsvolle Impfung gegen die ASP ist mittelfristig nicht in Sicht, von daher ist die Frage, wie lange man noch auf die Regionalisierung verzichten kann, ohne in Versorgungsengpässe zu geraten. Überhaupt scheint es nicht nachvollziehbar, wenn Staaten, in denen das Virus großflächig Wild- und Haustierbestände erreicht hat, Schweinefleisch aus Ländern verbannt, in denen das Virus nur vereinzelt in Wildtierbeständen auftritt – ohne Anzeichen einer unkontrollierten Verbreitung. Vielleicht sollte man vorhandene Schnelltests so weiterentwickeln, dass auch Fleischimporte vor der Entladung obligatorisch getestet werden könnten.

Für die Schweinehalter in Deutschland bedeutet der ASP-Ausbruch vom betrieblichen Ablauf her eigentlich nichts Neues: BIOSICHERHEIT und HYGIENEMANAGEMENT müssen weiterhin großgeschrieben werden, um ein Übertreten des Virus auf Haustierbestände zu verhindern. Denn das wäre fatal – nicht nur für den betroffenen Betrieb, sondern auch für die gesamte Branche. Die Tatsache, dass die erarbeiteten Sicherheitskonzepte nun in einer relativ dünn mit Hausschweinen besiedelten Region angewandt werden können, sollte ein Vorteil sein. Informationen, wie Sie als Betriebsleiter Ihre Bestände schützen können sowie allgemeine Fragen und Antworten zur ASP gibt es unter anderem hier:

Die ASP wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen und zusätzlich zu den Herausforderungen rund um den Umbau der Tierhaltung die Agenda bestimmen. Der Unterschied ist nur, dass die ASP alle Betriebe betrifft beziehungsweise bedroht – konventionell wie ökologisch wirtschaftend. Man könnte also sagen: Endlich mal ein Thema, was wir gemeinsam anpacken müssen!

Das Beispiel Tschechien zeigt, dass man bei einem konsequenten und abgestimmten Vorgehen die weitere Verbreitung eindämmen und den ursprünglichen Status zurückerhalten kann. Wenn dann noch die Verantwortlichen nicht müde werden, Gespräche mit Marktpartnern zu führen und sich für das Regionalisierungsprinzip einzusetzen, dann können wir auch diese Krise meistern. Denn wie hat einst Winston Churchill gesagt: “Never let a good crisis go to waste!”