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DLG-Unternehmertage 2020 digital: Das „Forum Milch“

Was für ein außergewöhnliches Jahr. Alles hat normal gestartet, doch dann, wer hätte es gedacht, wurden Klopapier und Mehl schon fast begehrter als Gold. Doch auch Milch- und Milcherzeugnisse wurden aus den Regalen im Einzelhandel und von den Hofläden der Landwirte ins traute Heim gebunkert. 

Die ganze Welt und so auch der Milchmarkt waren unter Schock. Wie lange dauert es? Welche Auflagen kommen? Wann öffnen die Grenzen wieder? Das sind nur wenige Fragen vor denen wir alle standen. Der Milchmarkt, der im Frühjahr durch die Jahreshöchstliefermenge sowieso schon immer unter Druck stand, wurde nun auch noch durch niedrige Ölpreise und einer somit geringeren Nachfrage aus den ölfördernden Ländern beeinflusst. 

Ein verrücktes Jahr im Ausnahmezustand und schnell wurde klar, eine Kuh Abstand ist nicht genug. Die Märkte veränderten sich, die Maßnahmen überfluteten uns. Kasper Thormod Nielsen von Arla Foods Deutschland GmbH erläutert, dass bei ihnen vor allem die Sicherheit der Mitarbeiter und Landwirte zu Beginn der Pandemie-Entwicklungen im Vordergrund standen. Die anfängliche Angst des Nachfragerückgangs wurde durch positive Entwicklungen bei der Nachfrage im privaten Konsum schnell vergessen. Die Lage am Milchmarkt hat sich wieder beruhigt und es zeigte sich, dass vor allem durch höhere Umsätze im E-Commerce-Segment der Rückgang im Foodservice ausgeglichen werden konnte. 

Milchproduzenten sahen beim Beginn der Pandemie das Absatzrisiko und standen vor der Frage, ob in dieser Situation investiert werden sollte. Dr. Sven Grupe von der Koesling Anderson LEB GmbH erläuterte, wo die größten Herausforderungen für Milcherzeuger im Ausnahme-Frühjahr 2020 lagen und zeigte auf, welche Chancen Landwirte nun haben. Zu Beginn der Pandemie zeigte sich schnell, dass Hygienekonzepte gerade bei Betrieben mit einer hohen Anzahl an Mitarbeitern aufgestellt werden müssen. 

Die strengen Maßnahmen hatten vor allem einen positiven Effekt auf die digitale, interne Kommunikation und so wurden Übergabeprotokolle, SOP und Arbeitsanweisungen neu überarbeitet. Blickt man auf die Ökonomie in den Betrieben, zeigt sich, dass die aktuelle Lage zwar einen negativen Effekt auf die Investitionsbereitschaft in den Betrieben hat, aber sie zugleich ein positives Umfeld bietet – niedrige Zinsen, flexibler Umgang mit Tilgungen und Bürgschaften. „Eigentlich die richtige Zeit für Investitionen – die richtige Zeit für Unternehmer!“ – Diesen Tipp gibt Dr. Sven Grupe den Zuhörern weiter. 

Doch was sind stabile Betriebskonzepte? Hier kamen wir im Rahmen unseres Forums Milchviehhaltung auf ein Konzept, dass früher ganz natürlich war. Man ging zum Landwirt im Dorf, um seine Milch zu holen. Ein Konzept, dass eigentlich so alt und nun doch so neu erscheint. Gerade in der Pandemie war es von Hochs und Tiefs geprägt und schnelles Handeln war gefragt. Claudia Müller vom Weidenhof in Wächtersbach zeigte, dass auch bei ihnen am Anfang eine große Unsicherheit bestand – Cafés und Gastronomiebetriebe sowie auch Schulen schlossen ihre Türen und so brach die Nachfrage im Großverbrauchermarkt ein. 

Doch der Privatkonsum stieg und der Weidenhof wurde von Neukunden überflutet. Gerade das kontaktlose Einkaufen durch Belieferungen an der Haustür wurde sehr positiv angenommen. Die Tourenplanung, die Abfüllplanung und die Arbeitsorganisation in der Molkerei wurden schnell zur Herausforderung. Aber es konnten auch neue Ideen wie zum Beispiel die Benutzung von Mehrwegflaschen umgesetzt werden. 

Als Fazit bei der Direktvermarktung gab Claudia Müller unseren Teilnehmern mit, dass vor allem durch Offenheit und Kommunikation Vertrauen von den Kunden gewonnen werden kann und so eine langfristige Beziehung und damit ein langfristig stabiler Kundenstamm aufgebaut werden kann. 

Von Deutschland ging es nach Österreich. Karl Neuhofer, Landwirt und Obmann der ARGE Heumilch, beleuchtete den Markt und welche Chancen Heumilch derzeit hat. 7.500 Heumilchbauern und 60 Heumilchverarbeiter sind Teil der ARGE Heumilch. Ein wichtiges Ziel der ARGE Heumilch ist die Bildung und Beratung der Erzeuger und Verarbeiter zur Erhöhung der Wertschöpfung für alle Partner. Vor allem die Vermarktungsoffensive wie zum Beispiel durch unterschiedliche TV-Spots bringt dem Konsumenten das Produkt näher. 

Für den Landwirt ist es wichtig, durch die Nutzung von erneuerbaren Energien das Heu qualitativ hochwertig zu produzieren, um unter anderem einen hohen Rohproteingehalt zu erreichen und die Grundfutterleistung zu steigern. Das Konzept Heumilch verbreitet sich in den letzten Jahren über die Landesgrenzen hinweg und eine Zusammenarbeit mit Deutschland, Italien und der Schweiz führt zu einem steigenden Bekanntheitsgrad bei Landwirten sowie Konsumenten. 

Mehr Informationen zu unserem Forum Milchviehhaltung auf den DLG-Unternehmertagen digital und zu der Entwicklung des Milchmarkts, zu den neuen Maßnahmen in der Milchviehhaltung und Tipps für langfristig stabile Betriebsstrategien finden Sie hier.