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Mineraldünger: Positive Absatzentwicklung bei niedrigen Preisen

Sven Hartmann zur aktuellen Situation am Düngemittelmarkt

Für das abgelaufene Düngemitteljahr waren die Absatzprognosen nach den letzten zwei sehr nachfrageschwachen Jahren zurückhaltend und auch die wiederholten Wetterkapriolen gaben zunächst wenig Grund zur Hoffnung. Dass sich im Frühjahr trotz der Corona-bedingten Einschränkungen der Absatz bei den Hauptnährstoffen positiv entwickelte, wurde zunächst als Reaktion auf die erwarteten Lieferschwierigkeiten in Form vorgezogener Einkäufe interpretiert. Die vorläufigen Zahlen zeigen jedoch, dass die Nachfrage im zweiten Quartal nicht wie erwartet eingebrochen, sondern auf „normalem“ Niveau weitergelaufen ist.

Für Stickstoff zeigen die vorliegenden Daten, dass nach sehr deutlichen Absatzeinbrüchen in den vergangenen zwei Jahren in dieser Saison ein leichtes Plus von etwa drei Prozent zu verzeichnen ist. Mit etwa 1,37 Mio. t Stickstoff hat sich der Absatz somit auf dem aktuellen Niveau stabilisiert. Besonders gefragt waren neben Kalkammonsalpeter vor allem die schwefelhaltigen Einnährstoffdünger.

Auch bei den beiden anderen Hauptnährstoffen Phosphat und Kali zeigte sich ein erfreulicher Aufwärtstrend, nachdem insbesondere bei Phosphat in den letzten Jahren, nicht zuletzt aufgrund der Verschärfungen der Düngeverordnung, deutliche Absatzeinbußen zu Buche standen. In diesem Frühjahr zeigte sich eine spürbar höhere Nachfrage schwerpunktmäßig bei NP- und PK-Düngern. Aber auch bei den klassischen Kalidüngern, wie dem in Deutschland häufig eingesetzten Korn-Kali, gab es eine positive Nachfrageentwicklung.

Die mit der fortwährenden Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen haben in Deutschland bis heute weder die Produktion noch die Lieferketten im Mineraldüngersektor beeinträchtigt und ein Versorgungsengpass für die Landwirtschaft stand zu keiner Zeit im Raum – das ist der gute Teil der Nachricht. Weltweit gesehen dagegen hat die Pandemie durchaus zu einigen Verwerfungen an den Düngemittelmärkten gesorgt. Einerseits, weil die Pandemie mitten in die Auslieferungszeiten gefallen war, und andererseits, weil eine bereits geringe Nachfrage in großen Abnehmerländern wie China, Südasien und Südamerika zusätzlich beeinträchtigt wurde.

Das vorhandene große Angebot an Düngemitteln im weltweiten Maßstab, verbunden mit der geringen Nachfrage in wichtigen Abnehmerländern, führte zwangsläufig zu einem für die Landwirte erfreulichen Rückgang der Preise. Mittlerweile hat sich die globale Nachfrage erholt und liegt insbesondere in wichtigen Importländern wie Indien deutlich über dem Vorjahr. Auch die Preise ziehen nach Vertragsabschlüssen in den letzten Wochen, zum Beispiel in China, auf den internationalen Märkten spürbar an.

Abschließend noch ein paar Bemerkungen zur tragischen Explosion in Beirut. Die genauen Hintergründe sind zwar weiterhin unklar, aber die bekannten Fakten zeigen, dass offenbar alle essentiellen Sicherheitsvorschriften missachtet wurden. Eines ist sicher: In Deutschland ist ein solches Unglück nach menschlichem Ermessen unmöglich. Zum einen enthalten die in Deutschland käuflichen Düngemittel Ammoniumnitrat nur in so geringen Konzentrationen, dass sie weder explosiv noch selbstentzündlich sind. Zum anderen existieren auf Grund der historischen Erfahrungen mit Ammoniumnitrat strenge Sicherheitsvorschriften, die eben solche Unfälle bei der Produktion, der Lagerung und dem Transport dieses Stoffes verhindern sollen. Die chemische Industrie ist sich ihrer Verantwortung hierbei voll bewusst.