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„Die Mischung macht es aus“

Herr Mindermann, wie geht es Ihnen gerade in den Semesterferien?

Na ja, Ferien ist nicht ganz das richtige Wort. Wir sind gerade mit der Ernte fertig und in den Nacharbeiten wie Bodenbearbeitung und Vorbereitung auf die nächste Kultur. Bald beginnt das fünfte Semester für mich und ich hoffe, dass wir dann wieder Präsenzunterricht haben und nicht nur Online-Vorlesungen.

Stellen Sie uns doch bitte kurz Ihren landwirtschaftlichen Betrieb vor.

Unser Hof liegt in Achim-Uesen an der Weser. Wir betreiben 150 Hektar Ackerbau mit Getreide, Raps und Zuckerrüben auf überwiegend schwerem Marschboden und haben eine Schweinemast mit 700 Plätzen. Diese wurde vor 20 Jahren vom Hof aufgrund der Lage am Stadtrand ausgelagert. In der Außenwirtschaft teilen wir uns einige Maschinen mit einem benachbarten Betrieb, um sie besser auszulasten und eine höhere Schlagleistung zu erzielen. Das ist bei unseren zum Teil schwierigen Bodenverhältnissen wichtig. Die landwirtschaftlichen Arbeiten werden überwiegend von meinem Vater und mir durchgeführt. Meine Mutter ist Sonderpädagogin, meine jüngere Schwester geht noch zur Schule und meine ältere Schwester ist Rechtsanwältin.

Wie ist denn die Ernte für Sie gelaufen?

Im Vergleich zu den letzten Jahren war die diesjährige Ernte überdurchschnittlich, aber dennoch etwas durchwachsen. Insbesondere für die Gerste kam der Regen im Frühjahr noch zur rechten Zeit, wodurch gute Ernteergebnisse erzielt werden konnten. Der Weizen war jedoch stark unterschiedlich im Ertrag. In den letzten Extremjahren beeinflussten selbst kleinste Fehler im Ackerbau die Ernten sehr stark. Ich denke, deshalb ist es wichtig, sich in diesem Bereich stetig weiterzubilden und mit Berufskollegen und anderen Praktikern auszutauschen. In der Schweinemast haben wir die Coronakrise ausschließlich im Preis gemerkt. Dort hatten wir dahingehend Pech, dass wir beim letzten Durchgang die Ferkel sehr teuer eingekauft haben und kurz nach den ersten Schlachthofschließungen zu einem recht niedrigen Preis verkaufen mussten. Allerdings hatten wir noch Glück im Unglück, weil wir nicht von Schließungen direkt betroffen waren und nicht auf unseren Schweinen sitzen geblieben sind.

Wollten Sie schon immer Landwirt werden?

Als Kind hatte ich immer gesagt, dass ich Landwirt werden möchte, jedoch habe ich mich während der späteren Schulzeit auch für andere Dinge interessiert und ausprobiert. Die endgültige Entscheidung fiel in der elften Klasse nach einem Praktikum bei der Polizei….

… und eine Stelle bei der Polizei war dann nichts für Sie?

Das Praktikum bei der Polizei hat zwar Spaß gemacht, mir wurde dadurch aber klar, dass ich mir nicht vorstellen kann, dort 40 Jahre lang zu arbeiten. Am meisten hat mir gefehlt, dass man am Abend sieht, was man den Tag über geschafft hat. Die Entscheidung fiel dann für die Landwirtschaft. Insbesondere der Abwechslungsreichtum und die Selbständigkeit in der Landwirtschaft reizten mich, diesen Weg einzuschlagen. Schon in der Lehre habe ich auf Vielseitigkeit gesetzt und meine Ausbildung auf Betrieben mit verschiedenen Schwerpunkten absolviert. Dadurch habe ich intensive Erfahrungen zum Beispiel auch mit Milchvieh gemacht, das ich vom elterlichen Betrieb nicht kannte. Während der Ausbildung habe ich mich dann bewusst für ein anschließendes Studium entschieden. Ich denke, dass es in der modernen Landwirtschaft unerlässlich ist, sich so viel als möglich weiterzubilden um einen erfolgreichen Betrieb zu führen. Ich habe mich jedoch für eine Fachhochschule und gegen die Universität entschieden, da ich den Fokus auf die Ausbildung zum Betriebsleiter und nicht hauptsächlich auf die Wissenschaft legen möchte.

Das heißt, Sie möchten also später voll in den elterlichen Betrieb einsteigen?

Ja, aber nach dem Studium würde ich gerne zunächst erst noch einmal die Chance nutzen, um im In- und Ausland andere Erfahrungen in der Landwirtschaft zu erlangen, bevor ich dann vollständig in den Betrieb einsteige.

Wie richten Sie und Ihr Vater den Betrieb auf Weiterführung aus?

Seitdem meine Entscheidung gefallen ist, die Landwirtschaft weiterzuführen, wurde primär in der Außenwirtschaft investiert. In den letzten Jahren haben wir auch einige Flächen umstrukturiert. Der Betrieb hat sich von Grünland in der Marsch und Ackerbau auf der Geest zu einem reinen Ackerbaubetrieb in der Marsch gewandelt. Das meiste Grünland wurde umgebrochen, das aktuell noch bestehende ist verpachtet oder getauscht. Außerdem haben wir in den letzten Jahren stark in unseren Maschinenpark für den Ackerbau investiert. Einige dieser Maschinen wurden zusammen mit einem anderen Betrieb angeschafft, wodurch beide Betriebe stark profitieren und intensiv zusammenarbeiten. Dadurch sehe ich unseren Betrieb in der Außenwirtschaft für die Zukunft recht gut aufgestellt. Für die Zukunft planen wir, die Zusammenarbeit weiter auszubauen, zum Beispiel durch den Bau einer Maschinen- und Getreidehalle. Nach dem Studium möchte ich zudem auch gerne in die Schweinemast investieren. Dort sehe ich aufgrund unserer Lage in Stadtnähe zu Bremen Möglichkeiten in der Direktvermarktung. Aktuell finde ich es allerdings insbesondere durch das politische Geschehen sehr schwierig eine planungssichere Investition zu entwerfen. Dabei hoffe ich, dass ich durch die DLG auf Wissen, Erfahrungen und Ideen anderer Landwirte zurückgreifen kann.

Der Austausch mit anderen Landwirten war ein Kriterium für Sie, in die DLG einzutreten?

Vor allem die DLG-Mitteilungen haben mich dazu bewogen, in die DLG einzutreten. Sie wurden mir von Berufs- und Studienkollegen empfohlen. Die Artikel darin haben einen hohen praktischen Wert für mich und helfen mir bei der betrieblichen Entwicklung. Für die Zeit nach dem Studium und den im Betriebsaufbau reizen mich zudem die Seminare, bei denen ich gute Fortbildungsmöglichkeiten sehe. Auch die Testberichte und die Praxiserfahrungen sind sehr interessant. Und ja, der Informationsaustausch mit anderen Praktikern ist ebenfalls ein spannender Punkt für die DLG-Mitgliedschaft. Ich finde die Mischung macht es aus, da man über alle Bereiche der Landwirtschaft aus einer Quelle zuverlässig informiert wird. Gerne würde ich noch mehr Texte lesen, die auf Junglandwirte zugeschnitten sind. Aber hier bietet ja auch die Junge DLG ein gutes Forum.

Was bewegt Sie derzeit?

Die letzten Wochen hat meine Eltern und mich ein Streit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stark beschäftigt. Dabei ging es um einen Formfehler beim Agrarantrag in Bezug zu einer Blühfläche. Die Maßnahmen wurden seit Jahren vollständig und korrekt durchgeführt, lediglich ein verrutschtes Kreuz in dem Antrag führt dazu, dass die Maßnahme nicht anerkannt wird. Zudem wurden beinahe die bereits ausgezahlten Beihilfen der letzten Jahre aufgrund des falschen Kreuzes zurückgefordert. Dabei hat uns besonders die bürokratische und unpragmatische Art der Bewilligungsstelle sehr geärgert. Daher möchte ich an alle Landwirte appellieren, bei den Anträgen sehr genau aufzupassen, um solche zeit- und nervenaufreibenden Auseinandersetzungen zu vermeiden, da unsere Zeit sicherlich besser genutzt werden kann.

Aber es gibt auch positive Dinge, die mich bewegen: Achim ist in den letzten Jahren von der Einwohnerzahl recht stark gewachsen, wodurch es immer weniger Höfe gibt. Die meisten meiner Freunde dort haben nichts mit Landwirtschaft am Hut. Wenn ich abends mit ihnen auch mal über kritische Themen in der Landwirtschaft rede, bin ich immer wieder erstaunt, wie gering das Wissen von der modernen Landwirtschaft ist, aber wie hoch hingegen das Interesse daran ist. Nachdem wir dann etwas darüber geredet haben und ich Zusammenhänge auch von kritischen Themen erläutert habe, sind die Reaktionen immer positiv und man hört häufig: „das ist ja doch anders, als man es immer hört“. Von daher kann ich nur appellieren, sich die Zeit zu nehmen und Interessierten die Landwirtschaft näher zu bringen. Man wird überrascht sein, wie groß das Interesse ist und wie positiv das Feedback sein wird. Ich denke, das ist essentiell für die Akzeptanz der Landwirtschaft, dass man mit den Verbrauchern im Dialog steht. Gerade in der heutigen Zeit, in der immer weniger Menschen einen Bezug dazu haben.

Herr Mindermann, ich danke Ihnen für das Gespräch. Weiterhin viel Erfolg im Studium und bei der Entwicklung des Betriebes!

Das Gespräch führte Angelika Sontheimer.

David Mindermann: Praktiker mit Plan

Nach seinem Abitur absolvierte David Mindermann eine zweijährige Ausbildung zum Landwirt. Das erste Jahr seiner Ausbildung arbeitete er auf einem Ackerbau- und Schweinemastbetrieb, das zweite Jahr fand auf einem Milchviehbetrieb statt. Jetzt studiert er Landwirtschaft an der Hochschule Anhalt in Bernburg. Und er wird den elterlichen Betrieb übernehmen. Zuvor will David Mindermann aber noch reichlich fachliches Know-how erwerben.