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Rapsaussaat: Mit Hindernissen oder gar nicht?

In den meisten Regionen ist die Ernte vorerst abgeschlossen und schon stehen die Arbeiten für die Aussaat der Herbstkulturen an. Vor Allem für den Anbau von Raps fällt die Entscheidung vielerorts nicht leicht. In der Vergangenheit war es oftmals die Trockenheit, die Landwirte dazu brachte das Saatgut in der Tüte zu lassen. Die Niederschläge der letzten Tage haben viele Landwirte aufatmen lassen; die Gefahr der großen Trockenheit zur Rapsaussaat scheint zumindest in vielen Regionen gebannt. 

Doch schon stehen die nächsten Hindernisse im Weg. Nach der Sortenwahl für den eigenen Standort steht zuerst die Frage nach dem optimalen Saatzeitpunkt an. Eine frühe Saat, um die Bestände sicher zu etablieren oder doch lieber ein späterer Saatzeitpunkt, um die Zeit des Schädlingsdruckes zu verringern? Und welche Möglichkeiten stehen für eine Schädlingsbekämpfung überhaupt noch zur Verfügung?

Nach dem Wegfall der Beize mit Neonicotinoiden ist derzeit „Lumiposa 625 FS“ die einzige verfügbare insektizide Beize mit Wirkung auf die Kleine Kohlfliege. Die Insektizidbeize mit ist in Polen zugelassen. Damit gebeiztes Saatgut darf nach Deutschland importiert und unter bestimmten Auflagen ausgesät werden. Eine Saatgutbehandlung in Deutschland selbst ist nicht möglich. Dies offenbart einmal mehr die Schwächen der europäischen Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel. Da die Beize zudem nur eine eingeschränkte Wirkung auf den Rapserdfloh mitbringt, sind in den meisten Regionen eine oder gar mehrere Insektizidanwendungen im Herbst vorhersehbar.

Weiterhin zeichnet die derzeitige Entwicklung der Feldmauspopulationen den Landwirten die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Aktivität befindet sich vielerorts auf hohem Niveau. Die Befallseinschätzung der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Bernburg zeigte Ende Juli/Anfang August bereits etwa 100.000 ha in Sachsen-Anhalt mit starkem bis sehr starkem Feldmausbefall. Eine Bekämpfung mit Rodentiziden wie in der Vergangenheit ist nur noch in wenigen Regionen uneingeschränkt möglich. 

Viele Anbauregionen Deutschlands, wie auch der Standort des Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrums in Bernburg, sind mit Auflagen zum Vogel-, Hamster- oder Haselmausschutz belegt. Die neuen Anwendungsbestimmungen erlauben erst ab dem 1. November wieder die Ausbringung von Mäuseködern mittels Legeflinte. 

Gerade in den typischen Befallsregionen wissen die Landwirte, dass sämtliche vorbeugende Maßnahmen enorm wichtig sind. Vor allem ist hier die frühzeitige Beseitigung von Pflanzenresten und Aufwuchs durch eine mehrmalige Stoppelbearbeitung zu nennen, um den Schadnagern die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Eine intensive wiederholte Bodenbearbeitung ist ferner die einzige Möglichkeit die bereits vorhandenen Bauten sicher zu zerstören. 

Bei einer Massenvermehrung, so wie sie sich derzeit andeutet, kann aber all dies zu wenig sein. Für den Raps – und auch das Wintergetreide – kann es bis Anfang November dann bereits zu spät sein. Um Ausnahmegenehmigungen für die Ausbringung von Mäuseködern wird daher gerungen. Allerdings mit offenem Ausgang.

Auch Klimawandel und Düngeverordnung werfen ihre Schatten auf den Rapsanbau. Die erhöhte Anrechnung der Herbstdüngung in der Düngeplanung lässt viele Landwirte hierbei zögern. Dies wird sich besonders mit den ab 2021 in den Nitratgebieten umzusetzenden Vorgaben noch weiter verstärken. Nicht nur deshalb stellt sich die Frage, ob der Raps eher früher zu säen ist, um mit vitalerem Wurzelwerk mehr Nährstoffe erschließen zu können. 

Dagegen spricht vor allem auf nachlieferungsschwachen Standorten, dass den Pflanzen dann insbesondere bei der immer länger werdenden Vegetationszeit im Herbst früher oder später die Nährstoffe ausgehen. Frühe Saattermine erfordern zudem häufig einen mehrmaligen Insektizid- und Fungizideinsatz. Dies steht dem Integrierten Pflanzenschutz und natürlich auch dem Einsparwillen vieler Landwirte entgegen.

Der Anbau der hoch geschätzten Kultur Raps ist längst kein Selbstgänger mehr. Selbst wenn die Trockenheit in Bezug auf die Bestandesetablierung zumeist nicht ganz so dramatisch wie in den Vorjahren erscheint, gibt es dennoch genügend Stolpersteine. So gilt es in diesem Herbst noch stärker, die Befallslage auf den eigenen Flächen richtig einzuschätzen und abzuwägen, ob und wie unter den gegebenen Bedingungen die Rapsaussaat und -bestandesführung erfolgreich gelingen können. Denn nur mit stabilen Erträgen und Kostendisziplin kann der Raps seine bedeutende Stellung in den hiesigen Anbausystemen behalten.