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Der agrarpolitische Dialog mit Kasachstan

Die 1. Projektsteuerungsgruppensitzung der vierten Phase des Projekts „Deutsch-Kasachischer Agrarpolitischer Dialog“ hat dieser Tage als Video-Konferenz stattgefunden. Bei dieser Sitzung haben Vertreter aus Deutschland und Kasachstan Weichen für die Fortsetzung der Projektarbeit gestellt. Die DLG unterstützt das Vorhaben als Projektpartner.

Der Deutsch-Kasachische Agrarpolitische Dialog (APD) ist ein Projekt, das seit 2009 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf der Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert wird. Ziel ist, Kasachstan mithilfe von Erfahrungen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern in der Formulierung agrarpolitischer Pläne und Strategien zu unterstützen. Reformprozesse sollen begleitet werden. Dies soll auf nachfrageorientierter Basis auf der Dialogplattform sowie auf weiteren Plattformen für den Ökolandbau und die Agrarfinanzierung geschehen.

An der Projektsteuerungsgruppensitzung nahmen Vertreter des Landwirtschaftsministeriums der Republik Kasachstan, des BMEL sowie Partner aus beiden Ländern teil. Auf kasachischer Seite waren dies das National Agrarian Science and Educational Centre (NASEC), die National Management Holding „KazAgro“, die Agrarian Credit Corporation und National Accreditation Center (NCA). Die deutsche Seite haben die GFA Consulting Group GmbH, Agriculture & Finance Consultants GmbH (AFC),Akademie Deutscher Genossenschaften, Deutsches Agrarzentrum, German Agribusiness Alliance und die DLG vertreten.

Bei dem Treffen wurden Themen und ein Maßnahmenplan für die zweite Jahreshälfte 2020 und die erste Jahreshälfte 2021 vorgestellt und verabschiedet. Auf der Plattform „Ökologische Landwirtschaft“ soll die kasachische Seite bei der Einrichtung eines Zertifizierungssystems für Öko-Produkte unterstützt werden. Dies soll anhand praktischer Trainings für Zertifizierer und Landwirte durch internationale Experten erfolgen, des Weiteren soll ein Handbuch mit Zertifizierungsregeln ausgearbeitet werden. In der Zertifizierung sieht Kasachstan ein großes Potenzial, um mehr ökologische Agrarrohstoffe und Lebensmittel exportieren zu können.

Die Aktivitäten auf der Plattform „Agrarfinanzierung“ konzentrieren sich auf die Beratungen zur Konzipierung des neuen staatlichen Programms zur Entwicklung des kasachischen Agrarsektors (2022 bis 2026) besonders im Hinblick auf die staatliche Subventionspolitik und deren Effizienz sowie den Vergleich mit der Agrarpolitik in Deutschland und der EU. Ein weiterer Punkt ist die Unterstützung von Pilotprojekten beim Aufbau von Genossenschaften für eine effizientere Produktion durch die Etablierung von Erzeugergemeinschaften, die Ausarbeitung der Kredit- und Subventionsmechanismen und die Zusammenarbeit bei der Investitionsbeschaffung.

Die kasachische Seite hat auch Bedarf an Informationen rund um Strategien zur Innovationsförderung im Agrarbereich geäußert. Dafür sind ein Erfahrungsaustausch mit BMEL, BLE und DLG sowie eine Fachinformationsfahrt nach Deutschland geplant. Solche allgemeinen Themen werden im Rahmen der Dialogplattform bearbeitet. Während der Sitzung wurde eine ganze Reihe weiterer Fragestellungen für diese Plattform definiert. Hierzu gehören die Lebensmittelsicherheit, Transparenz in der Wertschöpfungskette, internationale agrarpolitische Strategien und die Förderung der Agrarexporte.

Die DLG unterstützt den APD beim Aufbau der Fachkommunikation und hilft, Kommunikationskanäle im Internet, Social Media sowie bei der Pressearbeit zu entwickeln. Mit ihren Expertennetzwerken wird die DLG dabei mitwirken, Strategien zu Förderung des Innovationstransfers, zur Durchführung von Bildungsmaßnahmen im Bereich Agrarfinanzierung sowie zu Risikomanagement, Finanzanalyse, Kredittechnologie und Kreditgenossenschaften zu erarbeiten.

Dr. Olga Hunger, Geschäftsführerin des Länderarbeitskreises Osteuropa bei der DLG, bestätigte am Ende der Sitzung, dass die DLG ihre Fachkompetenz aus zahlreichen Gremien und Ausschüssen gerne in die Projektarbeit einbringt. Dr. Hunger betonte: „Um das Vertrauen in die Agrarrohstoffe und Lebensmittel aus Kasachstan auf internationalen Märkten aufzubauen, sind nicht nur Marketingkampagnen wichtig. Man muss bereits bei der Modernisierung von Produktionsverfahren in der Agrarproduktion und Lebensmittelverarbeitung ansetzen, für Transparenz und Rückverfolgbarkeit durch Einsatz innovativer Technologien sorgen und kontinuierlich hohe Qualität liefern.“

Eine enge Zusammenarbeit mit den kasachischen Institutionen, der Agrarindustrie und zwei weiteren Projekten in Kasachstan, dem Deutschen Agrarzentrum und dem Projekt für den Aufbau von Milchproduktion, würden zum Erfolg des APD beitragen. „Grundsätzlich ist ein reger Austausch zwischen den BMEL-geförderten Projekten in der Ukraine, Russland und Kasachstan positiv, um Synergien zu erschließen“, ergänzte Dr. Hunger.