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Die Digitalisierung des Milchviehstalles

Andreas Pelzer zu Defiziten und Schwachstellen

In der modernen Milchviehhaltung überwachen Sensoren Verhalten und Gesundheit unserer Tiere sowie die Qualität der Produkte. Die Dokumentation erfolgt digital und viele unserer Arbeitsprozesse sind automatisiert. So weit, so gut. Aber ist das schon die Digitalisierung, von der wir träumen? In vielen Bereichen erleben wir tagtäglich die Realität: fehlende Schnittstellen und mangelhafte Kommunikationsmöglichkeiten im gesamtbetrieblichen System, Datenmengen, die uns überfordern und Techniken, die immer dann nach uns rufen, wenn es gerade nicht gut passt.

Auch innerhalb der verschiedenen Produktionsrichtungen bzw. im Gesamtbetrieb erleben wir immer wieder, dass die Kommunikation und die verfügbaren Schnittstellen nicht ausreichen, um wirklich interaktiv und effektiv alle anfallenden Arbeitsroutinen zu erledigen und Prozesse zu überblicken.

Schwachstellen im System

Die Kommunikation zwischen den Systemen, die automatische Dokumentation sowie die Fehler und Fehlermeldungen, die uns täglich erreichen und in unseren Arbeitsprozessen beeinflussen, sind allgegenwärtig und das im 24/7-Modus. Die Digitalisierung sollte für uns arbeiten und nicht umgekehrt. Nur so werden wir die Vorzüge der Digitalisierung ökonomisch nutzen können und nur so lassen sich die Arbeitsbedingungen optimieren und die Qualitäten unserer Produkte garantieren. Alle Beteiligten sind aufgefordert, sich einzubringen und konstruktiv an einem möglichen Gesamtsystem mitzuwirken.

Kommunikation ist ein wichtiger Schlüssel neben der Betriebssicherheit und der Einstellung durch den Landwirt. Digitalisierung und Automatisierung müssen gelebt werden. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist dazu ein präventives Management, welches darauf ausgelegt ist, durch vorausschauendes Arbeiten Arbeitsprozesse zu verbessern, Fehlermeldungen zu vermeiden und Ausfälle zu verhindern.

Industrie und Verbände sind ebenfalls aufgefordert, sich offen in die Digitalisierung, in die Netzwerke und in den betrieblichen Abläufen einzubringen, denn nur durch ein geeignetes Miteinander lassen sich die hochgesteckten Ziele einer erfolgreichen Digitalisierung in der Milchviehhaltung langfristig erreichen.

Wir Landwirte und Nutzer müssen uns stärker mit den Möglichkeiten und Potenzialen befassen und die Systeme ganzheitlich einsetzen und nutzen. Mangelhafte Kommunikation, keine ausreichenden Kenntnisse über die technischen Möglichkeiten der Anlagen sowie der nicht fachgerechte Umgang mit modernen Technologien reduzieren Motivation und Potenzial und somit auch die ökonomischen Rahmenbedingungen.

Die Industrie muss sich von Insellösungen verabschieden und mit offenem Visier und Selbstvertrauen die neuen Herausforderungen in einer zukunftsgerichteten Digitalisierung erkennen und nutzen.

Politik und Kommunen müssen die Rahmenbedingungen einer stabilen Netzabdeckung sicherstellen, denn nur mit 5G an jeder Milchkanne wird der Stall digital.

Lassen Sie uns gemeinsam den fachlichen Bedarf ermitteln, unsere Kompetenzen bündeln und loslegen!