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Heiße Tage, kühler Kopf - Was tun im Stall bei Hitze?

Das aktuelle bundesdeutsche Tierschutzrecht schreibt vor, dass in Schweineställen Kühlungsmöglichkeiten zu schaffen sind. Diese Forderung erscheint sinnvoll, weil die Extremwetter-Ereignisse immer häufiger werden, und die Ställe und Lüftungsanlagen in Deutschland für lang anhaltende Hitzeperioden nicht geplant werden. Häufig kommt es zu typischen Sommerproblemen, wenn das Potenzial der Lüftungsanlage nicht voll ausgeschöpft oder zu warme Frischluft angesaugt wird.

Andererseits stehen einige baulich technische Möglichkeiten zur Verfügung, den Tieren und den im Stall arbeitenden Menschen Entlastung zu verschaffen, wobei immer zwischen dem nachträglichen Einsatz und den Lösungen für den Neubau zu unterscheiden ist. Erfahrungsgemäß halten Sauen so wie auch Mastschweine unter 30°C viel aus, darüber aber nicht.

Alle Infos im
DLG-Merkblatt 346
"Kühlung von Schweineställen"

Kühlung ist besser als Strömung

Effektiver als die Luftbewegung über Ventilation kann die Kühlung der Stallluft sein. Unterflur zugeführte Zuluft (Erdwärmetauscher, Erdwärmespeicher, Grundwasserkühler, Schotterkühler) kann sich auf dem Weg in den Stall nur ausreichend abkühlen, wenn auch ein entsprechender baulicher Aufwand betrieben wird. Der in Aussicht gestellte Effekt von 3 bis 5°C Abkühlung der Zuluft kann physikalisch nur erreicht werden, wenn die Luft tief und langsam (Kanaldimensionierung oder 2 m Verlegetiefe) genug unter dem Stall durchgeführt wird, was mit geringem baulichem Aufwand eigentlich nicht möglich ist.

Das gleiche gilt für die Hochdruckkühlungen, die 2 bis 5°C Abkühlung bringen sollen. An diesen haben sich einige Praktiker mit Selbstbaulösungen gewagt, die aber selten überzeugend funktionieren. Damit Kleinsttröpfchen in der Schwebe bleiben und keine Rutschbahnen und Dampfküchen entstehen, sind nicht nur mindestens 7 bar Druck erforderlich, es müssen auch 30 kg Wasser je 10.000 m³ Luft vernebelt werden. Auch sind die Intervalle der Einschaltzeiten in jedem Abteil exakt einzustellen.

Vor allem im Abferkelbereich darf der Nebel nicht den Fußboden (Ferkelnester) erreichen. Hier gilt es vor allem, wenig Abwärme zu erzeugen. Für Ferkel führende Sauen belastend wirken heute auch die großen Ferkelnester (>0,75 m²), insbesondere wenn die Abferkelabteile wie heute ebenfalls groß sind. Die Vorlauftemperaturen können soweit abgesenkt werden, dass die Oberflächentemperaturen sinken und so die Nester sowie die Warmwasser führenden Leitungen weniger Abwärme produzieren.

Aber auch das hat seine Grenzen. Praktische Beobachtungen zeigen, dass nicht nur die Ferkelnester aus Aluminium (Metall), sondern auch aus Kunststoff (vollflächige Wasserdurchströmung) nicht ganz abgeschaltet werden können, weil sonst die Ferkel das Nest heizen und nicht umgekehrt. Hier muss einzelbetrieblich geprüft werden wie weit man altersabhängig die Temperaturen (<30 °C) absenken kann ohne, dass die Akzeptanz der Ferkel völlig verloren geht. Denn eine wichtige Aufgabe der Ferkelnester ist die Ferkel aus dem erdrückungsgefährlichen  Aufenthaltsbereich der Sauen herauszuhalten. Die Ferkelnester sollten von unten, so wie die Zuleitungen abisoliert sein

Schwachpunkt aller Ansätze, die Stallluft mit Wasser zu kühlen, ist die neben dem Wetter auch die vom Tierbesatz abhängige Luftfeuchtigkeit im Stall. Diese muss niedrig genug sein und sollte bei weniger als 60 bis 70 Prozent liegen. In diesem Bereich kann die kurzzeitige Befeuchtung der Stallgänge Linderung schaffen. Die Schweine selbst zu befeuchten hilft nur in Extremsituationen.

Licht ist auch Wärme

Mit dem Ziel den Schweinen an das Tageslicht angepasste Aktivitätsphasen zu ermöglichen werden Flächen im Gebäude gefordert, durch die ‚natürliches Licht’ einfallen kann. Messungen zeigen aber, dass die Durchlässigkeit für Licht auch den Wärmeeintritt fördert.

Moderne Stallfenster sind heute weniger Kälte- als viel mehr Wärmebrücken. Die geforderte Größe von 3 Prozent der Stallgrundfläche muss nicht unbedingt aus Fenstern im eigentlichen Sinne bestehen. Eine hohe Lichtdurchlässigkeit der Fensterflächen kann im Sommer, insbesondere in den Buchten in Fensternähe, ein erheblicher Nachteil sein. Auch Glasbausteine, Milchglasscheiben, Lichtkuppeln und so weiter sind möglich, genauso kann der Tageslichteintritt auch indirekt über den Verbinder gewährleistet beziehungsweise unterstützt werden.

Aber die Erfahrung zeigt auch, dass gerade die Lichtkuppeln bei bestimmten Stallsystemen (Dach=Decke) bei senkrecht stehender Sonne zum Problem beitragen und es weniger lösen. Hier müssen die Haltungsgruppen groß genug sein, damit die Schweine die Wahl haben einen alternativen Liegeplatz zu suchen.

Beschattungseinrichtungen (Bäume oder Büsche) und entsprechende Dachüberstände sowie die Anordnung (nicht nach Süden) und die Anbringungshöhe der Fenster (eher hoch als niedrig) können im Sommer erhebliche Vorteile bringen.

Darüber hinaus ist es gesetzlich nicht erlaubt, Lichteintrittsflächen dauerhaft zu verdunkeln. Jalousien (Stellbretter) können aber außen angebracht das eintretende Licht auch zu bestimmten Tageszeiten brechen, setzen aber auch hier wiederum baulichen Aufwand voraus. Im einfachsten Fall können klare Fensterscheiben mit dünner Kalkmilch Licht- und damit Wärmeundurchlässiger gemacht werden

Perspektive:

Mit technischem Aufwand (Erdwärmetauscher, Unterflurzuluftführung, Hochdruckverneblung und so weiter) gelingt es, die Temperatur im Stall um 3 bis 5 C° herunter zu kühlen. Betriebe, die solche Möglichkeiten nicht haben, können bei trockener Luft auch mit dem Wasserschlauch oder der Einweichanlage etwas erreichen. Gelingt es mit viel oder wenig Technik, die Temperaturspitzen von über 30°C zu kappen, dann ist schon viel erreicht.

Grundlage für ein erträgliches Sommerklima bieten ausreichende Gebäude- beziehungsweise Abteilhöhen, die für genügend pufferndes Raumvolumen sorgen.

Die größte Wärmebrücke sind die Fenster, diese dürfen zwar nicht dauerhaft verdunkelt werden, es gibt aber einige Maßnahmen mit denen man die Licht- und damit Wärmeintensität zeitweilig reduzieren kann. In heißen Sommern sollten die Besatzdichte und auch die Schlachtgewichte nicht zu hoch gewählt werden. Weil es gerade zum Ende der Mast eng in der Bucht wird, entlastet ein 2 bis 3 kg geringeres Verkaufsgewicht die Stoffwechselbelastung.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, wie und wann man die Tiere füttert, ohne dass die anfallende Stoffwechselwärme sie überfordert. Die Futter sollten zumindest im Sommer auf den Einzelbetrieb zugeschnitten werden und für laktierende Sauen oder Endmastschweine nicht mehr als 13,0 MJ ME enthalten. Auch zu hohe Rohproteingehalte belasten und erfordern größere Wassermengen. Generell ist auf eine optimale Anbringhöhe der Tränken und angepasste Durchflussraten im Sommer besonders zu achten.  

Weitere Informationen:  DLG-Merkblatt 346: Kühlung von Schweineställen

Autoren:

Eckhard Meyer, LfULG, Versuchsgut Köllitsch in Sachsen
Sven Häuser, DLG-Fachzentrum Landwirtschaft