Zum Hauptinhalt springen

„Ich suche die Kombination aus Fachwissen und Austausch im Netzwerk“

DLG-Mitarbeit fordert und fördert, so sagt Veronika Drexl. Als Studentin engagierte sie sich schon in der Jungen DLG in Kiel und Weihenstephan, als Doktorandin arbeitet sie jetzt im DLG-Arbeitskreis Junge DLG mit. Das Netzwerk der DLG hilft ihr, beruflich voranzukommen und erweitert auch die persönlichen Kontakte.

Frau Drexl, wie sind Sie denn zur Landwirtschaft gekommen?

Veronika Drexl: Sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg: Ich komme nicht vom Hof, aber aus einem kleinen Dorf aus Oberbayern. Alle meine Freunde sind Landwirte und deshalb wollte ich unbedingt mehr darüber lernen und Agrarwissenschaften studieren. Dazu habe ich Bayern verlassen und bin nach Kiel gegangen, um meinen Bachelor zu machen. Zum Masterstudium bin ich dann allerdings zurück nach Weihenstephan. Direkt nach dem Master habe ich - wieder in Kiel - mit der Promotion begonnen.

Zu welchem Thema promovieren Sie?

Drexl: Das Thema lautet „Früherkennung von Schwanzbeißen“. In der Ferkelaufzucht und in der Mast wird in angereicherten und in konventionellen Buchten anhand von Indikatoren wie Schadgasen (NH3/CO2), Temperatur/Luftfeuchte, Aktivitätsprofilen, Wasser- und Futtermengen sowie der Schwanzhaltung versucht, das Schwanzbeißgeschehen vorherzusagen bzw. zu verhindern. Die Promotion ist in das „Konsortialprojekt zum Kupierverzicht beim Schwein (KoVeSch)“ eingebettet. In den angereicherten Buchten haben wir strukturierte Buchten angelegt, sozusagen ein „Kinderparadies im 5-Sterne-Hotel“, sodass es dem Schwein nie langweilig wird und es hoffentlich nicht mit dem Schwanzbeißen anfängt.

Und wo hatten Sie Ihre erste Berührung mit der DLG?

Drexl: Den ersten Kontakt mit der DLG hatte ich während des Studiums in Kiel. Ich bin mit dem Junge DLG/Team Kiel auf interessanten und informativen Exkursionen in Schweden und England gewesen und habe einige andere Veranstaltungen des Teams besucht. Bereits im ersten Semester bin ich mit dem Team in Hannover auf der EuroTier gewesen und bin dort direkt Mitglied geworden, weil mich das Angebot der DLG sofort überzeugt hat.

Nach dem Eintritt haben Sie sich dann ja recht schnell mehr in der DLG engagiert.

Drexl: Das ist richtig. Nach der „reinen Mitgliedschaft“ im Team Kiel habe ich beim Wechsel nach Weihenstephan Lust auf mehr Engagement in der Jungen DLG bekommen. Dort habe ich ziemlich schnell nach Beginn des Masterstudiums gemeinsam mit einer anderen Studentin die Leitung des Teams Weihenstephan übernommen, um coole Veranstaltungen an der Uni anzubieten. Zum Beispiel wollte ich unbedingt einmal auf einen Schlachthof und zu einer Tierkörperbeseitigungsanlage, wozu es mir als Teammitglied, gemeinsam mit der DLG, ein leichtes war, eine Exkursion dorthin zu organisieren. So wurde für das Team eine interessante Exkursion angeboten und mir habe ich dabei so manchen Wunsch erfüllt.

Die DLG hilft also den Studierenden, interessante Termine zu verwirklichen.

Drexl: Ja. Wenn eine Idee vorhanden ist, wird diese seitens der DLG immer unterstützt. Man erhält Kontakte und kann sich somit organisieren, worauf das Team eben gerade Lust hat. Nicht zu vergessen ist bei meinem Engagement in Weihenstephan das Netzwerk, das ich gebildet habe. Als Teamleitung habe ich noch viel mehr das Angebot wahrgenommen, an jeder DLG-Veranstaltung teilzunehmen und Anschluss an die „große DLG“ zu finden.

Dort traf man sich stets mit den anderen Teams der Unis, Hoch- und Fachschulen und konnte sich noch besser vernetzen. Zusätzlich haben wir die Veranstaltungen der anderen Teams im süddeutschen Raum besucht. Es ist sehr schön zu erleben, wie mittlerweile immer mehr Studenten von damals, die man über die Teams kennengelernt hat, im Job ankommen und man dadurch für jede Gelegenheit nun einen Ansprechpartner hat.

Sie haben sich somit mit der DLG ein ausgedehntes Netzwerk geschaffen…

Drexl: Durch mein Engagement in den Teams habe ich auch Arbeitskreismitglieder der Jungen DLG kennengelernt. Nach dem Studium wollte ich mich dann weiterhin in der DLG engagieren. Das Schöne an der DLG ist, dass ich mich überall in Deutschland einbringen kann. Es spielt keine Rolle, ob ich mich im Süden oder im Norden aufhalte, in der DLG kann ich mich von überall einbringen. Das ist anders als in vielen anderen Organisationen, bei denen man sich meist nur vor Ort engagieren kann.

Seit über einem Jahr wirken Sie auch in einem Arbeitskreis der DLG mit…

Drexl: …und das macht mir sehr viel Freude. Nach dem Studium, also nach meiner aktiven Arbeit im Team, nahm ich weiterhin an allen DLG-Veranstaltungen teil. Dabei äußerte ich den Wunsch, im Ehrenamt der DLG mitzuwirken. Daraufhin wurde ich zu Beginn meiner Promotion als Gast in den Arbeitskreis der jungen DLG geladen und direkt gewählt. Im Arbeitskreis durfte ich bisher an einem Workshop zu den 10 Thesen der DLG und an einer StartUp-Tour in Berlin teilnehmen. Das Highlight war die Israel-Reise im Februar diesen Jahres, bei der wir landwirtschaftliche Betriebe besichtigten.

Eine Exkursion nach Israel? Was haben Sie denn da besichtigt?

Drexl: Es standen Milchviehhaltung, Kibbuze, Jojoba-, Avocado- und Zitrusplantagen sowie Bewässerung auf dem Programm. Das war hochinteressant. Es macht Spaß, 30 verschiedene Charaktere kennenzulernen. Jeder hat seine eigenen Ideen, seine eigenen Ansichten. Andere Ansichten anhören, drüber nachdenken und verstehen und dann vielleicht seine eigene Sichtweise anpassen, das ist DLG. Der lockere Austausch, Ideen aussprechen und mit anderen darüber reden und in seinem fachlichen Wissen weiterzukommen.

Das Mitwirken im Arbeitskreis bringt einen beruflich weiter…

Drexl: Auf jeden Fall! Wir organisieren auf der DLG-Wintertagung und bei den DLG-Unternehmertagen auch immer eine Veranstaltung mit drei Referenten und anschließender Diskussion. Bei der letzten Wintertagung war ich im Organisationsteam und habe zusammen mit einem anderen Mitglied aus der Jungen DLG einen Arbeitskreis moderiert. Übung macht den Meister, moderieren lernt man nur durch moderieren, die Junge DLG ermöglicht mir das.

Wie nutzen Sie die anderen Angebote der DLG?

Drexl: Es ist mir wichtig, fachlich immer gut informiert zu sein. Über die DLG bekomme ich jede Woche im Newsletter aktuelle Informationen, die aufgearbeitet und belegt sind. Ein weiteres tolles Angebot der DLG ist, dass sie zu fast jedem Thema ein Merkblatt hat. Ich gehe auf so viele Veranstaltungen als möglich, wenn es mit meiner Datenerfassung im Schweinestall zusammenpasst.

Dazu gehören natürlich die Jahrestagung der Jungen DLG, die Unternehmertage, die Wintertagung, die Feldtage und natürlich die EuroTier und die Agritechnica. Auf die DLG-Feldtage und die Agritechnica fahre ich, obwohl ich mich beruflich mit Schweinen beschäftige, um auch bei anderen Themen am Zahn der Zeit zu sein und um mein Netzwerk zu festigen und auszubauen. Weiterbildungen habe ich bisher noch nicht genutzt, das kommt aber sicher noch.

Und wie sieht es auf der persönlichen Seite aus?

Drexl: Menschlich profitiert man vom Netzwerk der DLG auf jeden Fall, indem man sich mit verschiedenen Charakteren umgibt und lernt, mit allen klarzukommen. Persönlich bringt mir das Netzwerk der DLG einfach Spaß. Ich sage immer, ich fahre beispielsweise drei Tage zur Agritechnica und habe gar nicht viel von den Ständen gesehen, dafür aber mit vielen Leuten gesprochen, so dass die Messe für mich ein Erfolg war. Ich suche die Kombination aus Fachwissen und Austausch im Netzwerk. Das ist es, was die DLG für mich ausmacht.

Für die Zukunft hoffe ich natürlich, dass mich das Netzwerk der DLG nach meiner Promotion unterstützt, sodass ich meine Ziele erreiche. Während der Promotion und bereits während des Studiums hilft das Netzwerk, dass man immer einen Ansprechpartner findet, wenn ein Problem auftritt, man einen Rat sucht oder einen Referenten für eine Veranstaltung. Ob der Kontakt nun privat hergestellt wird oder der Weg über das Hauptamt geht. Der gute Draht zum Hauptamt der DLG trägt auf jeden Fall seinen Teil zum Erfolgsmodell der DLG bei.

Und was bringt die Zukunft? Wie sind Ihre Pläne in der DLG in den kommenden Jahren?

Drexl: In der Zukunft möchte ich mein Engagement im Arbeitskreis der jungen DLG ausbauen und mich dort intensiver einbringen. Außerdem möchte ich mich im Ausschuss Schwein der DLG engagieren, da ich mich neben dem Vertreten der Mitglieder der jungen DLG im Arbeitskreis auch fachlich in die DLG einbringen möchte.

Das Interview führte Angelika Sontheimer, Agrarjournalistin aus Winsen an der Aller