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Exportmärkte sind Preismotor

Jens Hottendorf zum Gerstenmarkt 2020/21

In seiner aktuellen Juli-Schätzung hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) die kommende weltweite Getreideernte auf 2,73 Mrd. t taxiert. Damit wird die Rekordernte des Vorjahres um 63 Mio. t übertroffen. Parallel dazu ist die globale Nachfrage nach Getreide um 53 Mio. t gestiegen. Als Folge daraus werden die Vorräte auf 847 Mio. t anwachsen. 31 Prozent des Verbrauchs liegen somit in den globalen Getreidesilos, auf den ersten Blick eine sehr üppige Versorgung. 

China ist mit einer Getreideernte von 552 Mio. t der größte globale Getreideproduzent. Das Land hält mit 472 Mio. t Getreide 57 Prozent der weltweiten Bestände. Der Verbrauch liegt bei 572 Mio. t. Die chinesische Volkswirtschaft hält sagenhafte 82,5 Prozent ihres jährlichen Verbrauchs in den Vorratslägern bereit. Wenn wir aus der globalen Bilanz allerdings die chinesischen Zahlen isolieren, ergibt sich ein vollkommen anderes Bild. Die weltweiten Getreidebestände liegen dann nur noch bei 348 Mio. t oder 16,4 Prozent des Verbrauchs. Das ist immer noch eine gute Versorgung, jedoch können wir uns bei den jährlichen Wachstumsraten im Verbrauch keine großen Ernteausfälle leisten. 

Weltweit wird dieses Jahr von einer globalen Weizenernte von 769 Mio. t (plus 4 Mio. t) ausgegangen. Der Verbrauch liegt bei 752 Mio. t, so dass die Endbestände auf 315 Mio. t ansteigen werden. In Australien herrschen nach zwei Dürrejahren wieder gute Wachstumsbedingungen. Die Ernte wird um 9 Mio. t über dem Vorjahr liegen. In der EU-28 liegt dagegen die Weizenernte aufgrund der kleineren Anbauflächen in Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich um 15 Mio. t unter dem Vorjahr. 

Aktuelle Prognosen für die deutsche Getreideernte nennen 43 bis 44 Mio. t Erntemenge, was leicht unter dem Vorjahresergebnis liegt. Die Niederschläge der vergangenen Wochen haben den Getreidebeständen gutgetan. Mit etwa 11 Mio. t Gerste (Winter und Sommer) liegt die Ernte geschätzt um mehr als 2 Prozent unter dem Vorjahr. Das liegt allerdings im Wesentlichen an der etwas geringeren Anbaufläche von Wintergerste, da die Ertragslage überwiegend befriedigend bis gut ausfällt. 

Auch wenn die Gerstenernte regional sehr heterogen verläuft und Frostereignisse während der Gerstenblüte vor allem in südlichen Regionen die Erträge drücken. Sommergerste dagegen wurde insbesondere dort, wo im vergangenen Herbst keine Getreidebestellung mehr möglich war, ausgedehnt. Preismotor für die Erzeugerpreise sind die Exportmärkte. Im vergangenen Jahr konnten über 1,3 Mio. t Gerste verschifft werden. Aktuell herrscht im internationalen Gerstengeschäft ein harter Wettbewerb mit außergewöhnlich schwachen Prämien, das drückt natürlich auch die Gerstenpreise der Mischfutterindustrie. Bleibt zu hoffen, dass sich die Situation bald entspannt. 

Die Braugerste leidet immer noch unter den Auswirkungen der Corona-Krise. Der Bierabsatz und damit der Bedarf an Braugerste ist eingebrochen, wobei die Druschergebnisse in diesem Jahr überwiegend gute bis sehr gute Ergebnisse liefern. Erfreulicherweise haben viele Landwirtinnen und Landwirte Vorkontrakte zu attraktiven Preisen abgeschlossen und damit ein gutes Vermarktungsfundament geschaffen. Weitere Abschlüsse sollten erst getätigt werden, wenn sich der Bierabsatz und damit die Preise für Braugerste erholt haben.