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Futtergetreide bestimmt die Preise

Bernhard Chilla zum Getreidemarkt 2020/21

Nach Jahren mit einer weltweiten Getreideproduktion unterhalb der Nachfrage erwarten Beobachter nun einen Aufbau der Bestände. Die Corona-Pandemie verändert das Versorgungsbild komplett. Und hierzulande kann, anders als 2018, nicht von einem knappen Getreideangebot ausgegangen werden.

So dürfte die Weizenernte 2020 nach dem Regen im Juni nicht mehr deutlich unter der Vorjahresproduktion liegen. Die Preisentwicklung im deutschen Getreidemarkt 2020/21 hängt stark davon ab, wie gut internationale Märkte mit Futtergetreide, speziell Mais, versorgt sein werden.

Der deutsche Getreidemarkt steht im kommenden Wirtschaftsjahr vor sehr vielen Herausforderungen. Die Voraussetzungen bei der globalen Getreideversorgung 2020/21 haben sich im Vergleich zu den beiden Jahren zuvor komplett gedreht. Die beiden vorangegangenen Wirtschaftsjahre waren stark von einem knappen Weizenangebot geprägt, das ebenfalls durch die sehr schwache Weizenproduktion 2018 in Deutschland ausgelöst wurde. Die globale Getreideproduktion war lange niedriger als die Nachfrage (nur die chinesische Statistik verfälscht dieses Bild). Doch die Corona-Pandemie im März 2020 veränderte das globale Versorgungsbild komplett. Die Getreidevorräte in den Exportländern sollen nun nach den Erwartungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA deutlich wachsen. Ein wichtiger Auslöser dieser Entwicklung war der Einbruch der Ethanolnachfrage in den USA. Zudem importierten asiatische Länder nach der Abschottung ihrer Märkte deutlich weniger Futtergetreide, weil kurzzeitig weniger Fleisch nachgefragt wurde. Wenig hilfreich für einen Rückgang der Maisvorräte in den USA war dann ebenfalls die Entscheidung der amerikanischen Landwirte, den Maisanbau zur Ernte 2020 nochmals auszudehnen. Durch all diese Faktoren zusammen steht nach den Erwartungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums im Wirtschaftsjahr 2020/21 deutlich mehr Mais zur Verfügung als in den beiden vorangegangenen Jahren.

Da hilft derzeit auch nicht, dass sich die Weizenversorgung 2020/21 in den wichtigsten Exportländern weltweit im Vergleich zu den Vorjahren nicht signifikant verändern soll. Das Weizenangebot sollte weiterhin zwar den Bedarf decken können, ein signifikanter Aufbau der globalen Bestände wird aber nicht erwartet. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Preisentwicklung im deutschen Getreidemarkt 2020/21 viel stärker davon abhängen wird, wie gut die Welt mit Futtergetreide, speziell Mais, versorgt sein wird. Somit rückt neben dem Angebot auch die Nachfrage nach Futtergetreide in den Fokus - weltweit und im Binnenmarkt. Von dem kommenden deutschen Ernteangebot dürften derzeit wenig Impulse ausgehen, das Preisniveau deutlich zu verschieben. In Deutschland sollte die Weizenernte 2020 nach dem Regen im Juni nicht mehr deutlich unter der Vorjahresproduktion liegen. Auch bei Gerste liegen die Ernteerwartungen nunmehr höher als im langjährigen Mittel und leicht unter der Erntemenge des Vorjahres - trotz lokaler starker Frostschäden bei Wintergerste. Von einem knappen Getreideangebot in Deutschland (anders als 2018) insgesamt kann daher aktuell nicht ausgegangen werden. Somit rückt hierzulande die Entwicklung der Nachfrage in den Mittelpunkt. Die Futternachfrage sollte sich nicht grundlegend verändern, aber sie wird auch nicht wachsen. Die Schweinebestände sinken, was gleichbedeutend für weniger Futternachfrage stehen sollte. Gleichzeitig muss beobachtet werden, wie lange und wie viel Schweinefleisch nach China exportiert werden kann. Die chinesische Nachfrage war in den vergangenen zwölf Monaten der entscheidende Einflussfaktor für die guten Schweinefleischpreise. Doch in China wachsen die Tierbestände nach dem starken Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest wieder an.

Die Geflügelfutternachfrage dürfte sich wieder stabilisieren, wenn die Corona-Restriktionen wieder Stück für Stück gelockert werden. Diese Lockerung kann auch dem Rinderfuttermarkt helfen. Doch echte Wachstumsimpulse, die im deutschen Futtermarkt in den vergangenen fünf Jahren zu verzeichnen waren, fehlen derzeit. Unter diesen Entwicklungen dürfte zudem der Absatz von Futtergerste beeinflusst werden. Das Angebot bleibt auch durch die alte Ernte mehr als ausreichend, die globale Exportnachfrage war seit 2018 durch die sinkende globale Nachfrage (Saudi-Arabien, China) rückläufig.

Dennoch sollte die globale Nachfrage insgesamt für alle Getreidearten nicht unterschätzt werden. Vorerst kann nur von einer Verknappung ausgegangen werden, wenn hohe Ertragsausfälle beim Mais in den USA oder der Ukraine auftreten. Davon würde auch der Absatz von deutschem Getreide für den heimischen Futter- und Exportmarkt profitieren.