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Gedanken zur Bauerndemo in Wiesbaden

Am 10. Dezember fand wieder eine große Demonstration von Landwirten in Wiesbaden statt. Landauf und landab organisierten sich Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten und sich für Ihren Beruf engagieren.

Drei unserer jungen Mitarbeiter haben tagelang Schlepper und Plakate zurecht gemacht und nahmen an der Demonstration teil. Nicht weil es ihnen Spaß macht im großen Schleppercorso nach Wiesbaden zu fahren, sondern weil sie betroffen sind. Betroffen von dem, was uns die Politik und die Gesellschaft abverlangt.

Die drei haben ein anstrengendes Jahr hinter sich. Einer arbeitet hauptberuflich in einer Genossenschaft und nutzt fast jeden Urlaubstag und Wochenende, um bei uns zu helfen. Grassilage ernten, Mais einfahren, Zwischenfrucht säen, Getreide ernten, Stroh pressen, Maschinen reparieren, Hoffeste organisieren und so weiter. Das gleiche gilt für den zweiten jungen Mann, der bei einem Automobilzulieferer arbeitet und nicht weiß, wie lange sein Arbeitsplatz noch besteht.

Unsere Tochter Lea, im Moment in der Technikerschule für Landwirtschaft, damit das Fachwissen vertieft wird und die Legitimation besteht, unseren Betrieb weiter zu führen. Alle ihre Mitschüler gehen entweder vor der Schule oder danach in den Stall, um zu Hause zu helfen. Weil im Betrieb plötzlich eine Arbeitskraft fehlt. Wochenenden sind nicht selbstverständlich Freizeit, sondern Arbeitszeit. Sie machen das gerne und aus Verantwortungsbewusstsein, obwohl es hart ist. Andere gehen abends feiern und schlafen dann aus, sie stehen morgens um 6 Uhr im Stall und melken oder füttern oder verlassen nachmittags die fröhliche gemeinsame Runde auf dem Weihnachtsmarkt und gehen in den Stall. Alle drei sind zudem ehrenamtliche Feuerwehrleute, zum Schutz unserer Gesellschaft.

Wo ist jetzt das Problem?

Wir haben in Deutschland eine wunderbare Landschaft in der auf gepflegten Flächen gute Erträge mit Mais, Getreide, Rüben und vielen anderen Kulturen erzeugt werden können. Der Anbau ist überwacht durch ein dichtes Netz von Behörden und Gesetzen, die wir einhalten. Im Stall und bei den Tieren ist es ebenso. Unangemeldete Kontrollen, ob es den Tieren gut geht, ob sie sauber sind, ob Medikamente sachgemäß angewendet werden, ob alle Tiere Ohrmarken haben und in der Frist von sieben Tagen angemeldet wurden, der Tierarzt mindesten alle zwei Wochen im Betrieb ist, um die Kühe zu kontrollieren.

Und dann diese Arbeitsbelastung – 365 Tage rundum Dienst für die Tiere, melken, füttern, Geburtenüberwachung – auch nachts! Und am Ende wird die Milch für 34 Cent pro Liter an die Molkerei geliefert, die Schlachtkuh erlöst 600 bis 800 Euro und das männlich geborene Kalb wird nach 14 Tagen für 50,- Euro verkauft. Getreide (Weizen) für unsere Brötchen wird für 15,- Euro/100 kg abgegeben. Und auf der anderen Seite steht die Milch für 70 Cent im Regal, das Kilogramm Hackfleisch kostet 5,- Euro, wir leben in einer tollen Landschaft, haben sauberes Wasser, immer genug und hochwertig zu Essen, machen Urlaub in fantastischen Regionen.

Der Druck, der auf den Landwirtsfamilien und diesen drei jungen Leuten liegt, ist riesengroß. Finanziell, arbeitstechnisch und mental – und trotzdem haben die meisten nicht ans Aufhören gedacht. Das ist jetzt anders! Wenn Menschen viel geben, dann können sie das, wenn sie wertgeschätzt werden und ihre Leistung anerkannt wird. Das scheint heute nicht mehr der Fall zu sein. Durch die vielen negativen Berichte in den Medien, die durch eine kleine Minderheit in der Gesellschaft initiiert werden, fühlt man sich angegriffen, kontrolliert und wertlos.

So geht es unseren drei jungen Landwirten und deshalb ziehen sie los. Nicht um zu jammern und zu klagen, sondern um ihren Beruf zu kämpfen, für Wertschätzung, Vertrauen und Anerkennung. Die drei und ganz viele junge Leute, geben so viel und ich wünsche mir, dass sie wieder mit Stolz und Selbstvertrauen ihren Beruf mit Freude ausüben können.