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Herausforderungen für die Tierernährung

In regelmäßigen Abständen veranstaltet das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gemeinsame Workshops.

Im Mittelpunkt der jüngsten Veranstaltung standen die Herausforderungen, die der Klimawandel an den Pflanzenbau und die Grünlandwirtschaft (einschließlich Pflanzenzüchtung, Pflanzenschutz und Futterbaukonzepte), die Tierhaltung (einschließlich Tierzucht und Tiergesundheit), die Futterversorgung (einschließlich Rohstoffversorgung, Futtervorratshaltung, Erschließung alter und neuer Futterquellen) sowie die Tierernährung (einschließlich Futtermittelsicherheit und Tränkwasserversorgung) stellt. Diese Themen wurden in fünf Blöcken bearbeitet und aufgezeigt, wie eng die einzelnen Disziplinen miteinander verknüpft sind.

Die Aspekte der pflanzlichen Erzeugung wurden auf der Tagung mit Fokus auf die Tierernährung umfänglich berücksichtigt und es wurde betont, dass gerade der Tierernährer auf die integrale Betrachtung der nutztierwissenschaftlichen Produktionssysteme angewiesen ist. Herausgestellt wurde dies an der Bedeutung des Grünlandes, da ohne dieses eine Rinderhaltung nicht möglich ist und gerade in Grünlandregionen der Mensch ohne Tiere nicht vom Grünland leben kann.

Die Wertschätzung des Grünlandes in Forschung als auch Beratung und Umsetzung zeigt hier eine deutliche Schieflage, obwohl weltweit Grünland 2/3 der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmacht (mit Steppen und Wüsten). Es wurde diskutiert, welche Alternativen für das Grünland existieren, wenn es als Futtermittel nicht mehr genutzt werden würde. Unter den Fachleuten war man sich aber einig, dass dort, wo das Grünland nicht mehr für die Futter- und Lebensmittelerzeugung verwendet wird, von Ressourcenverschwendung zu sprechen ist.

Mit gutem Beispiel gehen hier die Nachbarländer Österreich und die Schweiz voran, die eine andere Richtung zeigen und Grünlandforschung intensiv betreiben und damit demonstrieren, dass Grünland einen bedeutenden Standort für die Erzeugung von Lebensmitteln tierischer Herkunft darstellt.

Darüber hinaus zeigt das Grünland wie kein anderer Bereich die erforderlichen fachübergreifenden Aspekte der Lebensmittelerzeugung mit Tieren auf. Im Gegensatz dazu kann mit Ackerfrüchten der Mensch oder das Tier direkt beziehungsweise in Kombination beider über beispielsweise Koppelprodukte aus Getreide und Stroh ernährt werden. Auf Grünland wird zunächst nur das Tier direkt gefüttert. Dies muss wieder stärker im Studium verankert werden.

In der Diskussion muss differenziert werden, welche Konkurrenzen zwischen Mensch und Nutztier und zwischen verschiedenen Nutztierkategorien bestehen. Grünlandprodukte gelten zunächst als konkurrenzlos, aber hochwertige Grünlandaufwüchse dienen veredelt auch anderen Zwecken wie als Proteinträger für andere Tiere oder den Menschen. In früheren Arbeiten wurde dies bereits umfänglich beschrieben (zum Beispiel für Trockengrün, Luzerneproteinkonzentrat, Rotkleeblattmasse) und sollte in zukünftigen Überlegungen und Forschungsarbeiten wieder Berücksichtigung erlangen.

Durch die Auswahl der Referenten zu den einzelnen Themen wurden die verbindenden Elemente der Veranstaltung sehr gut aufeinander abgestimmt. Es wurde verdeutlicht, dass singuläre oder kleinregionale Lösungen nichts bewegen werden und dass die entwickelten Strategien in einer Landnutzungsstrategie zusammengefasst werden sollten.

Dabei müssen die von Landwirten erbrachten ökosystemalen Dienstleistungen ebenso mit den sich daran anknüpfenden Herausforderungen angemessen berücksichtigt werden. Fachübergreifend muss versucht werden, sich gegenseitig auszutauschen und auszusprechen, um so im Gespräch zu bleiben und das Thema voranzubringen.

Zukünftig muss wieder viel stärker herausgestellt werden, dass die Erzeugung von pflanzlicher und tierischer Biomasse wesentlich zur Lebensmittelerzeugung beiträgt und hinsichtlich der Betrachtung von Klimawandeleffekten und -wirksamkeiten eine Priorisierung erfolgen muss, beispielsweise wofür ein Carbon-Footprint gemacht wird.

Insgesamt muss stärker über den generellen Aspekt einer Ressourcennutzungseffizienz nachgedacht und deutlich gemacht werden, dass Ausscheidungen wie Methan oder Stickstoff viele Disziplinen und nicht nur die Tierernährung betreffen, hier eine Versachlichung unbedingt und auch politisch priorisiert angestrebt werden muss. Diesbezüglich hat die Tagung ihren Beitrag geleistet.

Umrahmt wurde die Veranstaltung von der Verabschiedung von Dr. Sabine Kruse in den Ruhestand. Während ihrer langjährigen Arbeit in Bonn und Brüssel setzte sie sich stets für die Belange der Tierernährung ein, dafür wurde ihr in besonderer Weise der Dank ausgesprochen und ihr alles Gute für ihre persönliche Zukunft gewünscht.

Weitere Informationen erhalten Sie beim DLG-Fachzentrum Landwirtschaft (Kontakt: Dr. Detlef Kampf, Tel.: 069/24788-320, Mail: d.kampf@dlg.org).