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Von der Straße zur Strategie

Hubertus Paetow zum Agrargipfel diese Woche im Kanzleramt

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor der versammelten Runde Dialogbereitschaft signalisiert, aber auch klare Linien aufgezeigt: Bei der Düngeverordnung gibt es nichts mehr zu verhandeln, Brüssel hat den rechtlichen Rahmen abgesteckt.

Und egal auf welcher statistischen Basis die Messwerte gemeldet wurden, nun muss die Nitratrichtlinie umgesetzt werden. Der einzige regulative Spielraum bestände in der Binnendifferenzierung bei der Ausweisung der roten Gebiete durch die Bundesländer. Dafür setzt sich derzeit das BMEL ein.

Doch die Kanzlerin hat noch eines gezeigt: Verständnis für die Irritation der Branche über unausgereifte Konzepte. Sie hat ein offenes Ohr für konstruktive Vorschläge und erwartet diese aus der Agrarbranche. Unsere Branche ist somit gefordert, weitere neue und schlüssige Konzepte zur Weiterentwicklung der Landwirtschaft in Richtung mehr Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz zu liefern. Wir nehmen diese Chance wahr, erwarten im Gegenzug aber auch, dass sich die Bundesregierung dieser Vorschläge annimmt.

Eine „Zukunftskommission Landwirtschaft“ soll Praktiker, Wissenschaftler und gesellschaftliche Akteure einbinden und praxistaugliche Wege für eine sowohl produktive als auch ressourcenschonende Landwirtschaft aufzeigen. Als DLG unterstützen wir diesen Prozess mit einem Konzept und einer Strategie für eine nachhaltigere Landwirtschaft auf fachlicher Ebene. Basis dafür sind unsere Experten-Netzwerke, in denen wir die Praktiker, Wissenschaftler, Berater, Vertreter des Agribusiness und Fachleute aus Verwaltung und Politik zu zentralen Themen der landwirtschaftlichen Zukunft zusammenbringen. Wichtigste Komponente bei der Suche nach Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft und deren Umsetzung ist für uns als DLG der messbare Fortschritt durch Innovation.

Auch wenn die Termine der kommenden Dialogrunden schon vor den Traktordemos feststanden – das aus den sozialen Netzwerken entstandene Aktionsbündnis „Land schafft Verbindung“ hat es geschafft, der Branche bis ins Kanzleramt Gehör zu verschaffen. Es ist uns als Branche übergreifend gelungen, aktiv für die eigenen Interessen Kampagne zu machen.

Wir sollten nun gemeinsam die daraus hervorgegangene Chance ergreifen und innerhalb der bewährten Strukturen Zukunftskonzepte entwickeln, um neben der bereits bestehenden Ackerbaustrategie auch die fachliche und politische Richtung in weiteren Bereichen vorzugeben. Wichtig ist, dass die Branche sich nicht darin verliert, die Deutungshoheit neu auszufechten, sondern schnell und entschlossen handelt, um im Herbst 2020 in gleicher Runde ein gemeinsames Konzept für die Zukunft der Landwirtschaft vorstellen zu können.   

Wir als DLG sind bereit, an einer Zukunftsstrategie für die Landwirtschaft aktiv als Fachorganisation mitzuwirken.