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Wissenschaft trifft Praxis

Es ist inzwischen eine schöne Tradition geworden, alle zwei Jahre nach Wittenberg zu reisen und sich einer gründlichen Diskussion mit Fachkollegen aus Wissenschaft und Praxis hinzugeben. Das Ziel: gegenseitig über die aktuellsten Themen und Fragestellungen sowie Versuchsergebnisse zur Fütterung von Monogastriden austauschen.

Zur 15. Tagung Schweine- und Geflügelernährung trafen sich Mitte November wieder rund 100 Vertreter aus Wissenschaft, angewandter Forschung, Beratung und Futtermittelindustrie. Und mit insgesamt zwölf Übersichtsbeiträgen, 17 Kurzvorträgen und 27 Posterbeiträgen spiegelte die Veranstaltung sowohl die Bandbreite der Forschungsaktivitäten als auch sich selbst als ausgezeichnete Plattform zur intensiven Kommunikation hervorragend wider.

Einen der Schwerpunkte der Tagung bildeten zweifelsohne die Beiträge zur Faserversorgung beim Schwein, die von mehreren Seiten beleuchtet wurde. Zum Ersten lieferte Prof. Dr. Andreas Susenbeth (Kiel) Antworten zum Beitrag der Nahrungsfaser zur Energielieferung und zu möglichen antinutritiven Wirkungen beim Schwein, bei dem es im Wesentlichen um die Einschätzung geht, wie die Fermentierbarkeit beziehungsweise die Verdaulichkeit der Faser letztlich zur Energielieferung durch die fermentierten Kohlenhydrate beitragen kann und wie mögliche Auswirkungen auf die Darm- und Tiergesundheit aussehen und bewertet werden können. Im zweiten Übersichtsvortrag wurden von Prof. Georg Dusel (Bingen) die einzelnen Faserfraktionen hinsichtlich Ihrer Wirkung in der Fütterung von Schweinen (Löslichkeit, Wasserbinde- und Quellvermögen, Fermentierbarkeit und Substratlieferung im Dickdarm etc.) beurteilt und mögliche Fütterungsstrategien abgeleitet. Er stellte heraus, dass neben der eigentlichen Rohfaser zur Abschätzung der Futterenergiegehalte die neuen Parameter eine stärkere Beachtung finden müssen. Im dritten Beitrag wandte sich Prof. Jürgen Zentek (Berlin) der Entwicklung des intestinalen Mikrobioms im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Tiergesundheit bei Jungtieren zu und zeigte Nutzen und Grenzen von Prä- und Probiotika auf.

Im zweiten Schwerpunkt der Tagung wurden verschiedenste Fragestellungen zur Protein- bzw. Aminosäurenversorgung bearbeitet. Hier ging es vor allem darum, die Möglichkeiten eines Enzymeinsatzes hinsichtlich der korrespondierenden Aminosäurenverdaulichkeit beim Geflügel und beim Schwein zu erörtern (Dr. Wolfgang Siegert, Hohenheim), andere Beiträge beschäftigten sich mit dem Zusatz und dem Metabolismus einzelner Aminosäuren wie Glutamin, Guanidinsäure oder Methioninäquivalenten oder der Umsetzung neuer N- und P-reduzierter Fütterungsverfahren.

Weitere nennenswerte Beiträge gingen auf die Bedeutung von Entzündungsprozessen und deren Wechselwirkungen mit der Ernährung beim Schwein ein (Prof. Dr. Dr. Sven Dänicke, Braunschweig), beleuchteten den schmalen Grat zwischen Bedarf, Gesundheit, Toxizität und Umweltschutz bei der Spurenelementversorgung beim Schwein (Prof. Wilhelm Windisch, Freising) oder behandelten aktuelle Herausforderungen und Engpässe in der Vitaminversorgung vor allem bei Jungtieren im Ökologischen Landbau. Schlussendlich wurde sich auch dem Thema zugewandt, wie der aktuelle Sachstand zum hygienisierenden Potential von fermentiertem Flüssigfutter bei Schweinen aussieht (Prof. Dr. Josef Kamphues, Hannover) und wie die Verbesserung des Tierwohls in Einklang mit den Anforderungen an die Futtermittelsicherheit zu bringen ist.

Umrahmt wurde das Fachprogramm von zahlreichen Beiträgen zu Untersuchungen verschiedenster Futterzusätze hinsichtlich der Einflussnahme auf Darm- und Tiergesundheit.
Der Tagungsband mit den ausführlichen Manuskripten ist über die Martin-Luther-Universität zu beziehen (www.landw.uni-halle.de/prof/tierernaehrung).

Weitere Informationen: DLG-Fachzentrum Landwirtschaft
(Kontakt: Dr. Detlef Kampf, Tel.: 069/24788-320, Mail: d.kampf@dlg.org).