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Landwirt aus Überzeugung

Stefan Cramm zu den Bauernprotesten

Erneut hat am vergangenen Dienstag eine Kundgebung und Sternfahrt der Landwirtschaft stattgefunden. Ort des Geschehens war diesmal Berlin: Zehntausende Landwirte mit 8.600 Traktoren machten sich bereits Tage zuvor auf den Weg, um gemeinsam zu demonstrieren, aber auch um das Gespräch mit den Verbrauchern, Politikern und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen direkt zu suchen. Sie forderten mehr Gehör in der aktuellen agrarpolitischen Debatte und dass die Kompetenz der Agrarbranche in den politischen Prozess mit eingebracht wird. Kritikpunkte der Bewegung sind insbesondere das Agrarpaket der Bundesregierung und die erneute Verschärfung der Düngeverordnung.

Auch ich war in Berlin dabei, um aufzuzeigen, dass wir Landwirte unseren Beruf nicht leid sind, sondern diesen jeden Tag mit Überzeugung und Lust ausüben. Nicht der kurzfristige Erfolg treibt uns dabei an, sondern die Ausgestaltung des generationsübergreifenden landwirtschaftlichen Betriebs, der Mittelpunkt unserer täglichen Arbeit ist. Denn der Kauf von Land, der Bau eines neuen tierwohlgerechten Stalls oder auch die Umstellung auf eine ökologische Wirtschaftsweise sind keine überstürzten Entscheidungen, sondern müssen für die jetzige Generation wirtschaftlich attraktiv und umsetzbar sein und sollten der nächsten Generation eine gute Ausgangslage zur weiteren Entwicklung bieten.

Landwirtschaft ist eben nicht einfach nur ein Beruf, sondern vielmehr eine Berufung für sein Land, seine Tiere, seine Mitarbeiter und seine Familie. Und um diesen Beruf wieder mehr als Berufung wahrnehmen zu können, brauchen wir Landwirte verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, die es uns ermöglichen, unsere ureigene unternehmerische Verantwortung für unsere Produktionsfaktoren standortangepasst ausüben zu können. Ökonomie und Ökologie sind für uns ergänzende Faktoren, denn der Erhalt und der Schutz von Natur und Umwelt bilden die wirtschaftliche Ausgangslage der nächsten Generation.  

Aber nicht nur als Landwirt, sondern auch als Vertreter der DLG habe ich Verständnis für die Sorgen unserer Branche. Als DLG haben wir uns zur Aufgabe gemacht, für die Betriebe Strategien zur Anpassung an die zukünftigen Herausforderungen zu entwickeln. Und gerade dies wird durch die politischen Entscheidungen der jüngsten Vergangenheit erschwert. Vor allem fehlen uns an den Initiativen zum Insekten- und Grundwasserschutz eine transparente wissenschaftliche Herleitung und die Folgenabschätzung.

Grundsätzliche Lücken bestehen für uns als DLG speziell bei der Antwort auf die Frage, wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Praxis verbessert werden können. Landwirtschaftliche Betriebe brauchen messbare Zielgrößen, um bewerten zu können, wie sie das Ziel von mehr Nachhaltigkeit an ihrem Standort erreichen und welche Strategie dafür die beste ist. Bei den aktuellen politischen Initiativen von Bund und Ländern besteht derzeit aber vielmehr die Gefahr, dass die ambitionierten selbstgesteckten Ziele trotz massiver Einschränkungen verfehlt werden.