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Stall der Zukunft: Noch ist nicht viel zu sehen

Die aktuellen und die künftigen Forschungsschwerpunkte zur Nutztierhaltung in Deutschland standen im Mittelpunkt des dafa*-Fachforums Nutztiere 2019 kürzlich in Berlin.

Wissenschaftler, Berater, Praktiker sowie Vertreter landwirtschaftlicher Organisationen wie der DLG gingen in unterschiedlichen Clustern folgenden Fragen nach:

  1. Worauf hat sich die Forschung in den letzten Jahren konzentriert, welche Fortschritte sind erreicht worden?
  2. Wie hat sich die Nutztierhaltung in den letzten Jahren entwickelt, und wo liegen aus heutiger Sicht die Hauptprobleme?
  3. Auf welche Themen sollte sich die angewandte Forschung in den nächsten Jahren konzentrieren?
  4. Wie sollte diese Forschung organisiert werden, vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus vorangegangenen Förderperioden?

Die Leitfragen wurden in Kleingruppen diskutiert, konnten aber nur zum Teil abgearbeitet werden. Nach Ansicht einiger Teilnehmer stellt sich die Wissenschaft bisher bei der Tierwohl-Forschung zu reaktiv auf und versteht sich zu selten als Teil der Lösung.

Zudem gibt es bisher keine gesellschaftliche/politische Festlegung, welchen Kriterien der Stall der Zukunft entsprechen beziehungsweise wie er genau aussehen soll. Diese Unsicherheit bezüglich der Zielsetzung begleitete die gesamte Diskussion. Die Anforderungen der Gesellschaft folgen zum Teil einem allgemeinen „Mainstream“ und sind daher mit hohen Unsicherheiten behaftet. Aus diesem Grund kristallisierten sich zwei Ansätze heraus, hinter denen sich  unterschiedliche Gruppen versammeln:

Tradierter Ansatz

Bestehende Stallbausysteme und Ställe müssen beziehungsweise sollten an der einen oder anderen Stelle hinsichtlich einer Verbesserung des Tierwohls angepasst werden. Hier sollten auch künftige Forschungsschwerpunkte gelegt werden.

Progressiver Ansatz

Eine andere Gruppe argumentierte, dass man sich in der Agrarforschung mehr an den (bisher diffusen) gesellschaftlichen Anforderungen orientieren müsse und sieht diese als Treiber der Weiterentwicklung. Diese Gruppe geht davon aus, dass die „licence to operate“ für den Warmstall, für mehr Tageszunahmen und mehr abgesetzte Ferkel in Deutschland nicht mehr gegeben ist. Sie fordert daher eine neue Schwerpunktsetzung in der Agrarforschung: Mehr Geld und Projekte für die zukünftigen „Mainstreamställe“.

Die folgenden vier „Zielobjekte“ für die Agrarforschung zur Verbesserung des Tierwohls in der Breite wurden definiert:

  • Ställe der Stufe 2 des BMEL-Tierwohllabels
  • Ställe der Stufe 3 des BMEL-Tierwohllabels
  • Ställe mit darüber hinausgehenden Auflagen, beispielsweise Öko-Haltung
  • „Freie Forschung“, die gänzlich neue/alternative Ansätze untersucht

Netz von Experimentierställen aus Bundesforschungsmitteln gefordert

Abschließend wurden Experimentierställe gefordert, in denen Praxis, Innovation und Forschung aufeinandertreffen. Mit einem groß angelegten Bundesforschungsprogramm könnte beispielsweise über mehrere Jahre anhand von bundesweit 100 neu zu bauenden Ställen die anwendungsorientierte Forschung zusammen mit Landwirten vorangetrieben werden. Das Risiko der Erstellung und des Betriebs dieser Ställe soll nicht bei den Landwirten, sondern beim Bund als Projektförderer liegen. In diesen Ställen soll zu den unterschiedlichen Fragestellungen im Hinblick auf den optimalen Mainstreamstall geforscht werden.

* Die dafa (Deutsche Agrarforschungsallianz) ist ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen Agrarforschung. Das Netzwerk verfolgt das Ziel, die Leistungsfähigkeit, die Transparenz und die internationale Sichtbarkeit der deutschen Agrarforschung zu verbessern.