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Motorsensen und Freischneider: Geprüfte Sicherheit

Mit einem GS-Zeichen dokumentieren Hersteller über die CE-Erklärung hinaus, dass eine neutrale Stelle die Produktsicherheit bestätigt hat. Wie umfangreich diese Prüfungen für handgehaltene Motorgeräte sind, stellt Urs Wothke vom DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel am Beispiel von Freischneiderprüfungen vor.

„GS“, das steht für „Geprüfte Sicherheit“. Unabhängige Prüfinstitute bestätigen dem Hersteller mit der Vergabe dieses Prüfzeichens, dass bei einem Produkt bei bestimmungsgemäßer und vorhersehbarer Verwendung die europäischen Vorgaben eingehalten werden und sowohl Benutzer als auch Dritte vor Schäden an Leib und Leben geschützt sind. Maßgeblich für die Vergabe des GS-Zeichens ist vor allem der § 21 des Produktsicherheitsgesetzes (ProdSG), der eine freiwillige Prüfung zur Produktsicherheit z. B. auf der Basis von Sicherheitsnormen vorsieht. Um auch aktuelle Änderungen der Sicherheitsbestimmungen zu erfassen, wird das GS-Zeichen für maximal fünf Jahre ausgestellt. Seit seiner Einführung 1977 hat dieses – im Gegensatz zur CE-Herstellererklärung freiwillige – Prüfzeichen weltweite Bekanntheit erlangt und spielt in der Produktwerbung für technische Geräte eine große Rolle. Am DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel wird das GS-Zeichen (Bild 1) durch die Deutsche Prüf- und Zertifizierungsstelle für Land- und Forsttechnik (DPLF) vergeben, einem Kooperationsunternehmen zwischen DLG-Testzentrum und dem Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF e. V.) als gleichberechtigten Partnern. Der Schwerpunkt der DLG-Prüfingenieure liegt dabei in sicherheitstechnischen Prüfstandsuntersuchungen, während die KWF-Prüfingenieure vor allem Praxisprüfungen erarbeiten und durchführen.

Über 200 Prüfkriterien

Zur Vergabe eines GS-Zeichens können bei Freischneidern, Motorsensen und Rasentrimmern insgesamt über 200 sicherheitsrelevanten Einzelkriterien zur Prüfung zusammenkommen – und das bei jedem Maschinentyp. In einem konkreten Beispiel können dies neben allgemeinen Sicherheitsanforderungen, wie z. B. Kriterien zu den Handgriffen, Tragegurten und Schutzabweisern gegen versehentliches Berühren der Werkzeuge, auch Prüfungen der Festigkeit der Schneidgarnitur sowie von deren Schutzeinrichtung und Transportschutz sein. Hinzu kommt die Einhaltung einer Sicherheitsreserve bei Erhöhung der Drehzahl auf das 1,25-fache der Leerlaufdrehzahl, bei der die Fliehkraftkupplung nicht einkuppeln, das Werkzeug sich also nicht drehen darf. Bauliche Vorschriften für den Kraftstofftank sind einzuhalten und der Bediener muss vor der Berührung hochspannungsführender Teile der Zündung und heißer Bauteile des Motors genauso geschützt sein wie vor den ausgestoßenen Abgasen. Schwingungen an den Handgriffen und die Schallleistung, das heißt die Lärmentwicklung des Geräts, sind zu messen und zu dokumentieren und auch die Bedienungsanleitung, Kennzeichnungen und Warnhinweise müssen dem internationalen Standard entsprechen.

Aktuelle Prüfnorm

Der Prüfrahmen für die sicherheitstechnischen Anforderungen an tragbare handgehaltene motorbetriebene Freischneider und Grastrimmer mit integriertem Verbrennungsmotor wird durch die DIN EN ISO 11806-1 vorgegeben, die 2012 neu gefasst wurde. Hauptursache für die letzte Überarbeitung waren Kettensägen aus Fernost. Bei diesen konnte die Startgassperre, also eine Erhöhung der Motordrehzahl zur Erleichterung des Startvorgangs, bei laufender Säge und auch versehentlich eingelegt werden. In der Regel führt diese Startgasstellung zu einer Motordrehzahl, bei der die Auslösedrehzahl der Kupplung überschritten wird und das Werkzeug, sprich die Sägekette unbeabsichtigt und unerwartet läuft. Neben einer komplett neuen Struktur der Norm haben die wesentlichen Änderungen dieser letzten Aktualisierung deshalb den Bereich des Gasgriffs betroffen. Wie bisher muss dieser gegen versehentliche Betätigung durch eine selbsttätig wirkende Gashebelsperre geschützt sein, die den Motor in der Leerlaufstellung hält. Neu hinzugekommen ist dagegen aus oben genannten Gründen eine Regelung zur Startgassperre: Wird diese benutzt, darf sich das Werkzeug zwar drehen, die Sperre muss sich aber beim ersten Betätigen des Gashebels automatisch lösen. Der Motor fällt somit beim Loslassen des Gashebels automatisch in die Leerlaufdrehzahl zurück. Selbst wenn am Griffarm das dreifache Maschinengewicht aufgebracht wird, was in der Praxis beispielsweise durch Hängenbleiben an einem Hindernis möglich ist, darf sich die Motordrehzahl nicht so weit erhöhen, dass die Kupplung greift und sich in Folge das Werkzeug zu drehen beginnt. Wie bisher muss die Motorstart- und -stoppvorrichtung mit Schutzhandschuhen problemlos zu betätigen sein.

Oft gefälscht

Wie wichtig das GS-Zeichen für den Verkauf ist, lässt sich auch daran ablesen, dass es relativ häufig gefälscht wird. Im Verbraucherbereich sind derzeit beispielsweise beim TÜV Süd rund 370 Produkte in einer „Schwarzen Liste“ zusammengefasst, bei denen gefälschte Prüfzeichen verwendet wurden. Die Produktbereiche mit gefälschten GS-Zeichen umfassen dabei medizinische Einmalhandschuhe genauso wie Spielplatzgeräte und Toaster bis hin zu Patienten-Überwachungsgeräten für die Intensivmedizin. Für Letztgenannte ist die Vergabe eines GS-Zeichens sogar gesetzlich ausgeschlossen. Auch vor motorgetriebenen Handgeräten machen die vor allem fernöstlichen Fälscher nicht halt. Für den Verkäufer erkennbar, fehlt – wie in Bild 2 dargestellt – bei der Fälschung oft die Angabe oder das Logo der vergebenden Stelle.

Mit der Sicherheit ist es dann oft nicht weit her: Bild 3 zeigt ein zerborstenes Werkzeug nach einem Aufprall auf einen Rundstahl, der beispielsweise das Anschlagen an ein Verkehrsschild simuliert.

Urs Wothke, DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel, u.wothke@DLG.org