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Der einzige seiner Art

Dieser Tage fand die 60. Fachtagung des DLG-Ausschusses „Gräser, Klee und Zwischenfrüchte“ statt. An diesem „runden Geburtstag“ gab es mit 77 Teilnehmern eine besondere Tagung mit einem so hohen Interesse wie lange nicht mehr.

Immer wieder neue Fragestellungen und Herausforderungen haben den Ausschuss über viele Jahre jung gehalten. Allen aktiven Mitgliedern und Gästen des Ausschusses ist dabei immer wieder bewusst geblieben, dass dieser DLG-Ausschuss die einzige fachliche Plattform für den Wissenstransfer aus Wissenschaft, Praxis und Saatgutwirtschaft im Grassamenbau in Deutschland ist.

Nicht nur die Facharbeit allein macht den Erfolg dieses Ausschusses aus. Es sind die vielen Kontakte untereinander nicht nur national, sondern auch international, die die Basis für fruchtbare Denkanstöße und Facharbeit bilden. Diese so wichtigen Beziehungen zwischen Wissenschaft, landwirtschaftlicher Praxis und Saatgutwirtschaft werden nicht nur auf der Fachtagung gepflegt. Es sind auch die vielen Gespräche untereinander im Jahr sowie die Fachexkursionen, die immer dazu beigetragen haben, dass sich anbahnende Problemstellungen erkannt und auch bearbeitet wurden und werden.

Der Umgang mit Fragen des Pflanzenschutzes oder die neue Gesetzgebung in der Düngeverordnung sind dazu sicherlich gute Beispiele, wie wir über Versuchswesen und Gespräche mit allen Beteiligten Lösungen für die Praxis erarbeitet haben und auch zukünftig erarbeiten werden.

Auch kann insgesamt zufrieden auf die geleistete Arbeit zurückgeschaut werden, da mit der Facharbeit zur Erhaltung und Stabilisierung der Saatgutproduktion von Gräsern, Klee und Zwischenfrüchten in Deutschland maßgeblich beigetragen wurde.

Die DLG ist nicht nur in Deutschland, sondern auch international anerkannt für ihre außerordentlich gute Facharbeit, die immer wieder für Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und landwirtschaftlicher Praxis herangezogen wird. Diese kommt im Wesentlichen aus den verschiedensten Ausschüssen, die auch übergreifend gut vernetzt sind und eng bei fachübergreifenden Themen zusammenarbeiten.

Die zukünftigen Herausforderungen im Pflanzenbau sind allgemein groß und müssen angenommen, bearbeitet und über Facharbeit zu praktischen Lösungskonzepten geführt werden. Klimawandel, verschärfte Gesetzgebungen im Pflanzenschutz und in der Düngung sind die großen Themen, die die Pflanzenbauer aktuell bewegen. Diese Themen treffen auch die Saatgutproduktion von Gräsern, Klee und Zwischenfrüchten.

Grundsätzlich ist für die Grundstimmung in unserer Branche positiv zu vermerken, dass Gräser, Klee und Zwischenfrüchte weiterhin nachgefragte Produkte auch in der Neuorientierung im Pflanzenbau sind. Um diese Produkte auch langfristig aus heimischer Saatgutproduktion in Deutschland liefern zu können, stellen wir uns den Herausforderungen und beginnen das mit den Beiträgen in dieser Fachtagung.

Erste Herausforderung:

Wie zukünftig umgehen mit immer weniger Pflanzenschutzmitteln, die uns zur Verfügung stehen? Dazu hatte Klaus Gehring von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft den aktuellen Stand für die Branche vorbereitet und über die zukünftige Ausstattung berichtet.

Müssen wir uns zukünftig auf mehr vorbeugende und mechanische Unkrautregulierung einstellen? Dazu gab Andreas Jessen von der Naturland Fachberatung in Visselhövede in seinem Vortrag Anregungen.

Weniger Pflanzenschutz auch für die Sikkation von Leguminosen – Georg Stiegler, Waldenburger Agrar GmbH & Co. KG, zeigte, wie er sich in der praktischen Saatgutvermehrung von Rotklee bereits schon jetzt darauf eingestellt hat.

Mit dem Thema, was mit dem Wegfall von Glyphosat, einem wichtigen Wirkstoff für uns beim Umbruch von Vermehrungsflächen, auf die Grassamenvermehrer und den Pflanzenbau zukommt, hat Dr. Marco Schneider, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) in Alsfeld, hoch interessante Fakten dargelegt.

Wenn die Möglichkeiten des Pflanzenschutzes weiter eingeschränkt werden, dann stellt sich die Frage, ob die Normen für Ungras- und Unkrautbesätze in der Feldbesichtigung noch aktuell sind oder auch angepasst werden müssen. Hier hatte Bernd Krellig vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Nossen interessante Gedanken unterbreitet.

Weniger Pflanzenschutz, dafür mehr Besatz in der Rohware – was kann die Saatgutaufbereitung mit der Technik leisten, um anerkennungsfähiges Saatgut für die Märkte aufzubereiten. Georg Reiter, Seed Processing GmbH & Co. KG, Landshut, gab Auskunft über den aktuellen Stand.

Die Saatgutaufbereitung war übrigens ein großes Thema auf der diesjährigen Exkursion nach Österreich – Dr. Bestajovski nahm alle „Daheimgebliebenen“ in Wort und Bild in seiner Rückschau nochmal mit auf die Reise.

Zweite Herausforderung:

Anpassung der Fruchtfolgen an die geänderten Witterungsbedingungen. Über die Möglichkeit der Aufnahme von Grassamenproduktionen für die Erweiterung der Fruchtfolge und deren Vorteile berichtete aus Sicht des Praktikers Herr Thiex-Mayer, Landwirt in Hüttingen/Eifel, von seinen Erfahrungen.

Dazu passte ein Überblick über das Projekt „Trockenstress bei Gräsern“ und der aktuelle Stand zum Projekt „Kleinkörnige Leguminosen“ über den Dr. Stephan Hartmann und Frau Grill von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) aus Freising berichtet haben.

Dritte Herausforderung:

Umgang mit der 2. Novellierung der Düngeverordnung. Dieses Thema wurde schon mehrmals mit fachkundigen Referenten an dieser Stelle mittels Vorträgen und angeregten Diskussionen bearbeitet. Die 2. Novellierung der Verordnung steht an – welche Auswirkungen kommen auf die Grassamenerzeuger zu – Informationen aus erster Hand brachte Dr. Matthias Wendland von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising.

Vierte Herausforderung:

Das Marktgeschehen für Gräser, Klee und Zwischenfrüchte. Alle unsere Anstrengungen müssen sich natürlich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch für die Beteiligten abbilden lassen. Die Ökonomie wird dabei maßgeblich vom Markt beeinflusst. Auf welche Entwicklungen wir uns einstellen müssen, stellte Michael Hamann, Deutsche Saatveredelung AG, Lippstadt, vor.

Gleichzeitig brachten die Gäste und Teilnehmer ihr Fachwissen in Form von Diskussionsbeiträgen ein und bereiten sich auf Basis der jetzigen Erkenntnisse vor, sich mit Vorträgen in den nächsten Tagungen an dieser Stelle einzubringen.

Die Präsentationen der Tagungsbeiträge werden auf der Internetseite allen interessierten Mitgliedern zur Verfügung gestellt.